IAA-Blog Last Night a DJ Saved My Life

AFP

Hergehört, Tagträumer: Elektroautos sind so leise, dass man sie kaum wahrnimmt. Peugeot hat beim Prototyp Fractal deshalb einen Klangkünstler beauftragt, die stille Gefahr zu beseitigen. Lauschen Sie mal.

Die klassische Frage beim Anlassen eines E-Mobils - "Läuft der Motor schon?" - soll sich bei dem Showcar ebenso erledigen wie die Sorge davor, unachtsame Fußgänger und Radler über den Haufen zu fahren. Diese können sich zukünftig bei Amon Tobin bedanken. Der brasilianische Soundtüftler hat für den Fractal ein Anfahrgeräusch komponiert, das garantiert jeden aufschreckt und gleichzeitig tanzbar ist. (Hörproben finden Sie im Kasten links, als Mobilnutzer oben).

Sounddesign spielt bei Fahrzeugen ja seit jeher eine zentrale Rolle; bestes Beispiel ist das satt schmatzende Geräusch einer zufallenden Türe bei Mercedes, lange Zeit Distinktionsmerkmal der automobilen Oberklasse. Der Fractal ist allerdings mehr House- als Country-Klub, bei ihm erklingt beim Öffnen und Schließen der Türen zum Beispiel ein dumpfes Wummern.

Die meisten Geräusche befinden sich im Einklang mit dem futuristischen Interieur. Der Fractal hört sich nicht nur wie ein Raumschiff an, er sieht innen auch so aus: Die Sitzschalen wirken fast freischwebend, überall im Fahrzeug glänzen Kupferblenden.

Wer die Töne nervtötend findet, kann sich vielleicht am coolen Cockpit begeistern
Peugeot

Wer die Töne nervtötend findet, kann sich vielleicht am coolen Cockpit begeistern

Und hat Peugeot beim Boden und bei der Türverkleidung etwa mit weißer Toblerone-Schokolade experimentiert? Nein, die zackigen Elemente sind aus Kunststoff und stammen aus dem 3D-Drucker. Ihre Form ist besonders gut dazu geeignet, Echogeräusche zu schlucken, sie haben den gleichen Effekt wie Eierkartontapeten in Bandproberäumen. Deshalb wird die Studie auch als rollendes Tonstudio betitelt.

Wenn es nach Matthias Hossann geht, rollt dieses Tonstudio ziemlich rasant und weit. Der 35-jährige Franzose hat neben dem Klangkünstler Amon Tobin den Ton beim Fractal angegeben, er leitet bei Peugeot die Abteilung für Konzeptautos. "Das Auto hat zwei E-Motoren mit zusammen 170 PS, mit dem Akku sind mehr als 400 Kilometer Reichweite möglich", erklärt er am IAA-Stand seines Arbeitgebers. Theoretisch, versteht sich: denn die Studie wird niemals in Serie gehen. "Aber der Wagen fährt", sagt Hossann.

Und wie fühlt sich eine Spritztour in so einer futuristischen Flunder an? Für einen Moment wird es um das Klangwunder Fractal herum plötzlich sehr still. "Ich bin noch nie damit gefahren", sagt Hossann. "Aber das ist schon in Ordnung so, ich hätte wahrscheinlich zu viel Angst, etwas kaputt zu machen."



Diskutieren Sie mit!
10 Leserkommentare
rennflosse 18.09.2015
RobMcKenna 18.09.2015
Sleeper_in_Metropolis 18.09.2015
shade 18.09.2015
manni.baum 18.09.2015
L!nk 18.09.2015
vlado13 18.09.2015
mapegu 18.09.2015
KobiDror 18.09.2015
Inge Nieur 20.09.2015

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.