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IAA-Bilanz: Grüner wird's nicht

Von Jürgen Pander

Die grünste IAA aller Zeiten sollte es werden. Tatsächlich beschränkte sich die Branche weitgehend auf lautstarkes PR-Gehupe. Die meisten Mainstream-Modelle fahren den großspurigen Ankündigungen zum Thema Umweltschutz noch immer hinterher.

"Diese IAA der nachhaltigen Mobilität ist auch auf einem nachhaltigen Wachstumskurs", sagt Matthias Wissman, Präsident des Verbandes der Deutschen Automobilhersteller (VDA), der die Autoshow in Frankfurt veranstaltet.

Zumindest was das Wachstum angeht, hat der Mann recht: Zur Halbzeit konnte Wissmann mit mehr als 520.000 Besuchern einen neuen Rekordansturm auf die Neuheiten der Autobranche verkünden. Bis Sonntagabend dürfte nach Einschätzung des VDA die Marke von einer Million Messegästen geknackt werden.

Allerdings war die Messe lange nicht so grün wie versprochen. An den Pressetagen starteten die Autohersteller einen schon absurd anmutenden Wettbewerb um das vorbildlichste Umwelt-Image. Der ging so weit, dass Porsche-Chef Wendelin Wiedeking behauptete, sein Unternehmen habe den Hybridantrieb schon vor Jahrzehnten erfunden.

Leider vergaß der Automanager zu erwähnen, dass in Zuffenhausen seitdem nichts aus dieser Erfindung gemacht wurde. Es ist erhöhte Skepsis angebracht, wenn jetzt plötzlich jeder der erste, größte, beste Umweltschützer sein möchte. Denn gar so grün, wie die Autohersteller tun, sind sie nicht - das gilt für sämtliche Marken.

Gemessen an dem, was ökologisch notwendig und technisch möglich wäre, fährt die Automobilindustrie selbst ihren eigenen bescheidenen Ankündigungen deutlich hinterher. Zwar ist der CO2-Ausstoß kein exklusives Problem der Automobilbranche. Es gibt wesentlich größere industrielle Emittenten, die ihren Ausstoß ebenfalls einschränken müssen. Dennoch ist es richtig, dass die Autohersteller nun von der Politik gezwungen werden, strengere Abgasgrenzwerte einzuhalten. Denn nur, wenn alle ihren Teil beitragen, ist eine Verringerung der CO2-Gesamtemissionen möglich.

Benzindurst zügeln, Emissionen eindämmen

Darüber hinaus hat die angestrebte Verringerung des CO2-Ausstoßes den begrüßenswerten Nebeneffekt, dass auch der Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge sinkt. Das kommt ebenfalls allen zugute, denn wer würde nicht gerne ein Auto fahren, das weniger Sprit schluckt: Bei weiter steigenden Spritpreisen lassen sich sparsamere Autos besser verkaufen als durstige.

Das allein sollte die Hersteller anspornen, endlich alle möglichen Register zu ziehen, um den Energieverbrauch ihrer Produkte zu drosseln - doch Fehlanzeige. Das Gros der in Frankfurt gezeigten Autos gehörte zum Typus Normalverbraucher.

Immerhin waren auf der IAA einige interessante Ansätze zu sehen: kleinere, aber aufgeladene Motoren, die stattliche Leistungen bei vergleichsweise geringen Verbrauchswerten erzielen, etwa Hybridfahrzeuge, die zumindest als Übergangstechnologie sinnvoll sind, bis reine Elektroautos die Serienreife erreicht haben. Oder leichtere und kleinere Autos, die trotzdem flott aussehen und ausreichend Platz und Komfort bieten.

Es gab also fernab vom grellgrünen Marketinggetöse hier und da ein wenig zartes Grün zu entdecken. Ob und wie schnell die Umweltinnovationen es in normale Fahrzeuge auf deutschen Straßen schaffen, ist noch ungewiss. Vermutlich wird es eher übermorgen als morgen. Doch das ungebrochen große Besucherinteresse an der IAA, die im Vorfeld als grünste aller Automessen angekündigt worden war, müsste für die Hersteller Argument genug sein, eine Kurskorrektur ernsthaft anzupacken.

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