Messe-Blog IAA 2013

IAA-Blog Citroën zeigt Cactus ohne Stacheln

DPA

Von Jürgen Pander


Auch wenn man es nicht gleich merkt beim Bummel über die IAA: Die Zeiten des ungebremsten Wachstums in der Autoindustrie sind vorbei. Davon zeugen etliche neue Motoren, die kleiner und sparsamer werden, und einige komplette Autos. Eines davon hat eine fast schon paradoxe Botschaft.

"Simple to Love, Share, Live" steht in großen Lettern auf der Wand hinter dem Drehteller, auf dem die Studie Citroën Cactus rotiert. Noch ein kompakter SUV denkt man beim ersten Anblick und will gerade leise stöhnen, da bemerkt man es: Dieser Wagen ist nicht einfach ein weiteres "Was die andern können, können wir schon lange"-Modell. Er ist "ein völlig neuer Ansatz", wie Citroën selbst unbescheiden formuliert.

Lexus LF-NX
Jürgen Pander

Lexus LF-NX

Das Auto sei frei von "jeder Form der Aggressivität" betont ein Citroën-Sprecher. Das ist wohltuend, denn die Mehrzahl der IAA-Neuheiten vermittelt eher das Gegenteil. Zahlreiche Fahrzeuge hinterlassen einen martialischen Eindruck - der Kia Niro ebenso wie der Lexus LF-NX oder der Audi Nanuk. Der Citroën hingegen wirkt geradezu anschmiegsam, und tatsächlich sind an allen vier Seiten des Autos sogenannte Airbumper in der Karosserie integriert, mit Luft gefüllte Prallkissen, die vor Einparkkratzern oder unvorsichtigen Nebenparkern schützen sollen.

Das lässt sich noch als Gag abtun, doch mit dem grundsätzlichen Konzept ist es Citroën offenbar ernst: Beim Cactus wurde alles nicht unbedingt notwendige von vornherein weggelassen. Sämtliche Bedienelemente sind in einem 8-Zoll-Touchscreen auf dem Armaturenbrett zusammengefasst, anstelle eines Schaltknaufs gibt es nur noch einen Gangwahlknopf und statt mehrerer kleiner ist eine große Ablagemulde vorhanden. Außerdem wurde, um den Innenraum so großzügig wie möglich gestalten zu können, der Beifahrerairbag in den Dachhimmel verlegt.

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Als Antrieb wurde dem Cactus das von Peugeot und Citroën bereits vor einigen Monaten vorgestellte Hybrid-Air-System eingepflanzt, ein Benziner und eine Druckluft-Hydraulik-Einheit, die zu einem Durchschnittsverbrauch von knapp unter 3 Liter je 100 Kilometer führt - jedenfalls in der Theorie, denn so richtig gefahren ist das Auto ja noch nicht.

Es soll jedoch dazu kommen. Der Cactus nämlich sei, so verlautete bei der Citroën-Pressekonferenz, "eine ernst zu nehmende Vorschau auf künftige Modelle". Und das bezieht sich sicher nicht auf die Luftkissen an den Türen sowie Front- und Heckpartie, sondern vielmehr am grundsätzlichen Angang. Ein Auto mit weniger Pomp und Ausstattungs-Schnickschnack - ganz in der Tradition der seligen Citroën 2CV Ente - wäre eine Bereicherung in einem oft übersatten Umfeld. Sollen andere Autos wetteifern, welches die meisten und längsten Stachel hat - der Citroën Cactus zeigt, dass es auf Stachel gar nicht ankommt.

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7 Leserkommentare
peddersen 12.09.2013
afxtwin 12.09.2013
miklop 12.09.2013
benmartin70 12.09.2013
gandalf_guevara 12.09.2013
raber 12.09.2013
rebenrebbe 12.09.2013

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