Imagepolitur für Allrad-Fahrer Dreck aus der Dose

Geländewagen werden heutzutage vor allem von betuchten Städtern gefahren. Die lenken die mächtigen 4-Wheel-Karossen zum Büro, zum Supermarkt, zum Frisör. Natürlich sehen die Karren dann so gar nicht nach coolem Landleben aus. Ein britischer Unternehmer verspricht Hilfe: Matsch aus der Sprühdose.

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Homepage sprayonmud.com: Matsch aus der Dose

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"Brauchst du so was denn in der Stadt?" Solche Fragen hören Besitzer von Allradfahrzeugen immer öfter. Kein Wunder, schließlich ist die höchste Erhebung, die der bullige Wagen im Stadtverkehr zu meistern hat, oftmals der Bordstein. Eine Ausrede, sich einen solchen Spritfresser zuzulegen, braucht der Besitzer zwar nicht. Wer dennoch akuten Rechtfertigungsdrang verspürt, dem wird nun geholfen. Eine Firma aus dem britischen Shropshire hilft Allradlern mit einer seltsamen Innovation aus der Patsche: Schlamm zum Aufsprühen, für umgerechnet rund zwölf Euro je Dose.

Geistiger Vater der Geschäftsidee ist Colin Dowse. "Mit dem Sprüh-Schlamm kann man den Eindruck erwecken, man sei in unwegsamem Gelände unterwegs gewesen - und nicht nur zum Einkaufen und zurück", sagt Dowse. Es handelt sich um "puren Shropshire-Schlamm", der allerdings gefiltert ist und keine Steine enthält. "Die Leute wollen natürlich keine Schrammen oder Kratzer im Lack."

Vor allem in London sei der Dosenmatsch ein Renner, sagt Dowse, der zu konkreten Verkaufszahlen jedoch schweigt. Inzwischen habe sein Unternehmen aber auch viele Kunden in den USA. In London gibt es BBC-Angaben zufolge zunehmend Kritik an Geländewagen, die in den Stadt unterwegs sind. Gerade für Bewohner des Nobelstadtteils Chelsea sei der Schlamm unverzichtbare Imagepolitur. "Es gibt nicht viel Schlamm in Chelsea", hat Dowse festgestellt.

Allradwagen im Gelände: Büro, Supermarkt, Frisör
GMS

Allradwagen im Gelände: Büro, Supermarkt, Frisör

In Internetforen kursieren schon Anleitungen, wie sich mittels Schlamm das Nummerschild unkenntlich machen lässt. Dabei droht dem, der mit verdreckten Kennzeichen bei einer Verkehrskontrolle erwischt wird, in Großbritannien und auch in Deutschland eine empfindliche Strafe. Hierzulande erlaubt ein Verstoß gegen Paragraf 22 des Straßenverkehrsgesetzes gar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr.

Solcherlei Missbrauch mit dem Produkt weist der Hersteller selbstredend weit von sich. "Der Sprüh-Schlamm ist nicht dazu da, das Nummernschild oder die Scheinwerfer zu verdecken", heißt es auf der Homepage. Und damit auch niemand hinter die Offroad-Schummelei kommt, legt der Anbieter Nutzern noch weitere Hinweise ans Herz: "Achten Sie darauf, dass Ihre Nachbarn Sie nicht dabei beobachten! Und vergessen Sie nicht: Sie waren zu Besuch bei Freunden auf dem Land."



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