Induktives Ladesystem für E-Busse: Kraft ohne Kabel

Laden ohne Ladekabel, sozusagen durch die Luft - hört sich erst mal nach Science-Fiction an. Aber was bei elektrischen Zahnbürsten klappt, soll nun auch die innerstädtische Mobilität revolutionieren. Ein erfolgreicher Langzeitversuch gibt Hoffnung, dass es klappen könnte.

Induktives Ladesystem für E-Busse: Stromtanken an der Haltestelle Fotos
Conductix Wampfler

Es ist nur ein kleines Jubiläum, doch es ist eigentlich revolutionär mit Blick auf eine umweltfreundliche, innerstädtische Mobilität. Bereits seit zehn Jahren fahren in den italienischen Städten Turin und Genua insgesamt 30 Elektrobusse, die besonders leistungsfähig und effizient sind, weil ihre Blei-Gel-Batterien zwischendurch immer mal wieder aufgeladen werden. Das geschieht ganz ohne Kabel und auch sonst berührungslos: nämlich über induktives Laden. Bei dem Vorgang wird der Strom von einer Primärspule in der Fahrbahndecke der Haltestelle in eine Abnehmerspule im Fahrzeugboden des Busses übertragen.

Entwickelt und installiert hat diese Technik die deutsche Firma Conductix-Wampfler aus Weil am Rhein. IPT heißt das Verfahren, die Abkürzung steht für "Inductive Power Transfer". Durch das kurze, regelmäßige Laden bleibt die Batterie der Busse länger leistungsfähig. Und: Insgesamt kann der Akku dadurch kleiner, leichter und deshalb auch billiger sein. Zudem wird nach Angaben des Herstellers die Zellchemie der Batterie nicht so stark beansprucht, die häufigen Kurzladungen verlängern also auch noch die Lebensdauer des Stromspeichers.

200 Kilometer abgasfrei

Komplett vollgeladen werden die Akkus der Busse über Nacht. Danach fahren die von je einem 162 PS starken Elektromotor bewegten Wagen - deren Akkus wie beschrieben an einigen Haltestellen während des Aus- und Einsteigens der Fahrgäste immer wieder kurz geladen werden - rund 200 Kilometer weit völlig abgasfrei durch die Stadt.

Die derzeit noch höheren Anschaffungskosten der Elektrobusse gegenüber Fahrzeugen mit Dieselmotor würden sich nach spätestens vier Jahren amortisieren, heißt es in einer Studie aus den USA, wo in Los Angeles und Chattanooga jetzt ähnliche Elektrobus-Projekte mit Induktionsladung gestartet wurden.

Der Elektrobus gilt als verheißungsvolles Nahverkehrsfahrzeug der Zukunft, vor allem aufgrund der hervorragenden Energiebilanz und seiner Eigenschaft als Null-Emissions-Fahrzeug. Und ein einfaches und effizientes Schnellladesystem funktioniert inzwischen auch zuverlässig, wie die Beispiele aus Turin und Genua zeigen.

jüp

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 73 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Flari 09.06.2012
---Zitat--- Die derzeit noch höheren Anschaffungskosten der Elektrobusse gegenüber Fahrzeugen mit Dieselmotor würden sich nach spätestens vier Jahren amortisieren, heißt es in einer Studie aus den USA, wo in Los Angeles und Chattanooga jetzt ähnliche Elektrobus-Projekte mit Induktionsladung gestartet wurden. ---Zitatende--- So eine Studie nützt nicht viel, wenn die Energiepreise nicht beziffert werden. In den USA entfällt eine Spritbesteuerung fast kpl. Italien hat dagegen die zweithöchste Dieselsteuer der EU, was dort über 50% des Dieselpreises ausmacht. Danach müsste sich der E-Bus in Italien ja schon in der halben Zeit amortisieren, falls dort nicht auch der Strom entsprechend teurer ist.
2. Kostenvergleich
PhysikerTeilchen 09.06.2012
Irgendwie habe ich den Eindruck, der Kostenvergleich zwischen Diesel und Elektro beruecksichtigt nicht die Kosten fuer den Bau der Induktionsschleifen (plus Stromanschluss, der ja nun auch nicht unbedingt Standard an Bushaltestellen ist).
3.
Oberleerer 09.06.2012
Die Frage ist natürlich, wie hoch sind die Übertragungsverluste und wie hoch ist die Leistung, die gefahrlos übertragen werden kann. Ich glaube eine klassische Oberleitung (allerdings nur 50m vo bis 50m hinter die Haltestelle) kann in diesen Fällen zusätzlich die Bremsleistung und den Anfahrstrom kompensieren und den Akku noch besser schonen.
4. Ja, wie?
Gerdd 09.06.2012
Zitat von sysopConductix WampflerLaden ohne Ladekabel, sozusagen durch die Luft - hört sich erstmal nach Science Fiction an. Aber was bei elektrischen Zahnbürsten klappt, soll nun auch die innerstädtische Mobilität revolutionieren. Ein erfolgreicher Langzeitversuch gibt Hoffnung, dass es klappen könnte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,837696,00.html
Also, wenn das bei elektrischen Zahnbürsten so schön klappt, warum kann man das dann nicht auch in Herzschrittmacher einbauen - ich kenne da Leute, die alle paar Jahre eine manchmal traumatische OP erdulden müssen, "weil die Batterie leer ist und somit das Gerät ausgewechselt werden muß." Oder wäre so ein Ladezyklus im Vergleich zu billig? (Wenn man das Gerät durch ein fortschrittlicheres ersetzen muß, okay. Aber das ganze Trauma und Risiko nur wegen der Stromversorgung?)
5.
Jule25 09.06.2012
Bei den Kosten wird übersehen, dass der Staat den Strom für Elektrofahrzeuge besteuern wird und es über kurz oder lang kaum einen nennenswerten preislichen Vorteil gegenüber Diesel und Benzin geben wird. Oder glaubt jemand der Staat wird den Wegfall der Benzinsteuer nicht irgendwie kompensieren wollen? ;-)
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Mobilität der Zukunft
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 73 Kommentare
Facebook

Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
Fotostrecke
Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine


Aktuelles zu