Interview Andrea Mayer Babywärmflasche an Bord

Im Motorradklassement gewann sie 1999 die Damenwertung, jetzt ist sie zum zweiten Mal auf vier Rädern bei der Rallye Paris-Dakar am Start. Andrea Mayer aus dem bayerischen Hiemenhofen startet im Mitsubishi Pajero zum härtesten Marathon-Rennen der Welt.


Andrea Mayer: "Ich fahre mit Köpfchen"

Andrea Mayer: "Ich fahre mit Köpfchen"

SPIEGEL ONLINE:

Am 1. Januar starten Sie zu Ihrer achten Rallye Paris-Dakar. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Mayer: Da ich jetzt einem Werksteam angehöre, bin ich nicht mehr für alles allein zuständig, und das ist schon mal sehr angenehm. Das ganze Team hat in der Vorbereitungsphase an vier Trainingswochenenden teilgenommen. Wir haben Kondition, Kraft, Koordination und Reaktion trainiert; auf Ski- und Mountainbiketouren und mit Elementen aus dem Fußball- und Eishockeytraining.

SPIEGEL ONLINE: Einen Tag nach dem Start, am 2. Januar, haben Sie Geburtstag. Kann man während einer Rallye feiern?

Mayer: Der Termin ist für eine Rallyefahrerin extrem ungünstig. Gerade weil wir da noch nicht in Afrika sind, sondern noch in Europa. Da ist es immer sehr hektisch, weil sich alles erst einspielen muss. Im letzten Jahr hat mir das Team abends im Hotel ein Ständchen gesungen und danach gab's Schokotorte.

SPIEGEL ONLINE: Vor welcher Etappe haben Sie den größten Respekt?

Mayer: Vor allem vor dem so genannten Marathontag in der Zentralsahara. Da müssen 730 Kilometer Sonderprüfung gefahren werden, es geht über Dünen, durch Kamelgras, und dann muss man einen heiklen Einstieg durchs Gebirge auf ein Plateau finden. Und weil es am Etappenziel keine Landepiste für die Teamflugzeuge gibt und die großen Lkw auch nicht dahinkommen können, müssen wir den Service an diesem Abend selbst machen. Das ist schon eine Strapaze.

SPIEGEL ONLINE: Was ist Ihr persönliches Ziel bei dieser Rallye?

Mayer: Für mich ist es eine große Chance, denn ich nehme zum ersten Mal in einem Werksauto teil. Unsere Aufgabe ist es primär, die drei stärkeren Mitsubishi-Autos zu unterstützen. Deshalb haben wir auch alle Ersatzteile und vier Ersatzräder dabei, sind also deutlich schwerer. Aber wenn es für die anderen gut läuft, wollen wir schon auch schnell unterwegs sein.

SPIEGEL ONLINE: Beschreiben Sie bitte Ihren Fahrstil?

Mayer: Mmh, schwierig. Ich würde sagen, ich fahre mit Köpfchen. Die Zeit, als ich immer Vollgas gegeben habe, ist vorbei. Inzwischen habe ich gelernt, dass man auch mit Vernunft und Taktik sehr schnell sein kann.

SPIEGEL ONLINE: Bis zu 70 Grad Celsius Hitze im Cockpit, Staub, Enge - gibt es auch ein paar erfreuliche Dinge bei einer solchen Rallye?

Mitsubishi Pajero: "Wir sind den anderen Teams noch einen Tick voraus"

Mitsubishi Pajero: "Wir sind den anderen Teams noch einen Tick voraus"

Mayer: Na, auf jeden Fall der Zusammenhalt im Team und die Verständigung mit dem Copiloten. Außerdem habe ich meine beiden Talismänner, einen kleinen Bären und eine kleine Kuh dabei. Und am Abend, wenn man ein bisschen Zeit für sich hat, lege ich Heather Nova oder Nora Jones in meinen tragbaren CD-Spieler.

SPIEGEL ONLINE: Bekommen Sie eigentlich genügend Schlaf während der Rallye?

Mayer: Eindeutig nein. Am Abend stehen neben dem Essen auch noch eine Massage, die Teambesprechung und das Briefing des Veranstalters auf dem Programm. Oft kriecht man erst um 23 Uhr in seinen Schlafsack, und manchmal muss man um 4 Uhr schon wieder raus und Auto fahren. Damit ich wenigstens die paar Stunden schlafen kann, habe ich immer eine Babywärmflasche dabei - denn Wüstennächte sind oft wahnsinnig kalt.

SPIEGEL ONLINE: Wer ist für Sie der Favorit der Rallye?

Mayer: Ich denke schon, dass ein Mitsubishi auf Platz eins fahren wird. Wir sind den anderen Teams noch einen Tick voraus. Obwohl Nissan, BMW und VW auf keinen Fall zu unterschätzen sind.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht für Sie die Saison nach der Rallye Paris-Dakar weiter?

Mayer: Erst einmal mit Medienarbeit, denke ich. Dann bin ich für eine Händlerveranstaltung von Mitsubishi gebucht. Und im März werde ich die Baja Italia fahren. Wie es mit dem Werksvertrag weitergeht, wird sich aber erst nach der Paris-Dakar entscheiden.

SPIEGEL ONLINE: Wovon ist eine Vertragsverlängerung den abhängig. Müssen Sie unter die besten 20 kommen?

Mayer: Es geht weniger um die Platzierung, sondern vielmehr um die Performance insgesamt. Auf jeden Fall bin ich hoch motiviert.

Das Interview führte Jürgen Pander.



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