Interview mit Jaguars Chefdesigner: "Würden Sie Ihre Seele für einen Van verkaufen?"

Seit sechs Jahren zeichnet Ian Callum Autos für die britische Sportwagenmarke. Bislang alles nur Studien. Auf dem Genfer Salon steht seine jüngste Kreation, das Advanced Lightweight Coupé. Diese wird in Serie gehen. SPIEGEL ONLINE sprach mit Callum über das Auto, britisches Design und den Himmel über Coventry.

Zwei britische Originale: Ian Callum und sein Jaguar Coupé

Zwei britische Originale: Ian Callum und sein Jaguar Coupé

SPIEGEL Online

: Sechs Jahre Studien und jetzt erst ein Serienfahrzeug. Warum?

Ian Callum: Als ich zu Jaguar kam, waren alle Modelle gerade neu auf dem Markt. Meine Aufgabe bestand darin zu zeigen, in welche Richtung Jaguar geht. Auch intern war das ein wichtiger Prozess.

SPIEGEL Online: Welche Erkenntnisse haben Sie dabei gewonnen?

Ian Callum: In erster Linie haben wir gemerkt, dass Jaguar viel mehr kann als die bekannten Sportwagen und Limousinen. Zum Beispiel hat der RD6 mit seinem Design aus Coupé- und Kombi-Elementen gezeigt, dass unsere Marke noch längst nicht ausgereizt ist.

SPIEGEL Online: Wann sehen wir dann den ersten Van oder einen SUV von Jaguar?

Das neue Jaguar Coupé: Callums Lebenswerk

Das neue Jaguar Coupé: Callums Lebenswerk

Ian Callum: Ich bitte Sie! Ein Jaguar muss immer begehrenswert bleiben. Würden Sie etwa Ihre Seele für einen Van verkaufen? Und was das Thema SUV betrifft, das überlassen wir unserer Schwesterfirma Land Rover.

SPIEGEL Online: Wo sind die Grenzen für Jaguar?

Ian Callum: Die liegen vor allem im emotionalen Bereich. Ein Jaguar muss gut aussehen. Alles andere ist zweitrangig. Für ein tolles Heck, wie es das Advanced Lightweight Coupé besitzt, verzichten wir gerne auf ein paar Liter Kofferraumvolumen. Aber natürlich lebt ein Jaguar auch von Geschwindigkeit, Fahrgefühl und seiner Performance.

SPIEGEL Online: Würden Sie das als typisch britisches Design bezeichnen?

Ian Callum: Ja, vielleicht ist diese Art von Purismus, diese stilistische Disziplin, dieses Understatement mit einem Augenzwinkern typisch britisch. Aber ich versuche nicht, britisches Design zu entwerfen, das funktioniert ganz automatisch. Ich glaube, wenn man unter dem meist grauen Himmel von Coventry arbeitet, wenn man Fish and Chips isst und abends im Pub sein Bier trinkt, dann werden die Autos, die man entwirft, wie selbstverständlich britisch aussehen.

SPIEGEL Online: Ist das Advanced Lightweight Coupé in diesem Sinn typisch britisch?

Ian Callum: Er ist ein typischer Jaguar. Auf den ersten Blick erscheint er viel ruhiger als andere Sportwagen. Aber glauben Sie mir, gerade wegen dieser stilistischen Schlichtheit wird er noch nach Jahren sehr dynamisch und beeindruckend aussehen. Purismus ist eine komplizierte Sache. Und dieses Auto ist ein extrem puristisch designtes Auto.

SPIEGEL Online: Zumindest die Studie, doch wie viel werden wir davon auf der IAA in Frankfurt wiedersehen, wenn sie die Serienversion zeigen?

Ian Callum: Die Menschen, die dieses Auto mögen, werden nicht enttäuscht sein vom Serienmodell. Wenn Sie so wollen, habe ich 45 Jahre auf dieses Modell hingearbeitet.

Das Interview führte Frank Wald

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