Weltpremiere Jaguar F-Type Wer E sagt, muss auch F sagen

Die Gebete der Jaguar-Jünger wurden endlich erhört: Mit dem neuen F-Type präsentiert der Edelhersteller nach Jahrzehnten wieder einen echten Sportwagen - und damit den Nachfolger für den legendären E-Type.

Jaguar

Wenn Ian Callum auf die Rückleuchten des neuen Jaguar F-Type zeigt, grinst er schelmisch. "Wer unsere Historie kennt, sieht darin eindeutig ein Zitat des legendären E-Type", sagt der Designchef der englischen Marke. Wer weniger bewandert ist in solchen Details, soll die roten Klingen mit dem kreisrunden Ausschnitt einfach schön finden. Und dazu natürlich den Rest des Roadsters, der auf dem Autosalon in Paris Weltpremiere feiert und im nächsten Frühjahr in den Handel kommen wird.

Ein bisschen Nachhilfe in Sachen Jaguar-Geschichte muss bei diesem Auto wohl sein. Denn auch wenn der Jaguar E-Type zu den berühmtesten Sportwagen des vergangenen Jahrhunderts zählt, verblassen die Erinnerungen an dieses Auto zusehends, schließlich wurde das letzte Exemplar 1974 gebaut.

Seitdem produzierte Jaguar Limousinen wie den XF, opulente Sporttourer wie den XK oder den vom Ford Mondeo abgeleiteten X-Type sowie den XJ der aktuellen Generation. Eines allerdings brachten die Briten nicht fertig: den Bau eines echten Sportwagens. Dabei waren Jaguar-Autos schon forsch unterwegs, als es Marken wie Porsche oder Ferrari noch gar nicht gab.

Die Rückkehr auf die Überholspur gilt daher firmenintern als Zäsur. "Darauf haben wir lange gewartet", sagt Markenchef Adrian Hallmark und zieht das Tuch von einem Roadster, der vergleichsweise klein und knackig geraten ist. Im Vergleich zum aktuellen Porsche 911 ist der Jaguar mit 4,50 Metern Länge um zwei Zentimeter kürzer, dafür jedoch um zehn Zentimeter breiter. Kein Wunder also, dass der Wagen satt und selbstbewusst auf der Bühne steht.

Wer - abgesehen von den Rücklichtern - nach weiteren formalen Zitaten aus der glorreichen Vergangenheit sucht, wird enttäuscht. "Wir wollten nicht sentimental in der Asche wühlen, sondern das Feuer neu entfachen", sagt Hallmark. Retro-Design habe nie zur Debatte gestanden. "Der F-Type ist kein Nachahmer, sondern ein würdiger Nachfolger des E-Type und für uns der definitive Jaguar des 21. Jahrhunderts."

Weder Türgriffe noch Spoiler sollen die glatte Linie stören

Um genau die Optik zu erhalten, die das Auto jetzt auszeichnet, waren einige Neuerungen bei Jaguar notwendig. Die Hohlkehle in der Tür zum Beispiel, die den F-Type so schlank und sportlich aussehen lasse, erfordere einen völlig neuen Produktionsschritt bei der Bearbeitung der Aluminium-Bleche, sagt Projektleiter Ian Hoban. Und weil die Flanken des Autos so klar und sauber wie irgend möglich aussehen sollten, wurden versenkbare Türgriffe entwickelt. Auch der Heckspoiler fährt erst dann aus, wenn die 120 Kilogramm zusätzlicher Abtrieb an der Hinterachse, die er zu erzeugen vermag, wirklich benötigt werden - also bei höheren Geschwindigkeiten.

Auch im Innenraum sieht der neue Jaguar anders aus als die anderen aktuellen Modelle. Von Cockpit-Monitoren oder einem Drehknopf als Gangwahlschalter ist nichts zu sehen. Ein Sportwagen brauche klassische Instrumente und einen Schaltknüppel, hat Designchef Callum entschieden. Und weil das Cockpit außerdem möglichst flach sein sollte, fahren die Lüftungsdüsen der Klimaanlage jetzt nur dann aus, wenn das System eingeschaltet ist.

In der Basisversion wird der neue F-Type 73.400 Euro kosten und mit einem neuen, drei Liter großen V6-Kompressormotor vorfahren, der wahlweise 340 oder 380 PS leistet. Außerdem gibt es im mindestens 99.900 Euro teuren Top-Modell einen ebenfalls per Kompressor aufgeladenen Achtzylindermotor mit fünf Liter Hubraum und 495 PS, mit dem das Auto bis zu 300 km/h erreicht.

Katapultstart dank Launch Control

Für Menschen, die glauben, einen Kavalierstart hinlegen zu müssen, gibt es eine sogenannte Launch Control in der Programmierung des Achtgang-Automatikgetriebes. Der Fahrer muss sie nur aktivieren und Vollgas geben, dann rennt der F-Type in 4,0 Sekunden (sonst 4,3 Sekunden) aus dem Stand auf Tempo 100.

Und damit der Jaguar mit teureren Autos wie Porsche 911 oder Aston Martin V8-Vantage konkurrieren kann, gibt es für manche Varianten gegen Aufpreis ein adaptives Fahrwerk samt vielfältiger Verstellmöglichkeiten für Lenkung, Getriebe und Motorsteuerung. Allen Modellen gemeinsam ist eine Karosserie aus Aluminium. In der Basisversion wiegt das Auto weniger als 1,6 Tonnen.

Jaguar-Chef Hallmark weiß, dass der F-Type für die Marke wie ein Schmuckstück ist, das regelmäßig poliert werden muss. "Wir hatten in der Vergangenheit schon viele Modelle, die Aufmerksamkeit erregt und die Kunden neugierig gemacht haben. Aber kaum waren die auf der Straße, haben wir sie verstauben lassen." Diesmal soll das nicht passieren.

Hallmark, der mal bei Porsche arbeitete, sollte wissen, wie man das anstellt. "Wir bringen jedes Jahr eine große und eine kleine Neuheit in der Baureihe", sagt er und meint damit neue Motor- oder Karosserievarianten. Die nächste große Neuheit für den F-Type steht schon fest. Es wird das Coupé sein.



insgesamt 64 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
John.Wuk 26.09.2012
1. optional
Sieht aus jedem Blickwinkel wie ein anderes Auto aus. Könnte was werden.
cücü 26.09.2012
2. ...
Nissan 370Z? Selten habe ich so einen Bloedsinn gelesen, dass so ein Wagen ein Nachfolger des E-Type sein soll, ein wuerdiger gar. Bis auf die Rueckleuchten ist nichts an dem Wagen, der praktisch wie ein Nissan 370Z aussieht, wirklich originell oder aussergewoehnlich attraktiv. Schade wirklich.
sam-berlin 26.09.2012
3. Gääähn
Wann sagt Ian Callum mal jemand, dass er nicht für Toyota, Honda oder Mitsubishi arbeitet?! Denen würde der F-Type gut zu Gesicht stehen. Ansonsten verbreitet dieses Auto nur gepflegte Langeweile. Der E-Type war zu seiner Zeit ein Auto von einem anderen Stern, manche sagten auch ein P...s auf Rädern. Beim F-Type findet sich nichts, was man nicht schon irgendwo anders gesehen hätte. Während sich beim Blick auf die Front und auf die Seite bei mir noch Langeweile breit macht, überkommt mich bei diesem kantigen Heck das blanke Gruseln. Von sprichwörtlicher Jaguar-Eleganz ist nichts mehr übrig...damit passt er gut zu XF und XJ, die auch aussehen als kämen sie von Lexus.
glen13 26.09.2012
4.
Zitat von sysopJaguarDie Gebete der Jaguar-Jünger wurden endlich erhört: Mit dem neuen F-Typ präsentiert der Edelhersteller nach Jahrzehnten wieder einen echten Sportwagen - und damit den Nachfolger für den legendären E-Typ. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/jaguar-praesentiert-mit-dem-roadster-f-type-einen-echten-sportwagen-a-857997.html
^ Wunderbar unvernünftig. Der gefällt mir.
desitka 26.09.2012
5. Gott
schütze uns vor Sturm und Wind und Autos, die aus England sind...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.