Weltpremiere Jaguar XE Raubkatze auf dem Sprung

Jaguar verblüfft mit einer rasanten Erfolgsstory: Vor einigen Jahren stand der Hersteller von Luxusautos am Abgrund, nun peilt er neue Verkaufsrekorde an. Die jetzt präsentierte Limousine XE ist dafür entscheidend.

Jaguar

Von Jürgen Pander


"How alive are you?" - Wie lebendig bist Du?, fragt der aktuelle Slogan von Jaguar. Das ist ziemlich kokett, denn die britische Marke mit der Raubkatze ist derzeit so vital wie nie zuvor in der 92-jährigen Firmengeschichte. Weltweit knapp 77.000 Autos verkaufte der Hersteller im vergangenen Jahr, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In Deutschland waren es 4160 Exemplare, ein Plus von gut 30 Prozent.

Andere Hersteller lächeln bei solchen Größenordnungen, aber Peter Modelhart sagt: "Wir dürfen nicht vergessen, wer wir sind: nämlich ein exklusiver Nischenhersteller." Modelhart ist der deutsche Geschäftsführer der britischen Marken Jaguar und Land Rover, die seit 2008 dem indischen Mischkonzern Tata gehören. Damals kaufte Tata die beiden Autobauer für umgerechnet 1,5 Milliarden Euro von Ford. Aktuell taxieren Analysten den Wert auf mindestens das Zehnfache. Die Verkaufszahlen haben sich seither mehr als verdoppelt, die Zahl der Mitarbeiter stieg von 12.000 auf mehr als 30.000.

Jetzt kündigt Modelhart den "nächsten großen Wachstumsschub bei Jaguar" an. Im laufenden Jahr liegt die Marke in Deutschland schon wieder um gut 16 Prozent über den Vorjahreszahlen. So richtig durchstarten will - und muss - Jaguar aber im Juni 2015. Denn dann kommt eine Mittelklasselimousine auf den Markt, die am Montagabend im Londoner Earls Court Weltpremiere feierte: der Jaguar XE.

Er soll das meistverkaufte Modell der Marke werden.

Die Gründe für den Aufschwung

Das Comeback von Jaguar basiert auf einer Mischung aus indischem Unternehmergeist, deutschem Auto-Know-how und britischem Stil:

  • Konzern-Chef Ratan Tata versorgte die sieche Luxusmarke mit frischem Geld.
  • Die ehemaligen BMW-Manager Ralf Speth (Vorstandschef), Wolfgang Ziebart (Technikchef) und Wolfgang Stadler (Produktionschef) kümmerten sich um neue Produkte: Zunächst wurden die großen Limousinen XF und XJ renoviert, dann folgte mit dem Sportwagen F-Type,der auf den legendären E-Type anspielt, ein laut Modelhart wesentliches Statement: "Jaguar ist wieder so sportlich, fortschrittlich und rebellisch, wie es die Marke in den Fünfzigern und Sechzigern war."
  • Designer Ian Callum, seit 1999 bei Jaguar, gestaltete den überzeugenden Auftritt.

Mit dem XE tritt die britische Marke nun auch gegen deutsche Typen wie Audi A4, BMW 3er oder Mercedes C-Klasse an. Die billigste Variante wird 36.500 Euro kosten.

Am neuen Modell hängt die Zukunft von Jaguar

"Der Jaguar XE ist das Herz der britischen Automobilbau-Renaissance", sagt Jaguar-Vorstandschef Ralf Speth. Der Viertürer mit der windschnittigsten Form aller bisherigen Serien-Jaguar sei ein "Vorbild für alle künftigen Modelle", erklärt er. Der Wagen basiert auf einer neuen Alu-Plattform und erhält einen von Jaguar selbst entwickelten Motor. Das gab es schon seit Jahren nicht mehr.

Für Jaguar ist der Erfolg des Autos existenziell. Erstens, weil allein in die Erweiterung des Werks Solihull mit der aktuell größten Alu-Karosserie-Fertigungsanlage der Welt umgerechnet etwa 1,9 Milliarden Euro investiert wurden. Dazu kommen weitere rund 625 Millionen Euro, für die ein neues Motorenwerk in Wolverhampton erreichtet wurde. Dort werden ab kommendem Jahr die neuen Vierzylinder-Benziner und -Diesel der "Ingenium"-Motorenreihe gefertigt.

Diese modernen Motoren, und das ist der zweite Grund, warum das neue Auto hohe Stückzahlen bringen muss, sind ein Schlüsselfaktor für den Konzern Jaguar Land Rover: Sie sollen dazu beitragen, die von der EU geforderte CO2-Reduktion zu erfüllen. Für den britischen Autobauer liegt der Grenzwert für 2021 allerdings nicht bei 95 Gramm CO2 je Kilometer, sondern bei 135 Gramm. Der Grund dafür sind die für Nischenhersteller (bis 300.000 verkaufte Fahrzeuge pro Jahr in Europa) abweichenden Berechnungsgrundlagen des Grenzwerts.

Wie Jaguar den Absatz in Deutschland verdoppeln will

Um viele Autos verkaufen zu können, brauchte es jedoch nicht nur ein überzeugendes Produkt, sondern auch ein engmaschiges Händlernetz. In Deutschland, "dem Wachstumsmotor für Jaguar in Europa", wie Modelhart sagt, gibt es dagegen noch viele Löcher. Das soll sich laut Modelhart ändern. "Im nächsten Jahr wollen wir 76 Händler hierzulande haben, das entspricht dann einer Marktabdeckung von 85 Prozent."

Während vor fünf Jahren ein Jaguar-Händler in Deutschland durchschnittlich 55 Autos pro Jahr verkaufte, sollen es im nächsten Jahr dann mehr als doppelt so viele werden, durchschnittlich 116. "Ab ungefähr 80 Autos macht der Händler einer Luxusmarke Gewinn", sagt Modelhart. "Zuletzt lag die Rendite unserer Handelspartner bei 2,3 Prozent, es kommt Musik ins Geschäft."

Damit das so bleibt, wurde erstmals in der Jaguar-Historie ein einheitlicher Auftritt entwickelt. Statt Chesterfield-Sofas und Gutsherren-Atmosphäre sollen die Betriebe künftig modern und offen werden. "Eher Café-Lounge als englischer Salon", sagt Modelhart.

Der Umbau soll bis 2018 vollzogen sein. Dann, so der Plan, sind auch sämtliche Fassaden der Autohäuser von Jaguar und Land Rover einheitlich gestrichen. In einem Farbton, dessen Name ausdrückt, wie unerschütterlich der Optimismus der Briten derzeit ist: "Sunshine Grey".



insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
anders_denker 09.08.2018
1. geräumige niesche
nur mit der exclusivität ist es dann halt nicht mehr weit her...
nilslofgren 09.09.2014
2. Xe
Vorne 3er BMW , hinten Audi A4. Ich blebe bei meinem XJ BJ 2003
papaleo3011 09.09.2014
3. Wer...
kauft denn heute Autos?! Sowas wird als (Restwert-Leasing) geleast. 40K oder sogar mehr für ein Blech macht doch eh keinen Sinn. 80% der Autos sind geleast oder sind Dienstfahrzeuge (ebenfalls geleast (Flottenleasing).
SeasickSteve 09.08.2018
4. hurra ...
... der neuer 3er BMW hat die Schnauze vom Volvo S60 ...
Hajojunge 16.11.2018
5. Endlich mal ein neues Gesicht
Den stilistischen BMW-Mercedes-Audi-VW-Einheitsbrei haben viele gründlich satt. Gottlob droht beim Jaguar, anders als bei BMW, kein Dreizylinder. Nur das Heck ist etwas pummelig. Das müßte man aber in natura beurteilen.
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