Jaguar XKR: Hochdruckgebiet über Mittelengland

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Mit dem neuen XK will Jaguar endlich wieder an den legendären E-Type anknüpfen. Die fast schon laszive Form kommt diesem Ideal bereits sehr nahe. Und wenn dem Saugmotor-Modell im Herbst der aufgeladene XKR folgt, dann stimmt es wieder mit dem sportlichen Anspruch.

Wenn der Earl mal wieder in Eile ist, muss er künftig nicht mehr verzweifeln. Denn allen Freunden britischer Lebensart mit zu eng getaktetem Terminkalender macht Jaguar nun wieder richtig Beine: Ein halbes Jahr nach dem neuen XK rüsten die Briten deshalb jetzt Coupé und Cabrio mit einem Kompressor zum XKR auf und kommen damit dem nie mehr so ganz erreichten Ideal des legendären E-Type erneut ein Stückchen näher: "Dieses Auto verkörpert auf ideale Weise all das, was einen Jaguar so besonders macht", sagt denn auch Jaguar-Chefin Bibiana Boerio über den jüngsten Neuzugang, der seine Premiere am Dienstag auf der Motoshow in London gefeiert hat und im Herbst nach Deutschland kommen wird.

"Er ist eine perfekte Kombination aus kultiviertem GT und ambitioniertem Sportwagen und bietet ein rundherum aufregendes Fahrerlebnis" - für das die Kunden allerdings auch tief in die Tasche greifen müssen. Denn die Preise liegen rund noch einmal 15 Prozent über der Variante mit Saugmotor und beginnen nun bei 94.990 Euro für das Coupé und 102 990 Euro für das Cabrio.

Als Trostpflaster gibt es allerdings einen satten Leistungszuschlag. Dafür verantwortlich ist der "Supercharger", der in die Zylinder mehr Luft hineinbläst und dafür mehr Leistung herausholt. So stehen nun statt 298 gleich 416 PS im Fahrzeugschein. Und das maximale Drehmoment klettert um 36 Prozent auf 560 Nm. Weil der XKR zudem nur 50 Kilogramm mehr auf die Waage bringt als das normale Modell, verbessert sich das Leistungsgewicht des weitgehend aus Aluminium gefertigten Leichtathleten gegenüber dem Sauger um 34 Prozent: Jetzt muss jedes PS nur noch rund 4,3 Kilogramm schleppen, was keine sonderlich schwere Herausforderung ist.

Entsprechend attraktiv sind die Fahrleistungen: In nur 5,2 Sekunden beschleunigt das Coupé deshalb auf 100 km/h; das Cabrio braucht lediglich eine Zehntel Sekunde länger. Und selbstverständlich ist es nur die Vernunft der Entwickler, die das Tempo auf 250 km/h limitiert. Damit die Kraft auch sicher und sportlich auf die Straße kommt, haben die Briten auch das Fahrwerk, die Sechsgang-Automatik mit ihren Schaltpaddeln am Lenkrad und vor allem die Bremsen etwas bestimmter ausgelegt. Doch die Freude über den neuen Motor ist nicht ungeteilt: Schließlich steigt neben der Leistung und dem Spaß auch der Verbrauch. Wo der Sauger im Mittel 11,3 Liter verbraucht, benötigt das neue Modell einen glatten Liter mehr.

Zum erstarkten Antrieb gibt es auch ein neues Design, das nach Angaben von Chefdesigner Ian Callum das "unterschwellige Gefühl großer Kraft" noch einmal verstärken und dem Connaisseur subtil aber deutlich den Unterschied zwischen dem normalen und dem sportlichen XK verdeutlichen soll. So trägt der XKR wieder einen Maschendraht hinter dem Kühler, die Kiemen an den Kotflügeln sind in Aluminium gefasst, und auf der Motorhaube lassen vier große Luftschlitze den Kompressor darunter erahnen.

Außerdem steht der XKR auf neuen Felgen mit 19 oder 20 Zoll. "Sie füllen die Radhäuser satt aus und verhelfen dem Wagen zu einem wirklich respektablen Auftritt", sagt Callum. Und auch von hinten kann man den XKR an seinen vier Endrohren und dem kleinen Stück Maschendraht auf Anhieb erkennen – schließlich wird das eine Perspektive sein, aus der man den Wagen recht häufig sehen dürfte.

Deutschlandpremiere in bester Gesellschaft

Bis es soweit ist, müssen sich eilige Zeitgenossen aber noch ein wenig in Geduld fassen. Denn auf den Markt kommt der XKR in Deutschland erst im späten Herbst. Allerdings hat sich Jaguar bereits etwas einfallen lassen, um die Wartezeit zu verkürzen und vielleicht schon vorher ein paar Kaufverträge abschließen zu können.

Seine Deutschlandpremiere feiert der Wagen deshalb beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix vom 11. bis 13. August auf dem Nürburgring, wo ein Rendezvous mit der Vergangenheit fest eingeplant ist: Schließlich feiert Jaguar an diesem Wochenende auch den 45. Geburtstag des E-Type und holt deshalb gleich vier Klassiker in die Eifel. Darunter auch den grün lackierten Wagen, mit dem der damalige Cheftester Norman Dewis 1961 in 14 Stunden von Coventry nach Genf fuhr, um das Auto Tags darauf auf dem Messestand zu enthüllen, und den allerletzten Roadster, der 14 Jahre und 72.000 Einheiten später vom Band gelaufen ist.

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