Sicherheitsmängel Takata zahlt Milliardenstrafe im Airbag-Skandal

Das japanische Unternehmen Takata soll bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben. Nun muss der Autozulieferer eine Milliardenstrafe zahlen - drei Manager wurden angeklagt.

Takata-Schriftzug
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Takata-Schriftzug


Der japanische Autozulieferer Takata hat sich mit der US-Justiz auf einen Vergleich im Streit um defekte Airbags geeinigt. Das Unternehmen habe kriminelle Vergehen eingestanden und zahle Strafen in Höhe von einer Milliarde Dollar (umgerechnet rund 940 Millionen Euro), teilte das US-Justizministerium mit. Zudem wurden Strafanzeigen gegen drei Manager gestellt.

Den langjährigen Takata-Angestellten wird Betrug und Verschwörung vorgeworfen. Die laut Anklageschrift bis 2015 in Japan und den USA für das Unternehmen tätigen Mitarbeiter sollen mit manipulierten Testergebnissen bewusst die Risiken mangelhafter Airbags verschleiert haben, die mit mehreren tödlichen Unfällen in Zusammenhang stehen.

"Autozulieferer, die Produkte zum Schutz der Verbraucher vor Verletzungen oder tödlichen Unfällen verkaufen, müssen die Sicherheit vor den Profit stellen", erklärte Bundesanwältin Barbara McQuade. "Wenn sie sich stattdessen für Betrug entscheiden, werden wir die verantwortlichen Personen und Unternehmen zur Rechenschaft ziehen." Die US-Justiz wirft Takata vor, über ein Jahrzehnt lang systematisch Ergebnisse von Sicherheitstests manipuliert zu haben.

Takata bedauert Vorfälle zutiefst

Takata bestätigte die Einigung auf einen Vergleich. Die Vereinbarung sei ein "wichtiger Schritt" auf dem Weg zur Lösung der Thematik. Takata habe die Vorfälle bereits eingeräumt und bedauere diese zutiefst.

Im Zuge der Vereinbarung zahle Takata ein Bußgeld in Höhe von 25 Millionen Dollar. Außerdem richte das Unternehmen einen Entschädigungsfonds in Höhe von 125 Millionen Dollar für Einzelpersonen ein, die durch eine fehlerhafte Auslösung eines Takata Airbag-Gasgenerators Verletzungen erlitten hätten. Zudem lege Takata einen Entschädigungsfonds in Höhe von 850 Millionen Dollar zugunsten der Autohersteller auf, die verfälschte Testdaten und -ergebnisse erhalten oder die betreffenden Airbag-Gasgeneratoren von Takata erworben haben.

Als Reaktion auf die Vorfälle habe Takata bereits verstärkt in die eigene Daten- und Produktsicherheit sowie -qualität investiert. Takata verpflichte sich weiterhin, alle notwendigen Schritte zu unternehmen, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu erhöhen.

Defekte Airbags des japanischen Zulieferers machen der Autoindustrie schon seit Jahren zu schaffen. Die Mängel haben in den USA zum Rückruf von fast 70 Millionen Airbags geführt. 42 Millionen Fahrzeuge diverser Hersteller sind betroffen. Die US-Verkehrsaufsicht geht von mindestens elf Todesfällen und 184 Verletzten in den Vereinigten Staaten aus, die im Zusammenhang mit dem Problem gebracht werden.

kry/dpa

insgesamt 12 Beiträge
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dipsy_ 14.01.2017
1. Double Standards
Ich möchte hier den VW-Abgasskandal natürlich nicht klein reden...es geht um unsere Umwelt und da darf nicht getrickst und gespart werden, aber... Während VW eine Rekordstrafe von über 100 Milliarden Dollar zahlen muss, wir dieses japanische Unternehmen lediglich 25 Millionen bezahlen obwohl fast ein dutzend Menschen getötet und über 100 verletzt wurden? Wo ist da die Verhältnismäßigkeit...oder wie wir hier in Österreich sagen: "oida bitte, sonst gehts eh nu oda?"
smartphone 14.01.2017
2. Erstaunlich ist,
daß div Firmen - hier ja hier ein geknechteter Zulieferer - solche Mrd doch irgendwo aktivieren können.... Es ist offenkundig ,daß speziell Auto total überteuerte Hehlerware sind . 1/5 der pricings wäre wirklich als Obergrenze zu sehen .....
bauigel 14.01.2017
3. @dipsy
Ich frage mich immer, ob Leute wie sie es nicht besser wissen oder wissentlich falsche Aussagen oder Vergleiche machen. Wo uahlt VW denn eine Strafe von 100 Mrd. €? Derzeit plant VW mit einem Gesamtschaden von ca. 15 Mrd. €. Der Großteil geht auch an Fonds und an den Rückkauf von PKW und sind Rückstellungen für Klagen. Nur ein Bruchteil ist die eigentliche Strafe. Wo wird hier also mit zweierlei Maß gemessen?
Sterbenswörtchen 14.01.2017
4.
Das muss man sich mal ganz ruhig druchdenken. Takata ist ein ganz übler Laden!
bauigel 14.01.2017
5. @Sterbenswörtchen
Dann begründen sie doch einmal ihre Aussage. Und VW ist kein ganz übler Laden?
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