Elektromobilität: Die Autonation wird abgehängt
An ehrgeizigen Zielen mangelt es in Deutschland beim Thema Elektromobilität kaum, doch bei der Umsetzung kommen weder die Hersteller noch die Politik voran. Im Ausland wird dagegen praktischer gehandelt - jüngstes Beispiel ist Japan.
Hamburg - Während in Deutschland noch immer darüber diskutiert wird, wie Elektromobilität attraktiver gemacht werden soll und wer dafür bezahlt, wird in anderen Ländern gehandelt. Zum Beispiel in Japan: Dort haben nun die vier Hersteller Toyota, Nissan, Honda und Mitsubishi angekündigt, das Netz von Stromtankstellen massiv auszubauen. Und die Regierung hat ihre Hilfe dabei zugesichert.
In einer gemeinsamen Mitteilung erklärten die Unternehmen am Montag, es sei "entscheidend, die Infrastruktur schnell auszubauen, um die Nutzung strombetriebener Fahrzeuge zu fördern". Daher sei die Einrichtung von zusätzlichen 4000 Schnell-Tankstellen und 8000 normalen Ladestationen geplant. Die japanische Regierung will das Vorhaben der Autobauer mit 110,5 Milliarden Yen (775 Millionen Euro) unterstützen.
Nach Angaben der Konzerne gibt es in Japan derzeit rund 1700 sogenannte Schnell-Ladestationen, an denen die Batterie in weniger als 30 Minuten quasi komplett aufgeladen werden könne. An weiteren 3000 Strom-Tankstellen könnten die Batterien von Elektro- und Hybridautos in bis zu acht Stunden aufgeladen werden. Nach ihren Plänen sollen Elektro- und Hybridautos im Jahr 2020 15 bis 20 Prozent der in Japan verkauften Neuwagen ausmachen.
Hier bleibt das Henne-Ei-Problem ungelöst
Auch die Bundesregierung hat bis zum Jahr 2020 Großes vor, über eine Million Elektro- und Hybridmobile sollen dann auf den Straßen unterwegs sein. Diese Zahl ist aber im Moment eine Träumerei: Im vergangenen Jahr wurden laut Angaben des Kraftfahr-Bundesamts (KBA) gerade mal 23.000 solcher Fahrzeuge neu zugelassen (davon 3000 reine Elektroautos), in diesem Jahr waren es von Januar bis Juni rund 14.400 (mit einem Anteil von rund 2400 reinen E-Mobilen).
Fertige Konzepte zum Ankurbeln dieser Zahlen wie etwa in Japan gibt es in Deutschland nicht. Nach Zählung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind hierzulande derzeit etwa 3800 Stromtankstellen in 580 Städten frei zugänglich. Über die Frage, wie diese Infrastruktur ausgebaut wird, gibt es zwischen Herstellern, Politik und Energieanbietern aber keine Einigung.
"Enttäuschender Vergleich" mit den USA
Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen warnt vor den Konsequenzen dieser Ratlosigkeit: "Steuert die Politik beim Elektroauto nicht um, wird Deutschland internationales Schlusslicht bei der Elektromobilität bleiben", sagte der Autoexperte. In einer Studie zur Entwicklung des internationalen Absatzes von Elektroautos kam er zu dem Ergebnis, dass der Verkauf von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen "in keinem Markt der Welt" so schwer in Fahrt komme.
Der Wissenschaftler verwies dabei auf die USA und verglich die Verkaufszahlen von drei Modellen, die sowohl dort als auch in Deutschland angeboten werden, nämlich den Opel Ampera, den Mitsubishi iMeav und den Nissan Leaf. In den Vereinigten Staaten wurden demnach von Januar bis Juni 35-mal mehr dieser Exemplare dieser Autos verkauft als in der Bundesrepublik - hingegen sei der US-Automarkt aber nur fünfmal so groß wie der deutsche. "Enttäuschender kann ein Vergleich für Deutschland nicht ausfallen", kritisierte Dudenhöffer.
Um dem Elektroauto Schub zu geben, sprach er sich für eine sogenannte City-Maut nach dem Vorbild von London auch für deutsche Großstädte aus. Daneben müssten Verbraucher über Carsharing-Systeme mit Elektroautos in Kontakt gebracht werden, heißt es in der Studie. Da die Technologie noch nicht verbreitet sei, seien Autofahrer gegenüber Elektroautos noch skeptisch. Dabei ist die Technologie seiner Ansicht nach bereits heute "alltagstauglich".
cst/afp
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