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03. April 2013, 14:23 Uhr

Minimobil von Hitachi

Science-Fiction auf dem Gehweg

Lauter kleine, autonom fahrende Ein-Personen-Kapseln auf dem Bürgersteig - die Überalterung der japanischen Gesellschaft macht's möglich. Zahlreiche Hersteller entwickeln deswegen neue Mobilitätslösungen. Jüngstes Beispiel dafür ist das Robot-Vehikel Ropits der Firma Hitachi.

Weltweit forschen Autohersteller an autonom fahrenden Fahrzeugen, in denen man als Fahrer auf Wunsch das Steuer abgeben und sich vom Computer chauffieren lassen kann. Viele Systeme funktionieren schon sehr gut, aber nicht gut genug, um bei den hohen Geschwindigkeiten und komplexen Verkehrssituationen hundertprozentige Sicherheit zu bieten.

Der japanische Elektronik- und Maschinenbaukonzern Hitachi hat jetzt ein autonom fahrendes Auto vorgestellt, das womöglich schon bald auf den Markt kommt. Wie kann das sein? Ganz einfach: Wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit der Technologie nicht schnell genug ist, muss man eben das Einsatzumfeld anpassen. Mit anderen Worten: Das Ein-Personen-Mobil Ropits ballert nicht über die Autobahn, sondern wuselt sich selbständig zwischen Fußgängern auf dem Gehsteig durch.

Die schmale Kapsel erkennt auch Bordsteinkanten und Stufen, navigiert autonom bis zum gewünschten Ziel oder lässt sich per Joystick manuell steuern - fährt allerdings nicht schneller als 6 km/h. Das Ding ist im Prinzip ein Krankenfahrstuhl mit Hightech-Ausstattung und Vollverkleidung.

Krankenfahrstuhl ist ein gutes Thema, denn Motivation für diese Entwicklung war die Alterspyramide in Japan, die extremste der Welt. Der Anteil der über 65 Jahre alten Japaner an der Gesamtbevölkerung wird sich nach Angaben des japanischen Gesundheits- und Sozialministeriums in den kommenden 50 Jahren auf 40 Prozent nahezu verdoppeln. Diese Entwicklung ruft auch Mobilitätsanbieter auf den Plan - jüngst eben Hitachi.

Sensoren für Senioren

Die Firma stellte deswegen jetzt in Tsukuba den Ropits vor, ein Akronym für "Robot for Personal Intelligent Transport System". Das Ein-Personen-Mobil sei insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit konzipiert worden, heißt es vom Hersteller. Man wolle damit auf die Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft reagieren.

Das Wägelchen ist mit GPS sowie diversen Laser-Systemen ausgestattet, die für eine exakte Routenwahl sorgen. Ein spezieller Sensor an der Unterseite des Mobils erkennt Unebenheiten im Untergrund und führt das Vehikel bei Bedarf drum herum. Im Prinzip funktioniert es so: Einsteigen, im Navigationssystem mit vorinstallierten Stadtplänen und Karten den Zielpunkt auswählen und auf "Start" drücken. Dann geht es dahin - und zwar auf dem Gehsteig. Fußgänger erkennt die Fahrzeugelektronik per Kameraauge, die Geschwindigkeit wird jener der Passanten angepasst.

Ein Elektromotor bewegt Ropits, die Maße des Wägelchens sind mit 70 Zentimeter Breite und 1,60 Meter Höhe durchaus kompakt, und das Ein- und Aussteigen funktioniert - wie beispielsweise bei der BMW Isetta - durch eine Tür an der Vorderseite. Bislang testet Hitachi das Mobil auf einem abgeschirmten Arreal; weitere Details sollen auf einer Robotik-Messe Ende Mai bekanntgegeben werden, der Robomec 2013 in Tsukuba.

jüp

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