Minimobil von Hitachi: Science-Fiction auf dem Gehweg

Minimobil von Hitachi: Die Rentnermobilmachung Fotos
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Lauter kleine, autonom fahrende Ein-Personen-Kapseln auf dem Bürgersteig - die Überalterung der japanischen Gesellschaft macht's möglich. Zahlreiche Hersteller entwickeln deswegen neue Mobilitätslösungen. Jüngstes Beispiel dafür ist das Robot-Vehikel Ropits der Firma Hitachi.

Weltweit forschen Autohersteller an autonom fahrenden Fahrzeugen, in denen man als Fahrer auf Wunsch das Steuer abgeben und sich vom Computer chauffieren lassen kann. Viele Systeme funktionieren schon sehr gut, aber nicht gut genug, um bei den hohen Geschwindigkeiten und komplexen Verkehrssituationen hundertprozentige Sicherheit zu bieten.

Der japanische Elektronik- und Maschinenbaukonzern Hitachi hat jetzt ein autonom fahrendes Auto vorgestellt, das womöglich schon bald auf den Markt kommt. Wie kann das sein? Ganz einfach: Wenn die Entwicklungsgeschwindigkeit der Technologie nicht schnell genug ist, muss man eben das Einsatzumfeld anpassen. Mit anderen Worten: Das Ein-Personen-Mobil Ropits ballert nicht über die Autobahn, sondern wuselt sich selbständig zwischen Fußgängern auf dem Gehsteig durch.

Die schmale Kapsel erkennt auch Bordsteinkanten und Stufen, navigiert autonom bis zum gewünschten Ziel oder lässt sich per Joystick manuell steuern - fährt allerdings nicht schneller als 6 km/h. Das Ding ist im Prinzip ein Krankenfahrstuhl mit Hightech-Ausstattung und Vollverkleidung.

Krankenfahrstuhl ist ein gutes Thema, denn Motivation für diese Entwicklung war die Alterspyramide in Japan, die extremste der Welt. Der Anteil der über 65 Jahre alten Japaner an der Gesamtbevölkerung wird sich nach Angaben des japanischen Gesundheits- und Sozialministeriums in den kommenden 50 Jahren auf 40 Prozent nahezu verdoppeln. Diese Entwicklung ruft auch Mobilitätsanbieter auf den Plan - jüngst eben Hitachi.

Sensoren für Senioren

Die Firma stellte deswegen jetzt in Tsukuba den Ropits vor, ein Akronym für "Robot for Personal Intelligent Transport System". Das Ein-Personen-Mobil sei insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit konzipiert worden, heißt es vom Hersteller. Man wolle damit auf die Entwicklung einer immer älter werdenden Gesellschaft reagieren.

Das Wägelchen ist mit GPS sowie diversen Laser-Systemen ausgestattet, die für eine exakte Routenwahl sorgen. Ein spezieller Sensor an der Unterseite des Mobils erkennt Unebenheiten im Untergrund und führt das Vehikel bei Bedarf drum herum. Im Prinzip funktioniert es so: Einsteigen, im Navigationssystem mit vorinstallierten Stadtplänen und Karten den Zielpunkt auswählen und auf "Start" drücken. Dann geht es dahin - und zwar auf dem Gehsteig. Fußgänger erkennt die Fahrzeugelektronik per Kameraauge, die Geschwindigkeit wird jener der Passanten angepasst.

Ein Elektromotor bewegt Ropits, die Maße des Wägelchens sind mit 70 Zentimeter Breite und 1,60 Meter Höhe durchaus kompakt, und das Ein- und Aussteigen funktioniert - wie beispielsweise bei der BMW Isetta - durch eine Tür an der Vorderseite. Bislang testet Hitachi das Mobil auf einem abgeschirmten Arreal; weitere Details sollen auf einer Robotik-Messe Ende Mai bekanntgegeben werden, der Robomec 2013 in Tsukuba.

jüp

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Hitachi
schmeken 03.04.2013
Wußte garnicht, das Feuerstein nun Testfahrer bei Hitachi ist. Ansonsten sehe ich keine Einsatzmöglichkeiten in Europa für dies unmögliche Modell.
2. Klasse
Peletua 03.04.2013
Tolles Ding, nicht nur für Senioren. Würde ich sofort kaufen. @Vorredner: Wieso keine Einsatzmöglichkeiten, und wieso unmöglich? Bitte um Erklärung.
3. Zukunftsgewandt
rhodensteiner 03.04.2013
Toll! In Japan macht man sich wirklich Gedanken um die Zukunft einer alternden Gesellschaft. In Deutschland will man nur billige ausländische Pflegekräfte ins Land holen und damit die zweifelhaften Konzepte der Vergangenheit wiederholen. Ein wenig dieser japanischen Innovationskraft könnten wir in Deutschland gut gebrauchen.
4. So etwas wird ganz klar...
greentiger 03.04.2013
Zitat von schmekenAnsonsten sehe ich keine Einsatzmöglichkeiten in Europa für dies unmögliche Modell.
...in den nächsten Jahrzehnten in Deutschland vielerorts zu sehen sein. Man muss nur offenen Auges durch die Strassen gehen oder sich in öffentlichen Verkehrsmitteln umsehen. Im Normalfall sieht man schon jetzt mehr Personen mit Rollator oder Rollstuhl, als Kinderwagen.
5. Fein :-)
trader_07 03.04.2013
Zitat von sysopLauter kleine, autonom fahrende Ein-Personen-Kapseln auf dem Bürgersteig - die Überalterung der japanischen Gesellschaft macht's möglich.
Fein, Rollator mit Dach. Wenn man damit auch noch in den Supermarkt reinfahren darf, beschäftige ich mich in 40 Jahren vielleicht mal mit dem Thema.
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Beispiele: Tesla Roadster, Chevy Volt/Opel Ampera, Think City
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Honda Civic, Honda Insight
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Beispiele: Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz)
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Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

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