Autogramm Jeep Renegade Der Italowestern-Wagen

Kleine Geländewagen sind groß in Mode. Davon will jetzt auch die US-Marke Jeep profitieren und schickt das neue Modell Renegade ins Rennen. Nie war ein Jeep kleiner, verspielter und - rollte in Italien vom Band.

Jeep

Der erste Eindruck: Jeep baut jetzt auch Spielsachen. Das neue Modell Renegade sieht jedenfalls so aus, als hätte es der US-Autobauer für Playmobil entworfen. Aber irgendwie passt das ja auch. Denn mit 4,24 Meter Länge ist der Wagen das bislang kleinste Modell, das die Marke gebaut hat - und dürfte zumindest den Stammkunden in den USA tatsächlich wie ein Spielzeug vorkommen.

Das sagt der Hersteller: "Bislang fahren in dieser Klasse doch nur aufgebockte Kleinwagen, modische Crossover und Schein-SUVs herum", sagt Jeep-Markenchef Chris Ellis. Vermutlich meint er Konkurrenzmodelle wie den Ford Eco-Sport oder den Opel Mokka. "Unser Auto ist dagegen ein echter Geländewagen", prahlt Ellis, "wir machen seit mehr als 70 Jahren schließlich nichts anderes."

Das ist uns aufgefallen: Bei genauerem Hinsehen wird rasch klar, dass der Renegade nicht nur spielen will. Vor allem wenn man in der Ausstattungsvariante "Trailhawk" sitzt und sich durch einen ziemlich anspruchsvollen Offroad-Parcours wühlt, merkt man, dass der Wagen seine Rolle als Offroader ernst nimmt. Den Allradantrieb mit variabler Kraftverteilung und das halbe Dutzend Geländefahrprogramme - wählbar von Schlamm bis Felsenuntergrund - haben die Entwickler schließlich nicht umsonst eingebaut.

Einerseits gibt das dem Renegade die nötige Glaubwürdigkeit und stützt die Markenwerte. Andererseits weiß auch Jeep-Chef Ellis, dass der kleine Kraxler die meisten Abenteuer wohl in Großstädten oder den Weiten der Vorstädte bestehen muss. Und dort zählen andere Kriterien als Watt-Tiefe oder Böschungswinkel. Wenn er nicht durch Fels-, sondern Häuserschluchten rollt, glänzt der kleine Jeep deshalb mit einer guten Übersicht. Er bietet reichlich Platz, schluckt ähnlich viel Gepäck wie ein VW Golf und flirtet sogar mit der modernen Lifestyle-Autowelt. Denn seine Erbauer haben dem Wagen - nicht nur für Jeep-Verhältnisse - ausgesprochen hochwertig wirkende Kunststoffe mitgegeben, ein ebenso großes wie brillantes Digitaldisplay zwischen Tacho und Drehzahlmesser sowie ein Online-Navigationsgerät. Darüber hinaus gibt es auch noch reichlich Farbe im Interieur: Bunte Einsätze in den Sitzpolstern und schillernde Zierkonsolen schaffen ein ähnliches Ambiente wie bei Mini und Co.

Das muss man wissen: Der Renegade kommt ab Mitte Oktober in den Handel und bietet beim Antrieb ähnlich viel Auswahl wie bei den Accessoires. Die beginnt mit dem Basismodell für 19.900 Euro mit einem 1,6-Liter-Benziner und eher mageren 110 PS sowie Frontantrieb, und sie endet beim Modell "Trailhawk" mit einem 170 PS starken Dieselmotor und dem aufwendigeren der beiden Allradantriebsversionen zum Preis von 31.900 Euro. Dazwischen gibt es zwei weitere Benziner mit 140 und 170 PS sowie auch noch zwei Dieselaggregate mit 120 und 140 PS. Weil der Renegade nicht nur klein, sondern mit einem Leergewicht von rund 1,4 Tonnen auch vergleichsweise leicht ist, benimmt sich der Renegade auch an der Tankstelle einigermaßen gesittet: Je nach Motorisierung liegt der Normverbrauch zwischen 4,6 und 6,9 Liter je 100 Kilometer - auch dank Start-Stopp-Automatik in fast allen Modellen und einer optional erhältlichen Neungang-Automatik.

Das neue Modell soll auch als Musterbeispiel der neuen, transatlantischen Familienpolitik des Fiat-Konzerns dienen. Zwar wird Markenchef Chris Ellis nicht müde, den Wagen als authentischen Jeep zu preisen, dessen Design und technische Eckwerte aus den USA vorgegeben wurden. Doch nicht abzustreiten ist, dass der Renegade auf der gleichen Plattform basiert wie der Fiat 500L. Und gebaut wird er auch nicht in den USA, sondern läuft als erster Jeep für den Weltmarkt in Europa vom Band - und zwar im Fiat-Werk Melfi bei Neapel. Von dort wird der Renegade künftig in mehr als hundert Länder verschifft.

Das werden wir nicht vergessen: Die Liebe zum Detail, mit der die Jeep-Designer vorgegangen sind. Wo man auch hinschaut, findet man zum Beispiel die kreuzförmige Signatur des offiziellen Reservekanisters der US-Army, der schon am allerersten Jeep von 1941 zu finden war. Und allein ein halbes dutzendmal haben die Designer im Innenraum den stilisierten Jeep-Kühlergrill versteckt. Dazu gibt es Sinnsprüche ums Zündschloss oder stilisierte Landkarten in den Gummiböden einiger Ablagen. Im Renegade gibt es so viele Gimmicks, dass man sich fühlt wie ein echter Entdecker.

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
breisig 29.09.2014
1. den gibts doch schon,
von kia!
emporda 29.09.2014
2. Italo-Autos niemals
Mein früherer Nachbar war Service Chef bei Fiat Belgien, der hatte jedes Jahr einen neuen Fiat Firmenwagen Nach nur 9 Monaten sind aus mehrern Autos die Blinklichter abgefallen und die Scheinwerfer hingen an Drähten, durch Rost im Blech hatte nichts mehr Halt. Dazu kamen laufend Probleme mit der Elektrik Dazu kamen traurige Erfahtungen mit vielen Mietwagen in Italen. Selbst einen geschenkten Fiat würde ich noch als Beleidigung ansehen
laberhannes1 29.09.2014
3. Ein schöner Werbeartikel
für die Ami-Italo-Karre. Eigentlich hätte der als Anzeige gekennzeichnet werden müssen, aber bitte, kurzweilig zu lesen war er ja auch. Mir persönlich geht im Moment alles amerikanische gegen den Strich. Sollen die ihre Karren selbst kaufen, ich brauche die nicht. Am besten wäre es, die würden aus Europa abziehen und ihren TTIP, ihre Abhörtechnik, ihre Atomwaffen und den ganzen Schrott mitnehmen nach Mailand.
paysdoufs 29.09.2014
4. Warum nicht?
Schön isser nicht, aber das gilt auch für ne Menge anderer Autos... Potenziell das ideale Zweitauto für jemanden der tatsächlich eine entlegene Hütte am Berg hat. Aber auch ausserhalb dieser (zugegebenermassen kleinen) Nische wird er sich wohl ab und an verkaufen.
fjr 29.09.2014
5. Der Kleinste?
Auch da zeigt sich wiedr, dass bei SPON einfach schlecht recherchiert wird. Bei Jeep gabe es schon sehr viele kleinere Modelle, angefangen beim ersten in Serie gebauten, den CJ2A, der 3,32 m lang war.
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