Jensen-Wiederbelebung Comeback is beautiful

Die Luxussportwagen von Jensen waren in den Siebzigern ein Superstich im Autoquartett. Seit der Pleite 1976 halten Fans der Marke die Treue und hoffen auf eine Rückkehr. Die ist jetzt angekündigt - mal wieder.

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Jensen

Frank Sinatra fuhr einen. Gregory Peck, Tony Curtis und Ginger Baker ebenfalls. Es waren exklusive Sportwagen, die der kleine britische Hersteller Jensen auf die Straße brachte. Nur rund 4500 Exemplare des "Abfangjägers" wurden zwischen 1966 und 1976 gebaut. Dann ging die Firma pleite.

Seitdem werden die noch vorhandenen Exemplare in der Oldtimer-Szene verehrt. Zudem gab es diverse Versuche, das 1935 gegründete Unternehmen wiederzubeleben. Doch vor allem hielt eine treue Fan- und Sammlergemeinde das Andenken an Jensen aufrecht.

Wer wüsste das besser als Tim Hearley. Der Investor lebt unter anderem von der Restaurierung der bis 1976 gebauten Klassiker - und verschafft sich jetzt quasi selbst Nachschub. Denn gemeinsam mit einigen anderen Geschäftsleuten plant Hearley eine Reanimation der Marke. Mal wieder, muss man fast sagen.

Vier Jahre dauerten die juristischen Regularien

Jensen gehört, ähnlich wie Bristol, Hispano Suiza oder, ja, auch Borgward zu den Untoten der Automobilgeschichte. Verblichene Marken, die jedoch immer wieder auftauchen, reanimiert werden sollen oder sogar tatsächlich für kurze Zeit wiedererweckt werden - und dann wieder verschwinden. Der letzte Comeback-Versuch von Jensen liegt erst vier Jahre zurück; damals hatte eine Schweizer Firma den Jensen-Relaunch versucht - vergebens. Bereits zehn Jahre zuvor hatte sich der ehemalige Rolls-Royce-Chef Graham Morris an der ehemaligen Luxusmarke die Zähne ausgebissen.

Zu den schwierigsten Details eines solchen Neustarts gehört stets, die Rechtslage des Unternehmens zu entwirren und sich die Namensrechte zu sichern. "Vier Jahre lang haben wir darum gerungen, daran sieht man auch, wie ernst es uns mit dem Projekt ist", sagt Hearley. Man sieht es aber vor allem auch an der Tatsache, dass noch während die Anwälte verhandelten, bereits die Entwickler die Arbeit aufnahmen.

Deshalb kann Jensen-Chef Tim Hearley jetzt ein Tonmodell im Originalmaßstab präsentieren, aus dem einmal ein neues Jensen-Modell werden soll. Zu sehen ist ein elegantes Fastback-Coupé, das geschickt die Balance zwischen gestern und heute wahrt und angeblich schon im kommenden Jahr in Serie gehen soll.

Als Motor soll ein V8 aus der Corvette dienen

Als Antrieb ist der 6,4-Liter-V8-Kompressormotor aus der Corvette vorgesehen. Soweit also bleibt die Tradition gewahrt, im klassischen Interceptor aus den Sechziger- und Siebzigerjahren blubberten ebenfalls amerikanische V8-Triebwerke, damals waren es Big-Blocks von Chrysler. Das neue, für 2016 avisierte Auto soll jedoch kein Interceptor werden, sondern Jensen GT heißen. Ein Interceptor 2, so der Firmenchef, sei erst in einigen Jahren vorgesehen.

Hearley berichtet von großem Interesse an seinem Projekt einer Jensen-Renaissance. Bestellungen jedoch habe er noch keine vorliegen. Das mag zum einen am Kaufpreis liegen, den Hearley auf rund 350.000 Pfund - etwa 485.000 Euro - taxiert. Es könnte aber auch mit der wechselvollen Geschichte der Marke zusammenhängen. Denn wer immer bei Jensen einen Kaufvertrag unterschreibt und eine Anzahlung leistet, will wohl vorher erst einmal ein fertiges, fahrfähiges Auto sehen.

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insgesamt 35 Beiträge
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Xenocow 22.03.2015
1. Schickes Teil... aber
Wer kann sich heute überhaupt noch ein Auto leisten? ;)
observerlbg 22.03.2015
2. Mein schnöseliger Kommentar:
Vorne 68er Mustang, hinten 80er Jaguar. Eigentlich optisch gelungen, wenn nur der Radstand etwas größer wäre. So wirkt der Kofferraum wie ein Anhängsel.
gullliver 22.03.2015
3. Ein Stich im Quartett war etwas anderes ..
... nämlich 2 gleiche Daten, so dass mit der folgenden Karte ausgefochten wurde.
Morrison 22.03.2015
4. Quartett mit Vierradantrieb
Hab gleich mal mein altes Autoquartett herausgeholt und nachgeschaut! Kann es sein dass der Jensen das erste serienmäßige Auto mit vierradantrieb war? Und wenn ja warum wird so ein Fakt nicht in dem Bericht erwähnt und ist für das neue Modell auch ein solcher antrieb geplant?
monolithos 22.03.2015
5. Trabi statt Jensen
Der Grund, warum solche Comebacks so oft in die Hose gehen, ist weniger juristischer, sondern eher wirtschaftlicher Natur. Seltsamerweise sollen meistens Marken reanimiert werden, die Sportwagen oder Luxuskarossen anbieten, die Prestige und Tradition auf die Straße bringen wollen. Das ist aber total am Markt vorbei. Natürlich werden sie ein paar Käufer finden, aber nicht genug Geld einfahren, um das Überleben zu sichern. Dass man eher mit Brot- und Butter-Autos Erfolge einfährt, zeigt Dacia. Vielleicht sollte man vor dem Hintergrund eher Trabant und Wartburg wiederbeleben anstatt Borgward, Maybach und Jensen.
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