Joint Venture VW gründet China-Tochter

Volkswagen beugt sich dem Willen der Regierung in Peking: Die Wolfsburger entwickeln erstmals gemeinsam mit einer chinesischen Partner-Firma ein neues Auto - und tragen damit auch dazu bei, deren Know how zu mehren. Das neue Joint Venture bekam jetzt die Geschäftslizenz der Regierung.


Peking - In China ist das Rennen um die besten Plätze im vielversprechenden Markt für Elektroautos eröffnet: Nach Daimler erhielt nun auch VW in der Volksrepublik eine der begehrten Geschäftslizenzen für den Bau eines batteriebetriebenen Autos. Der Wagen werde unter der dem Namen Kaili zusammen mit dem chinesischen Partner FAW gebaut, teilte der Wolfsburger Konzern mit. Das Elektroauto soll nach früheren Angaben bis Ende 2013 oder Anfang 2014 auf den Markt kommen.

Wie der Kaili genau aussehen wird und ob technische Komponenten aus dem VW-Konzern zum Einsatz kommen, das steht allerdings noch nicht fest. "Mit der Zertifizierung des Kaili-Elektroautos durch FAW-VW geht die Volkswagen-Gruppe eine ernsthafte Verpflichtung ein, mit seinen Joint Ventures nach einheimischer Innovation zu streben", umschreibt VW-China-Sprecher Andreas Hoffbauer die Aufgabenstellung wolkig. Die Frage ist damit, ob die Wolfsburger Ingenieure mit Blaupausen aus Wolfsburg nach China reisen werden, oder ob sie vor Ort gemeinsam mit ihren chinesischen Kollegen ganz eigene technologische Lösungen austüfteln.

Volkswagen selbst hat in der Vergangenheit bereits mehrere Konzepte für E-Mobile vorgestellt, die allerdings alle im Kleinwagensegment angesiedelt sind. Der Kaili jedoch, soviel verriet Hoffbauer schon, soll eher in der Mittelklasse antreten.

China fördert massiv die Entwicklung und den Bau von Elektroautos. Bedingung für ausländische Hersteller ist, dass sie mit einem lokalen Hersteller zusammenarbeiten. Damit will die Regierung den Technologie-Transfer fördern und die eigene Pkw-Industrie stärken.

Das Land ist wegen seiner Wachstumsperspektiven für die Autoindustrie der wichtigste Zukunftsmarkt. Entsprechend hat Konkurrent Daimler sich mit dem chinesischen Batteriehersteller BYD (Build your Dreams) zusammengetan und will 2013 mit einem Elektrowagen an den Start gehen. Das Auto soll auf Basis der kompakten B-Klasse entstehen. Der Name steht noch nicht fest.

Für das gleiche Jahr hat der Münchner Rivale BMW das erste elektrische Serienauto i3 angekündigt, das auch in China verkauft werden soll. Die Opel-Mutter GM arbeitet mit SAIC zusammen und hat ebenfalls Pläne für ein Elektroauto in der Schublade. Der größte chinesische Autokonzern ist auch Partner von VW. Der mit Renault verbundene japanische Hersteller Nissan, der in China ein Gemeinschaftsunternehmen mit Dongfeng Motor betreibt, will seinen Elektrowagen Leaf in China anbieten. Der Wagen wird bereits in Europa verkauft.

Auch in Deutschland wird die Forschung zur Elektromobilität staatlich gefördert. Die Bundesregierung will mit einem Milliardenschweren Förderprogramm erreichen, dass bis 2020 eine Million Elektroautos auf den Straßen rollen. Viele Autobosse sind damit aber noch nicht zufrieden. Sie fordern, dass auch der Kauf staatlich subventioniert wird, um Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Sie verweisen auf das Beispiel anderer Länder, wo der Kauf eines E-Mobils mit mehreren tausend Euro staatlich bezuschusst wird.

mik/Reuters/dpa



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Pinon_Fijo 16.05.2011
1.
Wir werden verkauft und verraten... Würden sich chinesische Politiker und Manager wie die unseren aufführen, man würde sie wegen Landesverrates einbuchten! (Dipl.-Ing., beschäftigt bei einem für VW tätigen Zulieferer)
dieganzewelt 16.05.2011
2. Wenn Dummheit weh tun würde...
Super. Wir zahlen 25.000€ für einen Plastik Golf. Und VW verschenkt sein Wissen an die Chinesen. Nach kurzen Zeit wird es heißen, Vielen Dank und Tschüß, und bei uns gibt es wieder ein paar tausend Arbeitslose mehr (die kaufen dann nicht mal mehr den Golf). Die deutschen Hersteller können alles, außer Business....!
eshate 16.05.2011
3. In Zukunft misst sich die menschliche Dummheit
nicht - frei nach Einstein - an der Unendlichkeit des Universums, sondern an Kurzsichtigkeit, Raffgier und Skrupellosigkeit von VW-Managern.
master2010 16.05.2011
4. Keine schlechte Idee
Ich denke, dass VW mit diesem Schritt in die richtige Richtung geht! In Sachen E-Mobilität hinken wir deutschen noch ganz schön hinterher- im Vergleich mit Toyota und Honda. Eine gute Möglichkeit um aufzuholen, denn mit chinesischen Staatsunternehmen hat man finanzstarke und motivierte Partner an der Seite. Natürlich findet ein gewisser Technologietransfer statt, jedoch beschränkt sich dieser auf die Optimierung der Fertigunng von Low-Tech Teilen. Die Kernkompetenz von VW liegt doch (noch) bei den Verbrennungsmotoren, das meiste Know-How kauft VW doch selbst bei Zulieferern ein (Fahrwerk, Lenkung, Elektrik). Ich weiß ja nicht was sie in Ihrem Unternehmen tun Herr Pinon_Fijo, aber das sollten Sie als Dipl.-Ing., beschäftigt bei einem für VW tätigen Zulieferer, doch wissen! (Master, ebenfalls beschäftigt bei einem für VW tätigen Zulieferer)
Pinon_Fijo 17.05.2011
5.
Zitat von master2010Ich denke, dass VW mit diesem Schritt in die richtige Richtung geht! In Sachen E-Mobilität hinken wir deutschen noch ganz schön hinterher- im Vergleich mit Toyota und Honda. Eine gute Möglichkeit um aufzuholen, denn mit chinesischen Staatsunternehmen hat man finanzstarke und motivierte Partner an der Seite. Natürlich findet ein gewisser Technologietransfer statt, jedoch beschränkt sich dieser auf die Optimierung der Fertigunng von Low-Tech Teilen. Die Kernkompetenz von VW liegt doch (noch) bei den Verbrennungsmotoren, das meiste Know-How kauft VW doch selbst bei Zulieferern ein (Fahrwerk, Lenkung, Elektrik). Ich weiß ja nicht was sie in Ihrem Unternehmen tun Herr Pinon_Fijo, aber das sollten Sie als Dipl.-Ing., beschäftigt bei einem für VW tätigen Zulieferer, doch wissen! (Master, ebenfalls beschäftigt bei einem für VW tätigen Zulieferer)
Daß die Auohersteller schon seit langer Zeit alles mögliche outsourcen, mag zwar ebenfalls eine traurige Sache sein, hat aber mit dem Thema nix zu tun. Letztlich wird UNSER aller Know-How verschleudert. (Beim Thema E-Mobility und Smart Grid hängen wir übrigens auch drin, der Blödsinn ist z.Zt. gerade 'hipp')
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