Kältemittelstreit Herber Rückschlag für Mercedes

Mercedes muss im Kältemittelstreit einen herben Rückschlag hinnehmen. In Frankreich erhalten einige Neuwagen der Marke derzeit von den Behörden keine Zulassung für den Straßenverkehr. Betroffen sind drei Baureihen der Stuttgarter.

Mercedes A-Klasse: Zulassungsstopp in Frankreich
Daimler

Mercedes A-Klasse: Zulassungsstopp in Frankreich


Der Streit über Klimaanlagen-Kältemittel beschert Mercedes heftigen Ärger in Frankreich. Dort erhielten einige Neuwagen von Mercedes derzeit von den Behörden keine Zulassung für den Straßenverkehr, sagte ein Mercedes-Sprecher und bestätigte damit eine Meldung der Nachrichtenagentur Reuters.

Betroffen seien Fahrzeuge der A-, B- und SL-Klasse, die nach dem 12. Juni vom Band gerollt seien. Für diese Modelle bekam Mercedes vor kurzem eine erweitere Typengenehmigung vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) erteilt. Die französischen Behörden hätten diese erweiterte Typengenehmigung noch nicht anerkannt. "Wir können uns nicht erklären, warum die Registrierung in Frankreich noch nicht vorgenommen wurde", sagte der Mercedes-Sprecher. Normalerweise sei die Entscheidung des KBA automatisch europaweit gültig, und "ein rein formeller Akt".

Faktisch bekommen die betroffenen Neuwagen damit in Frankreich kein Nummernschild beziehungsweise keine Zulassungserlaubnis mehr. Bei den französischen Behörden war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Beratungen Mitte Juli

Ein mit dem Vorgang vertrauter hochrangiger EU-Beamter erläuterte, Frankreich habe die Zulassung einiger Mercedes-Modelle eingestellt, da die Klimaanlagen mit dem nach EU-Vorschriften unzulässigen Kühlmittel R134a ausgerüstet seien. Das französische Transportministerium habe die EU-Kommission über ihr Vorgehen in dieser Woche informiert, sagte der Insider. Über Einzelheiten solle beim nächsten Treffen des Automobil-Ausschusses der EU Mitte Juli beraten werden.

Mercedes befinde sich bereits im Gespräch mit den französischen Behörden, sagte der Sprecher der Stuttgarter, weitere Infos habe er jedoch noch nicht erhalten.

Die EU schreibt für Fahrzeuge mit einer nach 2011 erteilten Typgenehmigung ein weniger klimaschädliches Kältemittel vor. Diese Richtlinie gilt seit Jahresbeginn. In Frage kommt derzeit einzig das Kältemittel R1234yf. Daimler weigert sich jedoch, dieses von den US-Konzernen Dupont und Honeywell entwickelte Gas in die Klimaanlagen einzufüllen: Das Gas sei bei Unfällen und Leckagen des Klimasystems zu gefährlich, da es sich im heißen Motorraum entzünde und dann ätzende Säure freisetze.

Daimler rüstet daher seine komplette Fahrzeugflotte wie gewohnt mit dem klimaschädlichen Kältemittel R134a aus, obwohl dieses Gas seit Jahresbeginn in einigen Mercedes-Modellen - jenen mit einer nach 2011 erteilten Typgenehmigung - verboten ist. Dies betrifft die neuen Kompaktwagen-Modelle der A- und B-Klasse sowie das neue Modell des Sportwagens SL. In den Vorgängermodellen der Baureihen war auf Grundlage der früher erteilten Typgenehmigungen die Nutzung des Kühlmittels R134a erlaubt.

Daher ersuchte Daimler das KBA, diese vor 2011 erteilten Genehmigungen auf die neuen Modelle zu erweitern und fortzuschreiben, wofür die Flensburger Behörde zuletzt grünes Licht gab.

Auch andere Hersteller wie etwa VW haben solche Schlupflöcher genutzt, um die Autoklimaanlagen weiterhin mit dem Mittel R134a befüllen zu können. Das Gas trägt deutlich stärker zur Klimaerwärmung bei als das alternative Mittel R1234yf, endgültig verbannt werden aus den Autoklimaanlagen soll es erst 2017.

rom/cst/Reuters



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Seite 1
spiegelleser_12345 06.07.2013
1. selber schuld
Zitat von sysopDaimlerMercedes muss im Kältemittelstreit einen herben Rückschlag hinnehmen. In Frankreich erhalten einige Neuwagen der Marke derzeit von den Behörden keine Zulassung für den Straßenverkehr. Betroffen sind drei Baureihen der Stuttgarter. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/kaeltemittelstreit-zulassungsstopp-fuer-mercedes-modelle-in-frankreich-a-909715.html
Eine Katastrophe mit Ansage. Das Thema ist seit zehn Jahren auf dem Tisch und es gibt Ersatzstoffe. CO2 ist ein guter und unbrennbarer Füllstoff für Klimaanlagen. Wer wie Mercedes mit dem Kopf durch die Wand will, schafft das nicht immer. Die Leittragenden werden die gekündigten Arbeitnehmer sein. Die verantwortlichen Führungskräfte werden dagen mit hohen Abfindungen bedacht werden.
So so... 06.07.2013
2. Ich hasse es.
Entweder man entscheidet sich für das Kältemittel R134a auf Kosten der Umwelt oder man entscheidet sich für R1234yf auf Kosten der persönlichen Gesundheit und des Lebens, zumal R1234yf sofort Feuer fängt und sich das Zeug sogar durch Glas fressen kann bei Unfällen. Wofür haben die ganzen Konzerne so viele Millionen investiert? Ist das das Ergebnis der Forschung? Ich weigere mich zu glauben, dass es keine, absolut keine Alternative hierzu gibt. Lachhaft, einfach lachhaft. Dass geldgetriebene, machtgeile "Innovationskraft" und Vorreiterrolle stets auf Kosten der Umwelt oder der persönlichen Gesundheit gehen muss. Fucking brilliant.
thrill 06.07.2013
3. Lobby vs. Lobby
Wenn Frankreich die Einfuhr deutscher Autos untersagt und deutsche Automobilbauer kein Kältemittel US-amerikanischer Konzerne in ihre Fahrzeuge füllen wollen, geht es sicher um mehr als nur um Sicherheits- und Klimaaspekte.
Criticz 06.07.2013
4.
Zitat von thrillWenn Frankreich die Einfuhr deutscher Autos untersagt und deutsche Automobilbauer kein Kältemittel US-amerikanischer Konzerne in ihre Fahrzeuge füllen wollen, geht es sicher um mehr als nur um Sicherheits- und Klimaaspekte.
Der übliche französische Protektionismus um der eigenen Automobilindustrie Vorteile zu verschaffen eben....man kennt das zu gut vom Bahnverkehr
ubbo2 06.07.2013
5. Naja
Da geht es doch offensichtlich nicht mehr um Technik und um die Sache: Da neben Daimler auch VW rezertifiziert hat müssten ja auch alle Volkswagen in Frankreich untersagt werden, da wird mit zweierlei Maß gemessen, da ist was faul...
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