Kaufprämie für Elektroautos Wir sind jetzt alle Stromzahler

Wer ein Elektroauto kauft, soll bis zu 4000 Euro geschenkt bekommen. Doch wer profitiert von dem Geldsegen tatsächlich? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Elektroauto von Mercedes
DPA

Elektroauto von Mercedes


Bundesregierung und Autoindustrie haben sich auf eine Kaufprämie für Elektroautos geeinigt. Wie soll die aussehen?

  • Für reine E-Autos wird es Zuschüsse von 4000 Euro geben.
  • Hybride mit ergänzendem Verbrennungsmotor werden mit 3000 Euro pro Fahrzeug gefördert.
  • Der Fördertopf ist mit insgesamt 1,2 Milliarden Euro gefüllt. "Wer zuerst kommt, bekommt die Förderung", sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble.
  • Beginnen soll das Bonussystem Mitte Mai .
  • Die Prämien sind nur für Modelle mit einem Listenpreis von maximal 60.000 Euro für ein Basismodell möglich.
  • Die Förderung hat eine befristete Laufzeit bis spätestens 2019 - vorausgesetzt, die Summe von 1,2 Milliarden Euro ist nicht vorher aufgebraucht.

Wer bezahlt das?

Der Bund - also die Steuerzahler - und die Autohersteller teilen sich die Kosten für die Prämie.

Welche Anreize wurden außerdem beschlossen?

  • Reine E-Autos sollen - befristet für Käufe bis Ende 2020 - für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit werden.
  • Wenn Arbeitnehmer ein E-Auto in ihrem Betrieb aufladen, soll dies nicht als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen.
  • Die Ladeinfrastruktur für E-Mobile soll massiv ausgebaut werden. Verkehrsminister Alexander Dobrindt verspricht 15.000 neue Ladestellen im ganzen Land. Dafür gibt der Bund von 2017 bis 2020 rund 300 Millionen Euro.
  • Die Batterieforschung in Deutschland soll verstärkt werden.
  • Der Bund will den Anteil von E-Autos in seinem Fuhrpark vom 1. Januar 2017 an auf 20 Prozent steigern.

Videoanalyse zur Kaufprämie: "Absurd, die Autoindustrie staatlich zu fördern"

DPA/SPIEGEL ONLINE

Was spricht für direkte Kaufanreize?

Mit einem höheren Anteil von reinen E-Fahrzeugen könnten die Emissionen in Ballungsgebieten tatsächlich gesenkt werden. Deutschland überschreitet regelmäßig die von der EU gesetzten Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide. Wie dringend eine Verbesserung der Luftqualität wäre, zeigt die Situation in Stuttgart. Dort gab es in den vergangenen Monaten mehrmals Feinstaubalarm.

Dass direkte Kaufanreize den Absatz von E-Fahrzeugen und Modellen mit Plug-in-Systemen beflügeln, also einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor mit der Möglichkeit, diese extern aufzuladen, zeigt das Beispiel Norwegen.

Wer dort ein neues Auto kauft, zahlt eine einmalige Registrierungssteuer, die unter anderem vom Gewicht und dem CO2-Ausstoß des Wagens abhängig ist. Durchschnittlich fallen dafür umgerechnet knapp 11.000 Euro an. Beim E-Auto entfallen diese Kosten. Auch die Mehrwertsteuer wird beim Kauf eines Stromers nicht erhoben. Hinzu kommen weitere Privilegien wie der Wegfall von Parkgebühren oder Maut und eine Freigabe des Fahrzeugs für Busspuren.

All diese Vergünstigungen haben dazu geführt, dass der Marktanteil der Elektroautos in Norwegen 2015 auf 17,1 Prozent gestiegen ist.

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DEKRA

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Was spricht dagegen?

Umweltschützer wie der alternative Verkehrsclub Deutschland (VCD) kritisieren die geplante Verkaufsförderung. Sie befürchten, dass die Hersteller durch die Prämie ihre Fahrzeugflotten mit wenig Anstrengung effizienter darstellen können. In der EU gelten für Neuwagen CO2-Grenzwerte, die von den Herstellern eingehalten werden müssen. Verfehlen diese die gesteckten Ziele, drohen empfindliche Strafzahlungen.

Gerade eine Förderung der Plug-in-Hybride sehen die Umweltschützer kritisch. Denn bei Fahrzeugen mit kombiniertem E- und Verbrennungsmotor wird bei der Verbrauchsermittlung der elektrisch zurückgelegte Teil unverhältnismäßig hoch angerechnet. So fährt das Auto auf dem Prüfstand erst einmal die Batterie leer, dann muss es nur noch 25 Kilometer mit Verbrennungsmotor zurücklegen. So kommt es, dass ein Luxuswagen mit 416 PS wie der Porsche Panamera auf den sensationellen CO2-Wert von 71g/km kommt bei einem Verbrauch von durchschnittlich 3,1 Liter.

In den Niederlanden zeigt sich genau der Haken einer solchen Förderung, so der verkehrspolitische Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen, in einem Interview mit SPIEGEL ONLINE. Dank einer Kaufprämie hätten vor allem Flotten und Verleihfirmen verstärkt Plug-in-Hybride gekauft. Doch laut VCD werden diese Autos kaum elektrisch genutzt. Zu wenige Nutzer machen sich die Mühe, das Fahrzeug regelmäßig an der Steckdose aufzuladen. Mit dem Ergebnis: Dem Klima bringt die Förderung wenig.

Welche E-Autos werden derzeit in Deutschland angeboten?

Was können E-Autos für die Umwelt bewirken?

Elektroautos sind weniger sauber als landläufig angenommen. Im Vergleich zu Modellen mit konventionellem Motor fallen bei der Produktion von E-Modellen 60 Prozent mehr CO2-Emissionen an, so eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik im Auftrag des Verkehrsministeriums. Schuld daran sind die aufwendige Batterietechnologie und der Einsatz von Leichtbaumaterialien, die in der Herstellung viel Energie verschlingen.

Auch im Alltagsbetrieb kann das E-Auto aufgrund des aktuellen Strommixes in Deutschland seine Vorteile nicht ausspielen. Mehr als 50 Prozent des Stroms in Deutschland werden nach wie vor aus fossilen Brennstoffen wie Braunkohle, Erdgas und Steinkohle erzeugt. Um die negative Ökobilanz bei der Produktion auszugleichen, muss das E-Auto mit dem heutigen Energiemix mindestens 100.000 Kilometer über die Lebensdauer von zwölf Jahren bewegt werden, mit Ökostrom ist die Umweltbilanz bereits ab 30.000 Kilometern sauber. Fazit: Elektroautos sind nur mit Ökostrom sinnvoll.

Sind E-Autos tatsächlich schon alltagstauglich?

Das Fahren mit Elektroautos funktioniert reibungslos. Bisher stellte das Netz an Ladesäulen die Fahrer oft vor ein Problem. Laut Nationaler Plattform Elektromobilität waren Mitte 2015 knapp 5600 Ladepunkte an 2500 öffentlich zugänglichen Säulen vorhanden - zum Vergleich: In Deutschland gibt es gut 14.500 Tankstellen. Ein Kaufhindernis stellt für viele Autofahrer auch die vergleichsweise geringe Reichweite von reinen E-Fahrzeugen dar. Diese liegt durchschnittlich weit unter 200 Kilometern. Durch Fortschritte bei der Batterietechnologie wird die Reichweite in Zukunft steigen.

Welche Vorteile genießen E-Autofahrer bereits?

Seit Oktober 2015 kann man für elektrisch betriebene Fahrzeuge ein spezielles E-Nummernschild beantragen, das dem Fahrzeug im Verkehr Privilegien einräumt - vorausgesetzt, die Kommune stimmt den Sonderrechten für Stromer zu.

Das vom Bund verabschiedete Elektromobilitätsgesetz sieht unter anderem vor, dass Autos mit E-Kennzeichen kostenlos parken und auf einer Busspur fahren dürfen. Auch Fahrzeuge mit Brennstoffzelle und sogenannte Plug-in-Hybridfahrzeuge dürfen das E-Kennzeichen nutzen.

Halter von Hybridautos können das neue Nummernschild aber nur beantragen, wenn das Fahrzeug entweder höchstens 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt oder mindestens 30 Kilometer rein elektrisch fahren kann.

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Wie wirtschaftlich sind E-Autos wirklich?

Der ADAC hat vor gut einem Jahr in einem Autokostenvergleich E-Modelle mit in Ausstattung und Leistung vergleichbaren Versionen von neun Herstellern analysiert. Nicht in allen Fällen stand dabei ein Modell aus derselben Klasse zur Verfügung. Grundlage der Berechnung waren Kaufpreis, Wertverlust, Kraftstoff- bzw. Stromkosten, Werkstatt- und Reifenkosten sowie Steuern und Versicherung - bei einer Haltedauer von vier Jahren und einer jährlichen Laufleistung von 15.000 Kilometern. Mit dem Ergebnis: Nur ein Modell mit E-Motor rechnete sich im Vergleich zu einem Benziner. Der BMW i3 und der etwas größere 118i waren von den Kilometerkosten gleich teuer. Angesichts der gesunkenen Spritpreise und der anziehenden Strompreise dürfte die Wirtschaftlichkeit von E-Autos ohne Kaufprämie weiter sinken.

mhu/cst/dpa



insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
bebreun 27.04.2016
1. Argumentation Stuttgarter Luftqualität
Wenn man die Grenzwertüberschreitungen der letzten Jahre in Stuttgart ansieht fällt auf, dass Sie nur in den Wintermonaten auftreten. Daher ist fraglich, ob tatsächlich der Verkehr der Hauptverursacher ist. Oder sind es eher die Heizungsanlagen? Ich frage mich auch, warum kein Fahrverbot ausgesprochen wurde, sondern nur eine wenig beachtete Empfehlung. Wäre sonst vielleicht belegbar geworden, dass der Verkehr nicht die Hauptursache ist?
acroflyer 27.04.2016
2.
ich bin mir sicher, die Pläne für eine leistungsstarke Batterie, die auch den Namen verdient, liegen in irgendeiner Schublade eines Multis, der das Patent aufgekauft hat...! genauso wie die Pläne für einen verbrauchsarmen Motor, die sich ein Ölmulti unter den Nagel gerissen hat!
creme 27.04.2016
3. Komische Auswahl
Bei der mickrigen Reichweite und der seltsamen Auswahl an Fahrzeugen, wundert es mich keinen weiteren elektrisch zurückgelegten Zentimeter, warum deutsche Hersteller auch noch in Jahren mit Benzin- und Dieselmotoren ein Riesengeschäft machen werden bzw. warum Hersteller wie Tesla oder Jaguar in 24 Monaten die Nase vorn haben, während deutsche Hersteller noch über Wasserstoff- und Hybridantriebe grübeln müssen...
meerwind7 27.04.2016
4. Fördern ohne Steuergelder !
75% der vollen Elektroförderung für Hybride, die vielleicht mal 10-20% elektrisch unterwegs sind? Kostenlos wäre eine Förderung auf demokratischer Basis, durch Abstimmungen in den Wohngebieten, ob dort künftig nur noch Elektroautos fahren dürfen
jupp78 27.04.2016
5.
Zitat von bebreunWenn man die Grenzwertüberschreitungen der letzten Jahre in Stuttgart ansieht fällt auf, dass Sie nur in den Wintermonaten auftreten. Daher ist fraglich, ob tatsächlich der Verkehr der Hauptverursacher ist. Oder sind es eher die Heizungsanlagen? Ich frage mich auch, warum kein Fahrverbot ausgesprochen wurde, sondern nur eine wenig beachtete Empfehlung. Wäre sonst vielleicht belegbar geworden, dass der Verkehr nicht die Hauptursache ist?
Das dürfte ein Grund sein und der andere Grund dürfte sein, dass die Verantwortlichen damit ein partiellen Zusammenbruch des öffentlichen Lebens herbei geführt hätten, da die öffentlichen Verkehrsmittel nicht einmal annähernd in der Lage sind so ein Verbot zu kompensieren.
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