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Kaufprämie für Plug-in-Hybride: Sechszylinder auf Stütze

Audi Q7 E-Tron: Kaufprämie für ein Dickschiff Zur Großansicht
Audi

Audi Q7 E-Tron: Kaufprämie für ein Dickschiff

Sollte die finanzielle Förderung von E-Mobilen beschlossen werden, profitieren nicht nur sparsame Kleinwagen - sondern auch fette SUVs.

Zugegeben: Irgendwas muss passieren, damit irgendwann mal mehr Elektroautos auf deutschen Straßen fahren. Denn allein kommt die Trendwende zu alternativen Antrieben nicht in Gang, soviel ist klar. Aber ist eine Kaufprämie, wie sie derzeit diskutiert wird, wirklich das richtige Instrument? Es gibt keine einfachen Antworten, wie dieser Faktencheck zeigt.

In Deutschland ist die Lage besonders heikel, denn die angedachte Förderung schließt auch sogenannte Plug-in-Hybride ein: Fahrzeuge, die einen Elektroantrieb an Bord haben und kleinere Strecken, wenn sie denn aufgeladen wurden, rein elektrisch zurücklegen können - aber die gleichzeitig auch von (meist fetten) Verbrennermotoren angetrieben werden.

Wer gewinnt also, wenn solche SUVs und Sportwagen gefördert werden: das Klima - oder doch eher die Autoindustrie?

Ja, es braucht Maßnahmen, um die Elektromobilität anzukurbeln. Aber die Kaufprämie in ihrer jetzigen Form ist zu kurz gesprungen. Manchmal kann man sich die Absurdität politischer Maßnahmen am besten vor Augen führen, indem man schaut, wer eigentlich von ihnen profitiert.

Wir haben die absurdesten Prämiengewinner gesammelt:


BMW 740e

Antrieb: 2-Liter-Vierzylindermotor mit 259 PS, E-Motor mit 95 PS, Systemleistung 326 PS

Preis: 91.900 Euro

Autohersteller – allen voran die sogenannten Premiummarken aus Deutschland – haben jeweils mehrere Plug-in-Hybrid-Modelle im Angebot.


Mercedes GLE 500e 4matic

Antrieb: V6 Benziner mit 333 PS, E-Motor mit 116 PS, Systemleistung 422 PS

Preis: 74.196 Euro

Diese Modelle würden durch die angedachte Förderung für Elektroautos ebenfalls in den Genuss der Kaufprämie von 5000 Euro kommen.


Volvo XC90 T8 Hybrid

Antrieb: 2,0-Liter-Benzinmotor mit 320 PS, E-Motor mit 87 PS, Systemleistung 407 PS

Preis: 76.160 Euro

Dabei sind sie das genaue Gegenteil dessen, was man unter umweltschonender Mobilität versteht.


BMW i8

Antrieb: Turbo 1,5-Liter-3-Zylinder-Benzinmotor mit 231 PS, E-Motor mit 131 PS, Systemleistung 362 PS

Preis: 130.000 Euro

Rein elektrisch - und damit abgasfrei - kommen sie jeweils nur zwischen 30 und 40 Kilometer weit. Ist der Akku leer oder tritt man beherzt aufs Gaspedal, schaltet sich der Verbrennungsmotor ein.


Porsche Panamera SE Hybrid

Antrieb: 3-Liter-V6 mit 333 PS, E-Motor mit 95 PS, Systemleistung 416 PS

Preis: 104.340 Euro

Eine staatliche Förderung ergibt deshalb wenig Sinn.


Q7 e-tron 3.0 TDI quattro

Antrieb: V6-Turbodiesel mit 258 PS, E-Motor mit 128 PS, Systemleistung 373 PS

Preis: 80.500 Euro

Schon jetzt helfen die Plug-in-Modelle den Autoherstellern beim Verwässern ihrer CO2-Flottenbilanz.


BMW X5 xDrive40e

Antrieb: 2,0-Liter-Vierzylinderbenziner mit 245 PS, E-Motor mit 113 PS, Systemleistung 313 PS

Preis: 69.200 Euro

Denn diese Autos lassen sich mehrfach anrechnen und gleichen somit die Werte von Benziner- und Dieselmodellen aus.


Porsche Cayenne SE Hybrid

Antrieb: 3-Liter-V6 mit 333 PS, E-Motor mit 95 PS, Systemleistung 416 PS

Preis: 82.920 Euro

Die absurden CO2-Werte der Hybridmodelle kommen durch die Regeln des Laborzyklus NEFZ zustande.


Mercedes S500 Plug in Hybrid

Antrieb: V6-Benziner mit 333 PS, E-Motor mit 115 PS, Systemleistung 442 PS

Preis: 109.777 Euro

Im normierten "neuen Europäischen Fahrzyklus" (NEFZ) wird zum einen der emissionsfreie Anteil des Elektroantriebs überproportional stark angerechnet, zum anderen außer Acht gelassen, dass bei der Herstellung des Stroms ebenfalls Energie verbraucht wird.

mhe

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insgesamt 311 Beiträge
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1.
assiwichtel 09.02.2016
Da offenbart sich mal wieder der Schwachsinn, die Besteuerung nach dem theoretischen CO2-Ausstoss, ermittelt nach einem weltfremden Test vorzunehmen. Ein geparktes Auto erzeugt kein CO2 oder andere Abgase! Schafft endlich die KFZ-Steuer ab und besteuert den Verbrauch über die Kraftstoffsteuer. Ich beantrage ja auch kein Kindergeld, nur weil ich Kinder in die Welt setzen könnte.
2. Wenn die Hersteller
patrick6 09.02.2016
...so offensichtlich Schindluder bzgl. CO² treiben und es wirklich jeder mitbekommt - warum greift der Staat nicht ein? Macht er doch sonst auch bei jeder Kleinigkeit.
3. ja oder nein
uhlehmann 09.02.2016
Elektroautos brauchen leider doch eine Förderung. In vielen Ländern, meistens solchen ohne eigene Automobilindustrie, funktioniert das. Um Ungerechtigkeiten zu vermeiden könnte man jedoch die Prämie staffeln. Da es sich hier um eine freiwillige Leistung des Staates handelt, halte ich eine solche für legitim. Aber leider würde eine Prämie auch ausländische Herstellern zu Gute kommen, will man das? Bei der neuenLadesäulenverordnung hat man ja eine Diskriminierung fremder Formate schon hingekriegt.
4. Und die Alternative?
bapon1 09.02.2016
Leider fehlt im Artikel ein Alternativvorschlag. Sollten also nur reine Elektromobile gefördert werden? Sollten nur Klein- oder Mittelklassewagen gefördert werden? Wenn ja, warum? Zudem: Dass die Autoindustrie auch profitiert, ist doch für sich genommen nichts Böses. Deutschlands Wirtschaft und Wohlstand basiert auf Wachstum und (vertretbaren) Profit. Da hier Argumente fehlen und der Leser nur einem "Boah"-Effekt ausgesetzt wird, reime ich Laie mir jetzt folgendes zusammen: Der Elektormotor verteuert den SUV erstmal. Dies wird durch die Förderung (teilweise?) ausgeglichen. Die Autoindustrie hat also nur etwas davon, wenn sie in den Elektromotor investiert, sodass langfristig auch hier positive Effekte herauskommen. Gleichzeitig kann der SUV-Fahrer auch mal auf Elektro wechseln. Den fetten Spritverbrauch hat er auch ohne Elektro-Aufrüstung.
5. Subventionen sind blinder Polit-Aktionismus
axel_roland 09.02.2016
Der Elektroantrieb ist eine feine Sache. Vielleicht noch nicht allzu alltagstauglich, aber ich bin der festen Überzeugung, dass das kommen wird. In San Francisco gehört der Tesla inzwischen zum normalen Straßenbild, da es dort eben eine echte, gute Alternative ist. Das ist der einzige, weil natürliche Weg einer Verbreitung neuer Technologien am Markt: Es muss eben auch ohne Subvention wirtschaftlich sein. Sonst ist es nur ein Tod auf Raten, wie es z.B. bei der Steinkohleförderung bis zum Exzess betrieben wird - seit wie lange? 80 Jahren?
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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