Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Druck auf Autohersteller: Umweltministerium droht mit Quote für Elektroautos

Von

Parkplatzschild für E-Mobile: "Andere Maßnahmen liefern" Zur Großansicht
DPA

Parkplatzschild für E-Mobile: "Andere Maßnahmen liefern"

Die Kaufprämie für E-Mobile kommt nicht voran. Notfalls will das Umweltministerium die Autohersteller zur Produktion der Batterieautos zwingen - mit einer Quote oder noch rabiateren Methoden.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Drei Stunden dauerte das Treffen. Doch am Ende gab es kein Ergebnis - wieder einmal. Vergangenen Dienstag trafen sich die Spitzen der drei großen deutschen Autokonzerne mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministern Sigmar Gabriel (Wirtschaft), Alexander Dobrindt (Verkehr) und Wolfgang Schäuble (Finanzen), um über die künftige Förderung der Elektromobilität zu sprechen.

Außerdem im Bundeskanzleramt anwesend: ein Gespenst. Merkels Versprechen nämlich, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen. Von diesem Ziel ist Deutschland meilenweit entfernt, auch der Gipfel brachte keinen Fortschritt. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) war der Bremser des Abends. Er blieb bei seiner Ablehnung von Kaufprämien, mit denen der Absatz der E-Autos angekurbelt werden soll.

Die Nachwirkungen des Gipfels, bei dem man sich auf ein nächstes Treffen im März verständigte, sind in Berlin noch immer zu spüren. Frustriert sind alle jene, die auf ein deutliches Signal für den Wandel in der Autobranche gehofft hatten. Allen voran Henning Kagermann, Leiter der Nationalen Plattform Elektromobilität.

Steuervorteile für Diesel abschaffen

Der oberste E-Auto-Lobbyist Kagermann warnt im aktuellen SPIEGEL die Regierung davor, Beschlüsse noch weiter zu verschieben. "Wenn wir im März keine Entscheidung für wirksame Förderanreize bekommen, müssen wir das Ziel kassieren", sagt Kagermann. Er schlägt vor, einen Aufschlag von eineinhalb Cent auf den Liter Benzin oder Diesel zu erheben. Das würde deutsche Autofahrer keine 12 Euro pro Jahr mehr kosten - aber die jährlich für eine Kaufprämie benötigte Summe aufbringen.

Frustriert ist auch das Bundesumweltministerium unter Barbara Hendricks (SPD), die beim Gipfel im Kanzleramt nicht am Tisch saß. Das Ressort wacht über den Klimaschutz, und der Autoverkehr trug im vergangenen Jahr wieder nichts zu den Bemühungen bei, Treibhausgase zu reduzieren. Im Gegenteil: Erst diese Woche musste Hendricks einräumen, dass die Kohlendioxidemissionen des Verkehrs gestiegen sind.

Die Umweltbeamten schäumen angesichts des müden Elektromobilitäts-Gipfels. "Elektroautos sind ein wichtiger Baustein, um die Klimaziele Deutschlands im Jahr 2030 zu erreichen", sagte ein hochrangiger Beamter SPIEGEL ONLINE. "Wenn diese Klimaschutzleistung ausfällt, dann muss Verkehrsminister Dobrindt andere Maßnahmen liefern, damit er seinen Beitrag erfüllt."

Umweltministerium erwägt Quote für E-Mobile

Im Umweltministerium haben Planungen begonnen, für den Fall eines Scheiterns der Kaufprämie andere, rabiatere Methoden für mehr E-Autos einzuführen. Denkbar wäre es, den Herstellern eine verpflichtende Quote von drei Prozent elektrifizierter Neuwagen vorzuschreiben, heißt es aus dem Ministerium. Auch müsse neu darüber nachgedacht werden, die steuerliche Vergünstigung des Diesels abzubauen - und das Geld in die Elektromobilität zu investieren.

Wenn im März keine Beschlüsse zur Elektromobilität fallen, dann würde man im Hendricks-Ministerium auch für erneut strengere CO2-Grenzwerte für die Neuwagen-Flotten in der Europäischen Union plädieren. So sollen die Hersteller gezwungen werden, eher auf Plug-in-Hybride oder eben Elektrofahrzeuge zu setzen. Dies wäre vermutlich - zumindest im Sinne des Umweltschutzes - die effektivste Methode, denn bislang macht ein massiver Ausbau der Elektromobilität auch nur wenig Sinn (lesen Sie hier dazu ein FAQ).

Zumindest ein wenig zuversichtlich ist nach dem Gipfel die deutsche Autoindustrie. Sie sieht Anzeichen für einen Sinneswandel des Finanzministers. Er hatte sich vor dem Gipfel vehement gegen Kaufprämien ausgesprochen. Niemand rechnete also damit, dass er nach einem Abend im Kanzleramt sogleich umschwenken und den Kaufanreizen zustimmen würde. Die Hoffnungen ruhen nun auf einem Vier-Augen-Gespräch, das er mit BMW-Chef Harald Krüger noch für diesen Monat vereinbart hat. Dort wolle er sich erläutern lassen, warum Kaufprämien sinnvoll sind - und wie viel die Industrie bereit ist, zuzuschießen.


Zusammengefasst: Bei der umstrittenen Prämie für Elektroautos ist keine Einigung in Sicht. Das Umweltministerium droht für den Fall, dass es keine Förderung gibt, mit einer E-Auto-Quote für die Hersteller und der Beantragung von nochmals strengeren CO2-Grenzwerten, um die Produktion von Batteriefahrzeugen zu forcieren. Wolfgang Schäuble, der standhafteste Gegner der Prämie, wird derweil von der Industrie umgarnt.

Logo SPIEGEL

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

Den digitalen SPIEGEL finden Sie in den Apps für iPhone/iPad, Android, Windows 8, Windows Phone und als Web-App im Browser.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie im kostenlosen SPIEGEL-Newsletter.

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 484 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schafft doch einfach die 1% Regel für Firmenfahrzeuge.....
Donald Knapp 08.02.2016
....mit Elektroantrieb ab. Mal bisschen kreativ denken.
2. Umweltministerium droht?
unixv 08.02.2016
Ja, das glaube ich gerne, sind ja von der SPDCDU, da können wir leider nicht mit Sachlichkeit, Kenntnissen der Lage oder so rechnen! Die sollten Pofalla zurück holen, der erklärt uns das dann als ERLEDIGT! oder die Nahles oder VdL schnell ins Ministerium holen, dann stimmen die Zahlen! ;-) Ironie OFF!
3. Kampf gegen Windmühlen
ullibulli09 08.02.2016
In diesem Land regiert die Wirtschaft, vor allem die Auto-Wirtschaft. Es ist richtig, was die Umweltministerin fordert, jedoch hat sie leider keine Chance, gegen die geschlossene Lobby-Front der Autobauer. Aus diesem Grund wird Deutschland ja auch den Anschluss an die Weltspitze der E-Auto-Produzenten noch weiter verlieren und am Ende werden nicht alle deutschen Autobauer überleben.
4. Die sollen also wie Sauerbier verkauft werden...
franxinatra 08.02.2016
Weder halte ich die so genannte Energiebilanz für glaubhaft noch bin ich überzeugt, dass dort Faktoren wie Klimaanlage bzw Heizung effektiv eingerechnet sind, und das nicht erst seit dem Softwareskandal...
5.
ir² 08.02.2016
Die Industrie per Quote zwingen Produkte herzustellen, die niemand haben will!! Wir sind endgültig im Öko-Sozialismus angekommen. Weiter so, Deutschland!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)

Aktuelles zu