Abgasskandal Behörde vermutet illegale Abschalteinrichtung im Mercedes Vito

Das Kraftfahrt-Bundesamt prüft eine Anhörung von Vertretern des Autokonzerns Daimler. In einem Mercedes-Kleintransporter könnte eine illegale Abschalteinrichtung arbeiten.

Mercedes Benz Vito auf einer Messe (2015)
imago/ Sebastian Geisler

Mercedes Benz Vito auf einer Messe (2015)


Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) ist durch die Diesel-Abgaswerte des Transporters Vito alarmiert. Die Behörde prüfe, Vertreter des Autoherstellers Daimler zu einer Anhörung zu bestellen, bestätigte ein KBA-Sprecher einen Bericht der "Wirtschaftswoche".

Grund sei der Verdacht einer unzulässigen Abschalteinrichtung bei dem Modell. Das KBA verdächtige den Autohersteller, beim Vito zu wenig von der Harnstofflösung AdBlue einzuspritzen. AdBlue reduziert bei der Abgasreinigung den Gehalt an gesundheitsschädlichen Stickoxiden. Die absichtliche Reduktion des AdBlue-Verbrauchs im realen Straßenbetrieb gehörte zu den Manipulationsmethoden, die bei Volkswagen zum Dieselskandal führten.

Ein Daimler-Sprecher betonte: "Wir befinden uns in technischen Gesprächen mit dem KBA zu einer Anzahl von ca. 1.000 Fahrzeugen Vito Euro 6 aus alter Produktion."

Daimler steht im Abgasskandal unter Druck

Daimler steht im Dieselabgasskandal schon länger unter Druck; die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit Frühjahr 2017 wegen möglichen Abgasbetrugs ebenso wie das US-Justizministerium.

Erst im vergangenen Jahr rief der Konzern europaweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge zurück, um durch ein Software-Update den Schadstoffausstoß zu verringern. Wie auch andere Hersteller hatte sich Daimler mit dem KBA darauf geeinigt, bestimmte Fahrzeuge freiwillig in die Werkstätten zu beordern, um den Ausstoß schädlicher Stickoxide zu reduzieren - darunter war auch der Vito.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Abgastricks wie bei Volkswagen stets zurückgewiesen.

Angesichts wachsender Rechtsrisiken hatte der Konzern die Rückstellungen im vergangenen Jahr um 2,1 auf knapp 14 Milliarden Euro erhöht,wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorging.

mhu/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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Ganzneuhier 14.02.2018
1. Na klar...
Klar macht auch Mercedes das. Aber bevor hier das Bashing auf die deutsche Automobilindustrie wieder los geht: Das Problem ist nicht, dass die deutschen Unternehmen so kriminelle Gauner sind, sondern dass die Regierung ein anderes Ziel hat als die Kunden. Wer in Physik aufgepasst hätte, statt Karten zu spielen wüsste, dass immer mehr Leistung und immer größere Fahrzeuge die Abgasnachbehandlung immer schwieriger macht. Wer einen SUV oder einen PS-starken Flitzer kauft, kann sich danach sein ökologisches Gewissen nur mit einer Lüge beruhigen.
DerBlicker 14.02.2018
2. kein Problem
Dann wird halt eine Software aufgespielt, die mehr Harnstoff einspritzt und das Problem ist gelöst. Hat Mercedes bei der V-Klasse auch schon gemacht, die hält jetzt auch die RDE Werte ein, obwohl die bereits verkauften Modelle das gar nicht mussten.
tatsache2011 14.02.2018
3. Textumstellung
Zitat von GanzneuhierKlar macht auch Mercedes das. Aber bevor hier das Bashing auf die deutsche Automobilindustrie wieder los geht: Das Problem ist nicht, dass die deutschen Unternehmen so kriminelle Gauner sind, sondern dass die Regierung ein anderes Ziel hat als die Kunden. Wer in Physik aufgepasst hätte, statt Karten zu spielen wüsste, dass immer mehr Leistung und immer größere Fahrzeuge die Abgasnachbehandlung immer schwieriger macht. Wer einen SUV oder einen PS-starken Flitzer kauft, kann sich danach sein ökologisches Gewissen nur mit einer Lüge beruhigen.
"Wer in Physik aufgepasst hätte, statt Karten zu spielen wüsste, dass immer mehr Leistung und immer größere Fahrzeuge die Abgasnachbehandlung immer schwieriger macht.", denn damit ist "klar, macht auch Mercedes das." - weniger Adblue. Sie meinen, der Kunde ist Schuld oder die Regierung und hat Mercedes zur Lüge gezwungen.
ManfredKretschmer 14.02.2018
4. Andersherum
wird ein Schuh draus. Nicht die Regierung hat ein anderes Ziel als die Kunden, sondern die Menschen, die Natur, die Umwelt haben ein anderes Ziel als die geldgeilen Manager. Die Grenzwerte sind (fast komplett) international , zumindest europäisch, vorgegeben. Wenn die Autombil-Wirtschaft dennoch an gewisse Instinkte der "Kundschaft" geht und und größere und mächtigere Protzkarrern auflegt, als sie mit den gegebenen Grenzwerten handeln können, dann ist was falsch. Geldgeilheit geht über das Interesse an der Umwelt. Schönen verdieselten Abend wünsche ich noch.
Amanare 14.02.2018
5. Renault
Die Diesel kommen doch teilweise von Renault, wäre interessant ob (endlich) auch mal andere ins Rampenlicht geraten würden. Es ist doch nicht realistisch, dass nur deutsche Hersteller schummeln.
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