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20. Februar 2013, 12:13 Uhr

Autogramm Kia Optima Hybrid

Jetzt kommt die Gleit-Zeit

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Flottes Design, gute Qualität und sieben Jahre Garantie auch auf den Akku, so propagiert der koreanische Hersteller Kia die Hybridtechnik in der Mittelklasse. Der neue Optima Hybrid fährt sich zudem sehr, sehr angenehm - und belohnt sparsame Piloten mit Blumen.

Der erste Eindruck: Das Auto dudelt. Und zwar eine Melodie, die klingt wie mit einer Bontempi-Orgel eingespielt. Die Musik zeigt an, dass der Kia Optima den Schlüssel erkannt hat und startbereit ist. Ein Motor ist nicht zu hören, auch nicht, wenn man aufs Pedal tritt und sich der Wagen in Bewegung setzt. Denn: Der Kia Optima ist das erste Hybridauto aus Korea.

Das sagt der Hersteller: Kia sieht den Optima Hybrid vor allem als Technologie- und Image-Träger, der neue Kundenkreise auf die Marke aufmerksam machen soll. Die Mittelklasse-Limousine ist das erste Hybrid-Modell des Hyundai-Kia-Konzerns, das in Europa angeboten wird. Und vor allem eines der ersten dieses Typs in einem Segment, in dem die deutschen Volumenhersteller noch nichts Entsprechendes zu bieten haben. Die Absatzplanung ist dennoch zurückhaltend. Rund 250 Zulassungen pro Jahr sind hierzulande eingeplant.

Das ist uns aufgefallen: Still surrt der Kia durch die Stadt. Man fühlt sich wie in einem U-Boot auf Tauchfahrt und macht den Gasfuß unbewusst immer leichter. Denn nur, wenn man wirklich sanft aufs Pedal tritt, fährt das Auto rein elektrisch. Das gelingt im besten Fall über eine Strecke von einem Kilometer und theoretisch bis zu einem Tempo von 100 km/h, doch in der Praxis ist spätestens bei 80 Sachen Schluss.

Tritt man etwas fester zu, erwacht der Benziner und durchbricht die Stille an Bord. Dann fährt der Optima mal mit und mal ohne elektrische Hilfe, gewinnt beim Bremsen Energie zurück, die in den Akku gespeist wird und bleibt dabei insgesamt so unauffällig, dass nur noch die bunten Anzeigen im Cockpit an den Hybridantrieb erinnern. So reibungslos, wie das Zusammenspiel der beiden Motoren klappt, ginge der Wagen auch als reiner Benziner durch.

Auch das sogenannte Boosten, wenn beide Motoren den Wagen mit vereinter Kraft beschleunigen, klappt prima. Beim Ampelspurt jedenfalls quietschen sogar die Reifen, in 9,4 Sekunden ist man auf Tempo 100 und das Überholen auf der Landstraße wird zu einer leichten Übung. Gleichzeitig haben die Koreaner eher unfreiwillig eine Bremse eingebaut, die den Fahrer zu einem sparsamen Stil zwingt: die sechsstufige Automatik.

Im normalen Betrieb arbeitet das Räderwerk komfortabel und völlig unauffällig, doch beim Kickdown bleibt es so lange im niedrigen Gang, bis der Drehzahlmesser fast am Anschlag ist und die Nerven blank liegen. Es orgelt derart, dass man den Fuß freiwillig vom Gas nimmt.

Das muss man wissen: Der seit Anfang des Jahres lieferbare Optima Hybrid ist eine Weiterentwicklung des US-Modells, das für den Einsatz in Europa abgespeckt wurde. Statt 2,4 Liter Hubraum hat der Benzinmotor nur noch zwei Liter, die Leistung beträgt 150 PS. Gekoppelt ist er mit einer 40 PS starken Elektromaschine, die ins sechsstufige Automatikgetriebe integriert ist. Insgesamt stehen also eine Systemleistung von 190 PS, ein maximales Drehmoment von 340 Nm und ein Spitzentempo von 194 km/h im Datenblatt.

Den Verbrauch geben die Koreaner mit 5,4 Litern an; demnächst jedoch soll der Wagen nochmals überarbeitet werden und der Durchschnittswert danach bei 5,1 Liter liegen. Das ist allerdings graue oder in diesem Fall eher grüne Theorie: Selbst bei betont sparsamer Fahrweise lag unser Alltagsverbrauch nie unter sechs Litern. Wer den Wagen fährt wie jeden anderen, kann locker noch einen halben Liter draufschlagen.

Konzipiert ist der Optima ähnlich wie der VW Jetta Hybrid als sogenannter Parallel-Hybrid, weil Benziner und Stromer nicht leistungsverzweigt arbeiten, sondern auf dem gleichen Antriebsstrang sitzen. Einen Sonderweg gehen die Koreaner bei den Akkus. Statt wie Toyota auf Nickel-Metall-Hydrid- oder wie VW auf Lithium-Ionen-Technik setzen sie auf einen Lithium-Polymer-Akku aus der Kooperation mit LG Chem.

Dieser Energiespeicher ist um 20 Prozent leichter und 40 Prozent kleiner als ein Nickel-Metall-Hybdrid-Akku, hält die Ladung länger, gibt sie schneller wieder ab, entwickelt weniger Wärme als eine Lithium-Ionen-Zelle und ist länger haltbar. Und so gewährt Kia auf den Akku wie auf das Auto sieben Jahre Garantie. Platziert ist der Akku allerdings hinter der Rückbank, was das Kofferraumvolumen auf 381 Liter schrumpfen lässt.

Weil Kia erst neu ins Hybridgeschäft einsteigt und die Stückzahlen noch gering sind, ist der Optima Hybrid sicher kein billiges Auto. Denn mit einem Preis von 29.990 Euro kostet das ordentlich ausgestattete Basismodell (Tempomat, elektrische Sitze und Smart-Key-System zum Beispiel sind Serie) 5000 Euro mehr als der vergleichbare Benziner mit 165 PS und einem Normverbrauch von 7,0 Liter. Und gegen die Dieselvariante (26.990 Euro, 136 PS, 5,1 Liter) hat der Hybrid erst recht keine Chance. Man muss verdammt viel Fahren und gegen Diesel allergisch sein, damit sich das Hybridauto rentiert - oder eben Öko-Idealist und Technik-Freak.

Das werden wir nicht vergessen: Die Blumen, die einem der Optima bildlich überreicht. Wer den Wagen besonders sparsam bewegt, wird in einem Untermenü des Bordcomputers mit einem digitalen Sträußchen belohnt. Das klingt albern, aber es spornt an: Immer wieder zählt man die Blüten, lupft den Gasfuß und triumphiert, wenn wieder eine Knospe aufspringt.

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