Kia Sportage im Test Sauber gemacht

Kein Kia verkauft sich so gut wie der Sportage. Zuletzt fragten die Kunden vor allem Benzinmotoren nach - dabei verdient der Hersteller am Diesel mehr. Nun bekommt das SUV ein Facelift.

Kia

Der erste Eindruck: Schürzenjäger. Es sind vor allem die Verkleidungen an Front und Heck, die beim Facelift den Unterschied zum Vorgänger ausmachen sollen. Neue Farben und Felgen gibt es natürlich auch.

Das sagt der Hersteller: Der Sportage ist das beste Pferd im Stall von Steffen Cost. Trotzdem leidet der Deutschlandchef von Kia derzeit. Denn die Dieselquote bei dieser erfolgreichen Baureihe ist von 55 Prozent im vergangenen Jahr auf 24 Prozent in diesem Jahr gesunken. Der Selbstzünder bringt nicht nur mehr Geld in die Kasse, sondern hilft dem Hersteller auch beim Erreichen der EU-Ziele für den Flottenverbrauch.

Deshalb freut sich Cost auch am meisten über die neuen Diesel, die mit SCR-Katalysator und Harnstoffeinspritzung sauberer gemacht wurden. Sie erfüllen alle Normen und sind von Fahrverboten ausgenommen: "Jetzt gibt es keinen Grund mehr, keinen Diesel zu kaufen", sagt Pressesprecherin Susanne Mickan. Kia hofft künftig wieder auf eine Quote von mindestens 40 Prozent. "Gemeinsam mit unserer Schwestermarke Hyundai sind wir die ersten, die bei unseren Dieseln diesseits der Luxusklasse einen Mildhybriden mit 48-Volt-Startergenerator anbieten." Mildhybride unterstützen den Verbrennungsmotor mit zusätzlicher Kraft - beispielsweise beim Anfahren oder Beschleunigen, das Auto kann aber zu keiner Zeit mit dem E-Motor allein fahren.

Das ist uns aufgefallen: Der elektrische Startergenerator, auf den Kia so stolz ist, wird vom Fahrer nicht wahrgenommen. Denn der Zweiliter-Diesel, den die Koreaner als erstes mit dem Mildhybrid-System kombinieren, hat mit seinen 185 PS und 400 Nm schon von Haus aus so viel Punch, dass die 15 PS und 55 Nm der E-Maschine nicht wirklich ins Gewicht fallen.

Der über einen Riemen angebundene und von einem 48-Volt-Netz aus einem Lithium-Ionen-Akku im Kofferraum gespeiste Elektromotor schafft es aber, den Verbrenner sehr viel komfortabler zu starten als ein normaler Anlasser. Während der Fahrt kann der Diesel öfter abschalten. Solange der Akku voll ist, schickt Kia den Selbstzünder deshalb bei weniger als 30 km/h und leichtem Gasfuß in die Pause, der Wagen rollt. Weil der E-Motor beim Bremsen auch noch Energie zurückgewinnen kann und es nun für diese Spitzenmotorisierung obendrein noch eine Achtgang-Automatik gibt, summiert sich der Verbrauchsvorteil am Ende auf zehn Prozent, argumentieren die Entwickler. Den Normverbrauch gibt Kia mit 5,7 Litern an.

Werfen Sie einen Blick in den Innenraum des Kia Sportage:

Im besten Sinne unauffällig ist auch der Rest des Sportage. Das Ambiente vornehm, die Platzverhältnisse ausreichend und die Liste der Assistenten künftig noch länger. Erstmals bremst die Abstandsregelung, die zwischen 0 und 160 km/h arbeitet, das SUV notfalls auch bis zum Stillstand ein, um einen Unfall zu vermeiden. Damit schließt der Wagen auf zu Autos wie dem VW Tiguan oder dem Seat Ateca. Nur bei der Variabilität kann der Kia nicht mit dem VW mithalten, weil ihm die verschiebbare Rückbank fehlt.

Dafür haben die Koreaner endlich die nach hinten eher unübersichtliche Karosserie entschärft, indem sie außen ein paar Kameras installiert haben, die die Umgebung scannen und eine Panorama-Darstellung auf dem großen Touchscreen ermöglichen.

Das muss man wissen: Der überarbeitete Sportage wird zu Preisen ab 22.490 Euro ab September ausgeliefert. Neben dem Mildhybrid-Diesel gibt es noch einen zweiten Selbstzünder, der komplett neu ist. Er hat 1,6 Liter Hubraum und wird mit 115 oder 136 PS angeboten; die schwächere Variante nur mit Front-, die stärkere gegen Aufpreis auch mit Allradantrieb. Beim Zweiliter-Diesel ist er Serie. Noch muss der kleine Ölbrenner ohne 48-Volt-Generator auskommen, wird aber im nächsten Frühjahr ebenfalls umgerüstet. Dann dürfte der Verbrauch von aktuell bestenfalls 4,8 Litern noch ein wenig weiter sinken.

So sehr Kia beim Sportage auf den Diesel setzt - ganz geht's natürlich nicht ohne Benziner. Deshalb haben die Koreaner auch weiterhin einen 1,6-Liter mit 132 oder 177 PS und Front- oder Allradantrieb im Programm, der nun mit Partikelfilter bestückt ist. So erfüllt er die dann gültige Abgasnorm.

Das werden wir nicht vergessen: Das durchgehende Leuchtenband am Heck, das auch am Audi Q8 zum Einsatz kommt. Vielleicht ist das ja eine Reminiszenz des Kia-Designchefs Peter Schreyer an seinen alten Arbeitgeber Audi.

Fahrzeugschein
Hersteller: Kia
Typ: Sportage 2.0
Karosserie: SUV
Motor: Vierzylinder-Common-Rail-Diesel
Getriebe: Achtgang-Automatik
Hubraum: 1.995 ccm
Leistung: 185 PS (136 kW)
Drehmoment: 400 Nm
Höchstgeschw.: 201 km/h
Verbrauch (ECE): 5,7 Liter
CO2-Ausstoß: 149 g/km
Kraftstoff: Diesel
Kofferraum: 439 Liter
umgebaut: 1.428 Liter
Maße: 4485 / 1855/ 1645
Preis: 40.490 EUR


insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
mariuscaesar 20.08.2018
1.
185PS und dann nur 201 Spitze. Muss ja selbst für SUV Verhältnisse eine riesige Stirnfläche haben.
Nubari 20.08.2018
2. Das durchgehende Leuchtenband am Heck
ist weniger eine Remineszenz an Audi, sondern eher ein Gruß an Audi aus Korea. Schließlich ist Peter Schreyer bereits seit 12 Jahren bei Kia Motors tätig, das Leuchtenband an den neuen Audi-Modellen ist eine Idee von Marc Lichte, seinem Nach-Nachfolger in Ingolstadt.
AGCH 20.08.2018
3.
Durch Ersetzen der Verbrenner durch E-Autos wir sich an der von Ihnen unerwünschten, derzeitigen Situation aber nichts ändern. Da müssen schon andere Verkehrskonzepte her, die den Indiviualverkehr reduzieren/einschräken. Das scheinen aber selbst Sie nicht zu wünschen, wollen Sie doch im privaten Auto von A nach B gelangen.
kloppskalli 20.08.2018
4. urgh..
Die Platzverhältnisse im Sportage entsprechen dem Durchschnitt".. was ist denn Durchschnitt? nicht mal ein einziges Foto, welches etwas ueber Variablitaet und Familientauglichkeit aussagt, ganz zu schweigen vom 'U' fuer Utility (Nutzen) in SUV .. Die Karre bietet auf 4,49m kaum mehr Platz als ein VW Polo. Dafuer zahl ich doch keine 40 tsd EUR - electro hin oder her..
RalfBukowski 20.08.2018
5. "...dabei verdient der Hersteller am Diesel mehr."
Woher weiß der Autor das?
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