Klangteppich fürs Auto: Der akustische Aufschneider

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Kleinere Motoren sind ökologisch korrekt, das so genannte Downsizing hat aber auch Nachteile: Mit dem Trend zu weniger Hubraum sterben Acht- oder Zehnzylindermotoren aus - und damit ein legendärer Sound. Ein schwedischer Tüftler will zumindest die voluminösen Klänge retten.

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Soundracer: Klangtuning per Zigarettenanzünder
Kleinwagen sind ökologisch und ökonomisch sinnvoll, doch manche Autofahrer sind vom Nähmaschinen-Sound der kleinvolumigen Motoren genervt. So zumindest geht es von Kenneth Palmestål. Weil es dem Schweden zugleich sehr gut gefällt, wenn er einen V8-Motor blubbern hört oder ein Zehnzylinder-Aggregat auf Drehzahl gebracht wird, hat der Hobbyrennfahrer und Computerexperte ein neues Autozubehör entwickelt: den Soundracer. Das Ding ist eine Art elektronische Hubraumprothese für akustische Aufschneider und kaum größer als ein Ladegerät fürs Mobiltelefon. Im Auto angebracht, moduliert es den Motorklang derart, dass zumindest innerhalb des Wagens der Eindruck entsteht, im Motorraum befände sich ein Acht- oder Zehnzylinder - im Kasten in der linken Spalte gibt es einige Hörproben.

Der über den Zigarettenanzünder angeschlossene Soundracer kontrolliert ohne weitere Verkabelung und ohne aufwendige Installation mit einem speziellen Computerchip das Drehzahl-Niveau des Motors und sendet über eine freie UKW-Frequenz den jeweils passenden Soundtrack ans Radio. Schon geht das spezielle Programm auf Sendung: Im Leerlauf blubbert es aus den Boxen, als führe man einen alten Ford Mustang, und sobald man aufs Gas tritt, dröhnt es sonor aus der Musikanlage. Das Gute an der leicht infantilen Geräuschtäuschung: Sie lässt sich jederzeit wieder abstellen.

Oder aber der Soundracer wird als Adapter für einen MP3-Spieler genutzt und überträgt dann, wie andere FM-Transmitter auch, die Musik auf die Auto-Soundanlage. Was simpel klingt, war aber nicht ganz einfach zu entwickeln, sagt Palmestål. "Daran haben mehrere Soundingenieure und Softwareentwickler ein paar Monate lang gearbeitet, ehe wir mit dem Ergebnis zufrieden waren." Und dann brauchte es auch noch eine nette Verpackung: Deshalb steckt die Elektronik nun in eine schwarze Hülle aus Karbon-Imitat und wird, in eine schwarz-weißen Zielflagge eingewickelt, vertrieben.

In ein paar Sekunden ist der Soundracer installiert und startklar

Die Bedienung des Soundracers ist unkompliziert. Man steckt das Gerät in den Zigarettenanzünder, stellt sowohl im Radio als auch auf dem Mini-Display des Sound-Zäpfchens eine freie Frequenz ein und eicht die Elektronik mit ein paar gezielten Gasstößen. Drei bis fünf Sekunden genügen, dann sind der echte Vier- und der virtuelle Vielzylinder synchronisiert. Und schon klingt selbst ein Ford Fiesta wie ein Ferrari und ein Mazda 2 wie ein Maserati Quattroporte.

Manchmal klingt der Soundracer eher nach Rasierapparat als nach Motor. Doch erstens kosten das V8- oder V10-Modell jeweils lediglich 30 Euro. Und zweitens lasse sich eine Wirkung sogar populärwissenschaftlich belegen. Als Beweis wird eine Studie der englischen Versicherung Hiscox angeführt, bei der je 40 Männern und Frauen der Motorklang verschiedener Sportwagen vorgespielte wurde. Anschließend wurde per Speichelprobe deren Testosteronspiegel bestimmt. Resultat: Während 100 Prozent der Frauen positiv auf den Sound eines Maserati reagierten, schütteten die Männer ihre Hormone vor allem während der Hörprobe eines Lamborghini aus.

Bei beiden Gruppen jedoch ging der Testosteronspiegel zurück, als plötzlich ein VW Polo durch die Kopfhörer tuckerte. Fazit der Studie und bestes Argument für das neue Schwedenspielzeug: Sound macht sexy!

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 7 Beiträge
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1. Fakes
skylark2001 02.02.2010
Zitat von sysopKleinere Motoren sind ökologisch korrekt, das so genannte Downsizing hat aber auch Nachteile: Mit dem Trend zu weniger Hubraum sterben Acht- oder Zehnzylindermotoren aus - und damit ein legendärer Sound. Ein schwedischer Tüftler will zumindest die voluminösen Klänge retten. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,673513,00.html
Mit Verlaub: entweder habe ich einen Motor mit entsprechendem Klang, oder ich habe ihn nicht. In letzerem Fall zöge ich die fast völlige Geräuschlosigkeit vor, die ein Elektromotor bietet. Die 3Zyl Tröte eines Smart mag ich mir nicht antun.
2. warum nicht...?
andy69 02.02.2010
... ist doch endlich mal ein pragmatischer Ansatz, die Belange von Autofans mit ökologischen Notwendigkeiten zu vereinbaren. Solange der kleinere und sparsamere Motor Fahrleistungen bietet, die in etwa zu dem (künstlichen) Sound passen, ist das doch okay...!? Um Soundboxen kommen wir mit Einführung von Elektroautos eh nicht herum, der Sicherheit wegen. Wer mit Hör- oder Sehbehinderung kann sonst einem herannahenden Wagen rechtzeitig erkennen?
3. Wie Sex mit einer Gummipuppe
Andreas Kah 02.02.2010
Die Hörprobe zeigt, dass die Technik des Sound Racers funktioniert und überraschend echt klingt. Doch wer wie ich das Bollern echter US Muscle Cars kennt und sich dazu noch fürs Design eines Ford Mustang, Dodge Challenger oder Plymouth Road Runner begeistern kann, für den wäre das falsche Getöse in der Familienkutsche Opel Corsa Folter und Strafe. Denn der Sound wäre ein steter Hinweis darauf, was man gerade verpasst. Das wäre wie Sex mit einer Gummipuppe, die in etwa so aussieht wie die Traumfrau. Eine Attrappe für all jene, die eben nicht die Eier in der Hose haben und zum Original greifen. Also lieber verzichten und träumen als dieses Fake für alle - nennen wirs beim Namen - Loser.
4. einen Titel für den Beitrag
Gungan, 02.02.2010
Ich bekomme jeden Tag mails mit Angeboten für eine Penisvergrößerung. Wenn es das Ding noch on top gäbe...
5. Der beste Sound..
a.weishaupt 02.02.2010
..ist Stille bzw. nur das Rauschen der Reifen. Ich fahre einen V8 und weiß nicht, was an (bei meinem Wagen zum Glück gut gedämpften) Motorlärm toll sein soll.
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