Nissan E-NV 200: Wenn der Postmann leise surrt

Von Jürgen Pander

Nissan E-NV 200: Paketdienst in grün Fotos
NIssan

Nach neunmonatiger Testphase stellt Nissan jetzt auf der IAA Nutzfahrzeuge einen Elektrolieferwagen vor. Die Serienproduktion soll Anfang 2013 starten. Die Japaner feiern das Modell als Durchbruch bei den Stadtlieferwagen - es hatte immerhin im Alltag beim Paketbringer FedEx bestanden.

Ganz gleich wie man im Detail zur Elektromobilität steht - unter den aktuellen Voraussetzungen der Batterietechnik ist ein Fahrzeug mit E-Motor nur für den Kurzstreckenbetrieb geeignet. Daher ist es konsequent, dass Nissan die zweite Elektroauto-Baureihe nach dem Kompaktwagen Leaf als Stadtlieferwagen auf Basis des Großraummodells NV 200 konzipiert hat.

Im urbanen Umfeld, wo auf der Straße ständig beschleunigt und verzögert wird, wo die Geschwindigkeit kaum 60 km/h übersteigt und wo es darüber hinaus ausreichend Möglichkeiten zum Stromtanken gibt, können die lokal emissionsfreien Fahrzeuge ihre Stärken ausspielen. Zu denen gehören der aus dem Stand flotte Antritt sowie die Energierückgewinnung beim Bremsen.

Die auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover jetzt erstmals vorgestellte Serienversion des Nissan E-NV 200 verfügt über den Antriebsstrang des Kompaktwagens Leaf und damit über eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 24 Kilowattstunden und eine E-Maschine mit einer Leistung von 109 PS. Bei der Reichweite des Lieferwagens halten sich die Japaner noch bedeckt; für den Leaf werden offiziell 175 Kilometer angegeben.

Der lautlose Bote

So viel wird der E-NV 200 keinesfalls schaffen, schließlich wird das Auto vollgepackt mit Paketen und Päckchen unterwegs sein. Wenn die Energie in den Akkus zur Neige geht, muss der Wagen für sechs bis acht Stunden an eine Steckdose. Für das rasche Stromtanken zwischendurch gibt es eine Schnelllademöglichkeit, bei der die Batterie binnen 30 Minuten zu 80 Prozent geladen wird.

In den Autos, die ab Anfang 2013 im Nissan-Werk in Barcelona gebaut werden, steckt das Know-how aus der Prototyp-Testphase diverser E-NV-200-Modelle beim Paketzusteller FedEx in London und im japanischen Yokohama. Das Unternehmen will seine Elektrolieferwagenflotte weiter ausbauen und die Autos künftig auch in den USA, in Brasilien und in Singapur einsetzen.

In Deutschland plant FedEx zunächst noch keinen E-Auto-Einsatz. Konkurrent UPS ist hierzulande derzeit mit sieben Elektrozustellfahrzeugen unterwegs, sechs davon stammen allerdings vom inzwischen insolventen britischen Hersteller Modec. Bis Jahresende sollen insgesamt sechs der braunen, mit der charakteristischen Buckel-Motorhaube versehenen UPS-Lieferwagen auf Elektroantrieb umgerüstet werden.

Bei der Deutschen Post sind derzeit rund 130 Elektrofahrzeuge unterschiedlicher Größe und von diversen Herstellern im Einsatz. Zudem hat das Logistikunternehmen soeben die Entwicklung eines Prototyps für ein Zustellauto mit Elektroantrieb abgeschlossen. Das Fahrzeug wurde gemeinsam mit der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und der dortigen Firma Street-Scooter konzipiert. Ob daraus eine Serienfertigung entsteht, ist noch offen.

jüp

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1. Geschichte wiederholt sich ja immer...
seikor 28.09.2012
Schon Ende der 90er fuhren in Frankreich elektrische Postautos herum: http://elweb.info/dokuwiki/doku.php?id=citroen_berlingo ... und wird dann als bahnbrechende Neuigkeit verkauft.
2. E-Lieferautos
josef.unterwerner 28.09.2012
Sehr gut, endlich scheint's in einem wichtigen Bereich voranzugehen, dort wo eMobile ideal eingesetzt werden können. Renault baute schon vor Jahren eLieferautos auf Basis des damaligen Renault Rapid. Die fahren heute noch fast wartungsfrei. Gerade Logistik- und Serviceunternehmen können gut umsteigen auf eMobilität.
3. SI-Einheiten
haichen 28.09.2012
"..mit einer Kapazität von 24 Kilowattstunden und eine E-Maschine mit einer Leistung von 109 PS." Hätte man hier statt PS 80 kW angegeben, könnte man viel einfacher vergleichen und rechnen. Bei Vollast wäre die Batterie zB nach 18 min leer.
4. Aber...
austin mini 28.09.2012
...wei kann man einen Lieferwagen für den Stadtverkehr bauen, bei dem man vom Fahrersitz aus nicht sehen kann, wo das Ding vorn endet? Macht ja nicht nur Nissan so, ist deswegen aber nicht weniger unbegreiflich...
5. Wer fährt so lange Volllast?
Skarrin 28.09.2012
Zitat von haichen"..mit einer Kapazität von 24 Kilowattstunden und eine E-Maschine mit einer Leistung von 109 PS." Hätte man hier statt PS 80 kW angegeben, könnte man viel einfacher vergleichen und rechnen. Bei Vollast wäre die Batterie zB nach 18 min leer.
Vorausgesetzt, der E-NV wird bei 120 abgeregelt und bräuchte tatsächlich "Volllast" um dieses Tempo zu fahren, käme er immer noch 36km weit. Tatsächlich dürften aber selbst bei diesem Lieferwagen dafür 30kW ausreichen, genauer kann man das erst berechnen wenn man die Frontfläche kennt. Mein weniger aerodynamischer Renault Express electrique mit DC-Motor benötigte etwa 10kW, um 75km/h in der Ebene zu halten. OT: Ein NV200-Diesel verbraucht bei gleicher Strecke und Fahrweise exakt dasselbe wie ein nagelneuer BMW 520d Kombi mit Automatik im Öko-Sparmodus, nämlich 5,2l/100km. Wenn ich das nicht selber vor kurzem er-fahren hätte, würde ich auch noch an dieses "efficient dynamics" - Marketingmärchen glauben...
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