Ganz gleich wie man im Detail zur Elektromobilität steht - unter den aktuellen Voraussetzungen der Batterietechnik ist ein Fahrzeug mit E-Motor nur für den Kurzstreckenbetrieb geeignet. Daher ist es konsequent, dass Nissan die zweite Elektroauto-Baureihe nach dem Kompaktwagen Leaf als Stadtlieferwagen auf Basis des Großraummodells NV 200 konzipiert hat.
Im urbanen Umfeld, wo auf der Straße ständig beschleunigt und verzögert wird, wo die Geschwindigkeit kaum 60 km/h übersteigt und wo es darüber hinaus ausreichend Möglichkeiten zum Stromtanken gibt, können die lokal emissionsfreien Fahrzeuge ihre Stärken ausspielen. Zu denen gehören der aus dem Stand flotte Antritt sowie die Energierückgewinnung beim Bremsen.
Die auf der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover jetzt erstmals vorgestellte Serienversion des Nissan E-NV 200 verfügt über den Antriebsstrang des Kompaktwagens Leaf und damit über eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 24 Kilowattstunden und eine E-Maschine mit einer Leistung von 109 PS. Bei der Reichweite des Lieferwagens halten sich die Japaner noch bedeckt; für den Leaf werden offiziell 175 Kilometer angegeben.
Der lautlose Bote
So viel wird der E-NV 200 keinesfalls schaffen, schließlich wird das Auto vollgepackt mit Paketen und Päckchen unterwegs sein. Wenn die Energie in den Akkus zur Neige geht, muss der Wagen für sechs bis acht Stunden an eine Steckdose. Für das rasche Stromtanken zwischendurch gibt es eine Schnelllademöglichkeit, bei der die Batterie binnen 30 Minuten zu 80 Prozent geladen wird.
In den Autos, die ab Anfang 2013 im Nissan-Werk in Barcelona gebaut werden, steckt das Know-how aus der Prototyp-Testphase diverser E-NV-200-Modelle beim Paketzusteller FedEx in London und im japanischen Yokohama. Das Unternehmen will seine Elektrolieferwagenflotte weiter ausbauen und die Autos künftig auch in den USA, in Brasilien und in Singapur einsetzen.
In Deutschland plant FedEx zunächst noch keinen E-Auto-Einsatz. Konkurrent UPS ist hierzulande derzeit mit sieben Elektrozustellfahrzeugen unterwegs, sechs davon stammen allerdings vom inzwischen insolventen britischen Hersteller Modec. Bis Jahresende sollen insgesamt sechs der braunen, mit der charakteristischen Buckel-Motorhaube versehenen UPS-Lieferwagen auf Elektroantrieb umgerüstet werden.
Bei der Deutschen Post sind derzeit rund 130 Elektrofahrzeuge unterschiedlicher Größe und von diversen Herstellern im Einsatz. Zudem hat das Logistikunternehmen soeben die Entwicklung eines Prototyps für ein Zustellauto mit Elektroantrieb abgeschlossen. Das Fahrzeug wurde gemeinsam mit der Rheinisch Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und der dortigen Firma Street-Scooter konzipiert. Ob daraus eine Serienfertigung entsteht, ist noch offen.
jüp
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