Klimaschutz Greenpeace will Tempolimit-Schilder aufstellen

Deutsche Autobahnen erhalten bald Tempolimits. Allerdings nicht offiziell, sondern von Greenpeace. Deren Aktivisten wollen eigenhändig Tempo-120-Schilder an Autobahnen montieren – um damit auf Klimaschädigung durch Raser hinzuweisen.


Hamburg - Weltweit sind deutsche Autobahnen berühmt für ihre Abschnitte ohne Geschwindigkeitsbeschränkung – sehr zum Unmut von Klimaschützern. Gegen dieses Raserparadies will nun Greenpeace mit einer Aufsehen erregenden Aktion vorgehen: Die Umweltschützer wollen selber Schilder aufbauen, die ein Limit von 120 km/h vorschreiben.

Montage eines Tempo-120-Schildes: In den kommenden Wochen will Greenpeace eigene Tempolimits einführen
DPA

Montage eines Tempo-120-Schildes: In den kommenden Wochen will Greenpeace eigene Tempolimits einführen

Wie die Umweltschutzorganisation heute in Hamburg ankündigte, werden Aktivisten in den kommenden Wochen versuchen, an sämtlichen Streckenabschnitten ohne Geschwindigkeitsbegrenzung Schilder aufzustellen, die ein Tempomaximum von 120 km/h vorschreiben. Insgesamt wäre das eine Strecke von etwa 6000 Kilometern. Die Schilder sollen an Aufschriften wie "Klimaschutz" oder "Greenpeace" zu erkennen sein. Ein deutschlandweites Tempolimit, wie es im Ausland üblich ist, lehnt Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) bislang ab.

"Während sich die Experten des Weltklimarates den Kopf über Maßnahmen gegen den Klimawandel zerbrechen, leistet sich Deutschland als einziges Industrieland der Welt weiterhin unbeschränkte und CO2-treibende Raserei", sagte Wolfgang Lohbeck, Verkehrsexperte von Greenpeace. Es sei ein ungeheurer Zynismus, dass Minister Tiefensee ein Tempolimit blockiere. "Er verantwortet damit Jahr für Jahr Hunderte von zusätzlichen Verkehrstoten, Tausende von Verletzten und mehrere Millionen Tonnen Treibhausgase. Da die zuständigen Politiker bisher immer nur reden, wird Greenpeace jetzt handeln!"

Laut Greenpeace würde ein Tempolimit eine unmittelbare Verringerung des CO2-Ausstoßes um etwa neun Prozent auf deutschen Straßen mit sich bringen. Greenpeace setzt sich dafür ein, dass Hersteller Autos auf den Markt bringen, die weniger Sprit verbrauchen – wenn keine hohen Geschwindigkeiten mehr erlaubt seien, steige auch der Anreiz bei den Herstellern, weniger auf umweltschädigende Autos zu setzen, hieß es bei der Umweltorganisation.

sto/dpa



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