"Knight Rider"-Revival: "Ich brauch' Verstärkung, K.I.T.T."

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K.I.T.T. kämpft wieder gegen das Unrecht. Dank NBC-Neuauflage geht der sprechende Wunderwagen ab sofort in Gestalt eines Ford Mustang Shelby GT500KR auf die Piste. SPIEGEL ONLINE zeigt das neue "Knight Rider"-Auto und verrät, warum K.I.T.T. schon immer cooler war als sein Fahrer.

Mal ehrlich: Wer hat ihre Jugend mehr geprägt? Das sprechende Wunderauto K.I.T.T. oder sein Fahrer Michael Knight? Zur Erinnerung: K.I.T.T. hatte den "Turbo Boost", mit dem er gepardenschnell beschleunigte und Hindernisse übersprang. Michael Knight, gespielt von dem damals noch angesagten David Hasselhoff, hatte unglaublich viele Haare auf der Brust. Und eine Digitaluhr am Arm, in die er in brenzligen Situationen zu flüstern pflegte: "Ich brauch' Verstärkung, K.I.T.T."

Ohne K.I.T.T. war Michael Knight nichts. Aber K.I.T.T. war ohne Michael sehr wohl wer. Als "Da Hoff" seine schwarze Lederjacke gegen eine rote Badebüx tauschte und sich als Rettungsschwimmer Mitch Buchannon mit Carmen Electra und Pamela Anderson selig in die gefährlichen Fluten Malibus stürzte, war K.I.T.T. noch immer Kult. Vielleicht hieß es deshalb seinerzeit im deutschen Intro der Serie: "Ein Auto. Ein Computer. Ein Mann." In dieser Reihenfolge.

Das wird so bleiben. Auch im neuen "Knight Rider"-Fernsehfilm, mit dem der Sender NBC am 17. Februar alte Mythen heraufbeschwört, steht K.I.T.T. im Mittelpunkt. Nur ist der Knight Industries Three Thousand nicht länger als Pontiac Trans Am, sondern ab sofort als schwarzer Shelby GT500KR Mustang mit grauen Streifen unterwegs. Den Star der Show stellt ab jetzt die Firma Ford - und die bleibt zunächst im fiktiven Fernsehland ihrer Maxime treu und tut was. Vor allem in punkto Testosteron und Technikwahn.

Ford, die tun was - sogar fiktiv

Laut Pressemitteilung hat der neue K.I.T.T. zahlreiche neue Extras unter der Haube: einen Supercomputer zum Beispiel, der sich binnen Sekunden durch jede Firewall hackt; eine Außenhaut aus "neuster Nanotechnologie", die es dem Mustang ermöglicht, Farbe und Form zu wechseln. Und anders als sein auf Pazifismus erpichter Vorgänger hat der neue K.I.T.T. standardmäßig Waffen an Bord.

Im neuen "Knight Rider" kommt K.I.T.T. in drei Versionen vor:

  • Die Hero-Version, eine mit 540 PS aufgemotzte Version des Shelby GT500KR;
  • die Remote-Version, eine fahrerlose Variante des Hero-Modells und
  • die Attack-Version, ein Design-Monster aus der Werkstatt von Harald Belker, der unter anderem die Autos in Filmen wie "Batman & Robin", "Inspector Gadget", "Spider-Man" und "Minority Report" entwarf.

Marketing-Experten halten dieses Product Placement durchaus für zweischneidig. Die Werbestrategie ist langfristig angelegt und dadurch riskant. Der TV-Film soll - quasi als Pilot durch die Hintertür - eine Fortsetzung der Achtziger-Jahre-Kultserie anschieben. Sollte der Film floppen, gibt es keine Fortsetzung, der Werbeetat wäre futsch. Zudem dürfte, im Falle eines Flops, das Image von Mustang eine dicke Delle davontragen.

Anachronismen aus den Achtzigern

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn "Knight Rider" stammt aus einem TV-Zeitalter, das sich nur schwer ins Jetzt transponieren lässt: Seinerzeit wurden die Actionsequenzen von "Knight Rider" noch an "Ein Colt für alle Fälle" statt an "The Matrix" gemessen.

Die Figur des Michael Knight ist ohnehin ein Anachronismus aus den tiefen Achtzigern: Er ist ein Vietnam-Veteran mit Metallplatte in der Stirn, der im Stinkross den schwarzen Ritter mimt - eine Mischung aus Rambo, Don Quichotte und dem russischen Raumfahrtpionier Sergei Pawlowitsch Koroljow.

Kurz: "Knight Rider" war bereits nicht Neunziger-Jahre-tauglich - und das war wohlgemerkt bevor Hasselhoff Shirts mit der Aufschrift "Don't Hassel Da Hoff" trug und auf YouTube betrunken Burger aß. Die Fortsetzung der Serie muss also zwangsläufig etwas Neues versuchen, sie kann den alten Kult bestenfalls zitieren.

Was Hasselhoff betrifft, der Michael Knight von 1982 bis 1986 in 90 Episoden spielte: Er begnügt sich mit einem kleinen Cameo-Auftritt, mit einem Zitat seiner selbst aus einer besseren Zeit. Vermutlich wird er damit für viele ein Stück Kindheit zu Grabe tragen. Denn als "Da Hoff" 1989 "Looking For Freedom" sang, glaubten viele Zehnjährige fest daran, die Mauer sei wegen ihm gefallen. Wäre es doch nur dabei geblieben.

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Der neue K.I.T.T.: Testosteron und Technikwahn

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