Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Konjunkturpaket: Abwrackprämie nützt besonders ausländischen Autofirmen

Hoffnung für die Autoindustrie? Ein Experte glaubt an knapp 100.000, die Autolobby sogar an 300.000 Neuzulassungen mehr durch Abwrackprämie und geplante CO2-Steuer. Dass die Maßnahmen helfen, glauben beide, nur den deutschen Autobauern wird sie wenig nützen.

Branchenvertreter der Autoindustrie und Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, glauben, dass die Abwrackprämie für alte Wagen die Autoverkäufe befeuern wird. Sie rechnen mit 100.000 bis 300.000 mehr verkauften Neuwagen im laufenden Jahr.

Schrottplatz bei Hamburg: Die Wracks wären jetzt 2500 Euro wert
AP

Schrottplatz bei Hamburg: Die Wracks wären jetzt 2500 Euro wert

Die deutschen Autobauer werden nach Auffassung von Dudenhöffer von der Abwrackprämie allerdings "nur sehr bedingt" profitieren. "Die preisgünstigen Neuwagen, die gekauft werden, kommen überwiegend aus Italien, Frankreich, Spanien, Korea oder Osteuropa", sagte Dudenhöffer der "Passauer Neuen Presse".

Dudenhöffer lobte die von der Bundesregierung im Rahmen des zweiten Konjunkturpakets eingeführte Verschrottungsprämie als "richtigen Schritt". Der Kauf von Neuwagen werde sich allerdings in Grenzen halten: "Ich rechne mit maximal 100.000 Neufahrzeugen, die wegen der Abwrackprämie gekauft werden." Wer beim Händler ein gutes Paket schnüre, könne derzeit bei Kleinwagen bis zu 30 Prozent des Neuwagenpreises sparen, fügte Dudenhöffer hinzu.

Die Bundesregierung hatte Mitte der Woche beschlossen, dass Besitzer eines Pkw 2500 Euro Prämie für die Verschrottung ihres betagten Wagens erhalten - vorausgesetzt, der Pkw ist älter als neun Jahre und seit mindestens zwölf Monaten auf den Halter eingetragen. Außerdem muss der Prämienempfänger gleichzeitig einen Neuwagen kaufen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) erwartet, dass die Verschrottungsprämie und die geplante CO2-Steuer zu einer Modernisierung des Fahrzeugbestands in Deutschland beitragen werden. "Die letzte Kfz-Steuerreform Mitte der neunziger Jahre hatte über mehrere Jahre zu einem Umtausch von Millionen Fahrzeugen zugunsten neuer, umweltfreundlicherer Autos geführt", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann der "Berliner Zeitung". Die jüngsten Maßnamen werden eine "lang anhaltende Wirkung" zeigen.

Kurzfristig werde zudem der Autoabsatz deutlich angekurbelt. "Wir erwarten einen Impuls für die Anschaffung von zusätzlich 100.000 bis 300.000 Autos in diesem Jahr."

Der VDA-Präsident verteidigte zugleich die geplante Kfz-Steuerreform gegen Kritik. Umweltschützer hatten kritisiert, dass auf Drängen der Union eine komplette Steuerbefreiung von Autos mit geringer CO2-Emission gestrichen wurde. "Die Neuordnung der emissionsbezogenen Kfz-Steuer geht nach dem Prinzip: Jedes Gramm CO2 kostet gleich viel", sagte Wissmann. Weil der Verbrauch nach einem linearen Tarif besteuert werde, sei die Neuordnung gerecht.

Autofachmann Dudenhöffer sieht die Reform der KfZ-Steuer hingegen kritisch. Die geplanten Nachlässe nannte er ein "i-Tüpfelchen", das kaum Auswirkung auf die Fahrzeugverkäufe haben werde. "Die Bundesregierung hätte besser eine Maßnahme schnell und richtig gemacht als zwei halbherzig."

SPD-Fraktionschef Peter Struck wies unterdessen auf die internationale Dimension der Wirtschaftskrise hin. Bei dem Versuch, der deutschen Autobranche zu helfen, stoße die Bundesregierung an ihre Grenzen, sagte Struck der "Welt am Sonntag". Mit der Abwrackprämie und der Umstellung der Kfz-Steuer auf den CO2-Ausstoß leiste die Regierung zwar schnelle Hilfe.

"Klar ist aber: 65 Prozent der deutschen Autos gehen in den Export." Dies bedeute, wenn in den USA das Programm des neuen US-Präsidenten Barack Obama nicht greife "und auch die europäischen Nachbarländer die Konjunktur nicht in den Griff bekommen, werden wir die deutsche Automobilindustrie allein mit unseren Maßnahmen so nicht erhalten können".

cht/AFP/ddp

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Aktuelles zu