Konsequenz der Pedalklemme Brems-Gas-Notstopp für alle Toyotas

Das Image ist beschädigt, überall grassieren Witze zur "ungewollten Beschleunigung" von Toyota-Modellen. Firmenchef Toyoda versucht nun, Vertrauen zu schaffen: Alle Pkw des Konzerns sollen sich künftig durch einen gleichzeitigen Tritt auf Brems- und Gaspedal stoppen lassen.

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Toyota-Chef Akio Toyoda: Verbeugung vor Kunden und Öffentlichkeit
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Toyota-Chef Akio Toyoda: Verbeugung vor Kunden und Öffentlichkeit


Hamburg/Tokio - In atemberaubender Geschwindigkeit ist der einst meistbewunderte Autokonzern der Welt zur Zielscheibe von TV-Comedians und Internet-Spaßvögeln geworden. "Bei Toyota", höhnte der US-Star Jay Leno unlängst in seiner Sendung, "weigern sich inzwischen sogar die Crashtest-Dummies, einzusteigen." Und den Firmenslogan "Moving forward" haben Twitter-Nutzer inzwischen hundertfach zu "Moving forward - whether you want to or not" umfunktioniert.

Am Mittwochmorgen trat der wegen seines Krisenmanagements in die Kritik geratene Firmenchef Akio Toyoda in Tokio vor die Presse. Der Manager kündigte technische Verbesserungen für seine Fahrzeuge an. Man werde, so Toyoda, in alle zukünftigen Modelle des Konzerns eine neue Bremsvorrichtung einbauen. Das neue System besitzt eine Notaus-Funktion; es drosselt den Motor, wenn Gas- und Bremspedal gleichzeitig betätigt werden.

In den vergangenen Wochen fiel Toyota durch desaströse Krisenkommunikation auf - der Chef tauchte ab, Kunden und Öffentlichkeit wurden nur sehr langsam über die Probleme informiert. Die Notaus-Aktion ist als Befreiungsschlag gedacht - aber man kann sich fragen, ob die Sache nicht nach hinten los gehen wird.

Man muss sich das einmal vergegenwärtigen: Über acht Millionen Autos hat Toyota bislang zurückgerufen - weil Fahrzeuge:

  • nicht unter allen Umständen kraftvoll bremsen
  • über Gaspedale verfügen, die mitunter klemmen - so dass die Wagen nicht mehr anzuhalten sind
  • eine Servolenkung besitzen, die bei hohen Geschwindigkeiten stark schwimmt
  • nach Berichten von Betroffenen aufgrund von Problemen mit elektronisch gesteuerten Gaspedalen plötzlich grundlos beschleunigen

Über 30 Todesfälle werden mit diesen Phänomenen in Verbindung gebracht. Bei den Kunden ist dadurch - nicht ganz zu Unrecht - der pauschale Eindruck entstanden, Gas geben und Bremsen sei bei Toyota-Fahrzeugen Glückssache.

Hilft da eine solche Notaus-Funktion? Niemand möchte ein Auto fahren, dass plötzlich durchdrehen kann. Vermutlich selbst dann nicht, wenn es einen "Killswitch" besitzt.

Vor einigen Jahren hatte der Elektronikriese Sony massive Probleme mit seinen Laptop-Batterien. Die fingen in Einzelfällen plötzlich Feuer und produzierten spektakuläre Stichflammen. Man stelle sich vor, Sony hätte verunsicherten Laptopbesitzern seinerzeit als vertrauensbildende Maßnahme einfach einen Handfeuerlöscher mitgeliefert - so ähnlich mutet Toyotas Notbremse an.

Toyoda kneift bei Kongressanhörung

Obwohl Toyota sich bemüht, alle zurückgerufenen Fahrzeuge schnellstmöglich zu reparieren, wenden sich die Kunden derzeit in signifikanter Zahl ab. In den USA und in Europa hat Toyota bereits mehrere Fabriken geschlossen, weil die Nachfrage nach Autos stark zurückgegangen ist.

Die US-Behörden haben inzwischen eine formelle Untersuchung eingeleitet, weil es zahlreiche Hinweise darauf gibt, dass Manager des Unternehmens schon früh von den technischen Problemen wussten, diese aber für sich behielten.

Zu diesem und weiteren Sachverhalten wollte der US-Kongress Akio Toyoda gerne persönlich befragen. Daraus wird jedoch nichts. Vergangene Woche hatte der japanische Konzern noch mitgeteilt, Toyoda könne wegen des starken Schneefalls in den USA derzeit leider nicht nach Washington D.C. reisen.

Die Anhörung wurde wegen des Blizzards verschoben. Nachdem sich das Wetter inzwischen gebessert hat, soll der Termin kommende Woche nachgeholt werden. Toyota erklärte am Mittwoch jedoch, sein Vorstandschef werde sich bei dem Termin von anderen Managern vertreten lassen.



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