Auto-Studie für Putin: Das Kreml-Konzept

Auto-Studie für Putin: Zil erreicht Fotos
Yaroslaw Yakowlew & Bernd Weel

Ein Auto für Putin: Nachdem eine Staatskarosse des Herstellers Zil beim Kreml-Chef in Ungnade gefallen war, wurde in Russland ein Design-Wettbewerb für die Präsidentenlimo ausgeschrieben. Die Gewinner stehen fest - ihr Entwurf ist eine lupenreine Staatskarosse.

Wladimir Putin gefällt sich in der Pose des Kraftburschen. Immer wieder inszeniert Russlands Präsident sich als Tiefseetaucher, Ultraleichtflieger oder Waljäger - gerne auch mit nacktem Oberkörper. Seine Politik ist alles andere als fortschrittlich, bestes Beispiel dafür sind seine diskriminierenden Gesetze gegen Homosexuelle. Das Konzeptauto von Bernd Weel und Yaroslaw Yakowlew ist ihm also auf dem Leib geschneidert: Denn ihr Modell ist laut den beiden jungen Designern "vor allem kraftvoll und überhaupt nicht futuristisch".

Der Holländer Weel, 25 Jahre alt, und der Russe Yakowlew, 28, kennen sich aus gemeinsamen Studienzeiten in Italien. Als Team beteiligten sie sich an einem Wettbewerb, zu dem die Betreiber der russischen Webseite cardesign.ru und der russische Autohersteller und Formel-1-Rennstall Marussia aufgerufen hatten. Die Aufgabe: Eine standesgemäße Staatslimousine für Putin zu entwerfen.

Hintergrund der Ausschreibung war ein PR-Desaster des russischen Autobauers Zil. Der Hersteller, dessen Haupteigentümer der Staat ist, präsentierte im Dezember 2012 ein neues Gefährt für Putin - den Zil-4112P. Neben ihrem Wagen, spotteten die Zil-Chefs bei der ersten Präsentation, wirke die Staatskarosse von US-Präsident Obama "wie ein schreckliches U-Boot und völlig unästhetisch".

Hätten sie mal lieber den Ball flach gehalten: Putin war vom Ergebnis ihrer Bemühungen nämlich weniger überzeugt - und weigerte sich prompt, das Auto zu nutzen.

Daraus schlug wiederum die Konkurrenz von Marussia Profit und rief mit cardesign.ru umgehend dazu auf, dem Kreml-Herrscher ein ordentliches Fahrzeug zu entwerfen. Am besten hat ihnen nun der Vorschlag von Weel und Yakowlew gefallen.

Ein Auto wie ein Palast

"Die Größe und Ausmessungen für das Auto waren vorgegeben", erzählt Weel, "beim Design hatten wir aber freie Hand." Die Studie der beiden jungen Männer sieht aus wie ein getunter Straßenkreuzer, mit XXL-Motorhaube und bombastischem Heck. "Wir haben uns von der Architektur der Gebäude am Roten Platz inspirieren lassen", sagt Weel. Natürlich haben sie ihrem Entwurf keinen Zwiebelturm aufgesetzt, sondern dabei die "majestätische und klassische Aura" im Sinn gehabt.

"Auf keinen Fall wollten wir, dass der Wagen futuristisch aussieht", sagt Weel, "so wie er dasteht, sollte er in Serie gebaut werden können." Deshalb empfand er die Arbeit an dem Design auch als willkommene Abwechslung, denn normalerweise entwirft er Konzeptfahrzeuge "für das Jahr 2040". Sogar den Herstellernamen zitierten die beiden und tauften ihr Modell einfach Zil President.

"Ich glaube, die sind alle im Urlaub"

Nachdem Weel und Yakowlew für den Wettbewerb zugelassen waren, hatten sie nur drei Wochen Zeit, um ihre Studie einzureichen. Keine einfache Aufgabe - vor allem, weil Weel im niederländischen Alkmaar saß und sein Freund im mehrere tausend Kilometer entfernten St. Petersburg. "Wir haben nur übers Internet kommuniziert", sagt Weel, "aber weil wir keine Meinungsverschiedenheiten hatten, wurden wir rasch fertig". Letztendlich setzten sie sich gegen mehr als 100 andere Teilnehmer durch.

Ob Putin schon einen Blick auf ihren President geworfen hat, weiß Weel nicht. Überhaupt hat er von Marussia und cardesign.ru seit der Verkündung des Wettbewerbsiegers nichts mehr gehört, kein einziger Rubel ist gerollt. "Ich glaube, die sind alle im Urlaub", sagt Weel und muss dabei lachen. "Keine Ahnung, wie es weitergeht, im Moment ist das alles noch sehr geheimnisvoll."

Allein die Aufmerksamkeit, die Yakowlew und er jetzt von den Medien bekommen, ist den Einsatz wert gewesen, freut sich der 25-Jährige. Und welcher Machthaber sich irgendwann mal im Zil President chauffieren lässt, ist ihm egal: "Dieser Wagen ist für jeden russischen Präsidenten geeignet", sagt Weel.

cst

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insgesamt 44 Beiträge
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1.
Reg Schuh 05.08.2013
Zitat von sysop(...) technische Spezifikationen gibt es zum Zil President nicht.
Das merkt man. In der angehübschten Grafik, in der eine spiegelnde Fläche unter dem virtuellen Gefährt mit dem Straßenüflaster zusammengepappt wurde, hat diese "Studie" noch nicht einmal angedeutete Türen. Ob der Schriftzug auf dem Heck dann noch in kyrillischen Buchstaben gesetzt werden soll, mag man spekulieren. Fahren wollte ich ein Auto mit einer so winzigen Heckscheibe sicher nicht.
2. Super Auto
schwencky 05.08.2013
Klettert Putin durch den Kofferraum, oder sind so etwas wie Türen nicht mehr Designgegenstand bei einem Konzeptauto. Ich lache mich kaputt.Verbrauch und Ausstattung sind völlig irreleant...hauptsache groß und mächtig...halt so wie Putin...;). Wenn es das Auto auch noch in oliv geben würde, dann würde er da auch gut mit freiem Oberkörper mit Tarnfleckhose reinpassen.
3. Sieht aus wie der Wagen des Obergangsters...
FNagel 05.08.2013
...aus einem 30er-Jahre-Comic.
4.
ohnelos 05.08.2013
die NSA hat die Studie sicher schon dem weissen haus angebiedert, die kriegen sicher ein fahrbares 20 tonnen monstrum daraus hin. trotzdem, geiler wagen, als ex kgb mitarbeiter steigt man natürlich standesgemäss durch die bodenluke ein und aus. deshalb die fehlenden türen..
5.
Illya_Kuryakin 05.08.2013
---Zitat--- Der Hersteller, dessen Haupteigentümer der Staat ist, präsentierte im Dezember 2012 ein neues Gefährt für Putin - den Zil-4112P. Neben ihrem Wagen, spotteten die Zil-Chefs bei der ersten Präsentation, wirke die Staatskarosse von US-Präsident Obama "wie ein schreckliches U-Boot und völlig unästhetisch". ---Zitatende--- Sorry, aber diese Studie erinnert mich genau an das: Ein U-Boot. Die Seitenlinie des Autos sieht aus wie ein "Rumpf" und ein "Turm" (durch die untere Fensterlinie getrennt). Hier: Projekt 971 (http://de.wikipedia.org/wiki/Akula-Klasse) Projekt 971 Akula-Klasse Jagd-U-boot Malt Raeder dran, und Fenster auf den Turm, dann sieht das Boot genauso aus wie das Auto. Na, ja... fast :-)
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