Kooperation Daimler-Renault Neue Allianz im Reich der Autozwerge

Schon lange sucht Daimler nach einem Partner für die Entwicklung der nächsten Smart-Generation. Der ist nun gefunden: Mitte April werden die Schwaben eine Allianz mit Renault-Nissan schließen, die mehr als den Smart umfasst. SPIEGEL ONLINE kennt schon einige Details.


Der Kleinstwagen Smart hat zwar mittlerweile den sogenannten Break Even erreicht, er hat die Entwicklungskosten also wieder eingespielt, doch ein wirtschaftlicher Erfolg ist der Knirps für Daimler noch nicht. Die Stückzahl von maximal rund 120.000 Fahrzeugen pro Jahr ist zu gering; dass sich das entscheidend ändert, ist nicht zu erwarten. "Ohne einen Partner ist so ein Konzept wirtschaftlich nicht darstellbar", sagt Mercedes-Vertriebsvorstand Joachim Schmidt. Denn kein Smart-Bauteil findet irgendwo sonst in der Mercedes-Modellpalette eine Verwendung - es fehlt jeglicher Synergie- und Skaleneffekt.

Deshalb suchte Daimler einen Partner, der im Geschäft mit kleinen Autos groß mitmischt. Mit Renault-Nissan ist der nun gefunden. Demnächst, so bestätigten Insider gegenüber SPIEGEL ONLINE - werden die Konzernchefs Dieter Zetsche und Carlos Ghosn eine Partnerschaft unterzeichnen. Und auf Drängen aus Paris werde sogar ein Aktienpaket ausgetauscht: So soll Daimler mit jeweils 1,55 Prozent Teilhaber an Renault und Nissan werden, während die Franzosen 3,1 Prozent der Daimler-Papiere erhalten.

Renault ist ein Wunschpartner. Die Marke hat mit dem Modell Twingo schon einmal die Kleinwagenwelt revolutioniert und gemeinsam mit dem japanischen Schwesterunternehmen Nissan eine ganze Flotte von Autoknirpsen am Start: Twingo, Micra, Pico - all diese Typen und dazu ein paar weitere Modelle sollen künftig eine gemeinsame Architektur nutzen. So sind Stückzahlen von 300.000 bis 400.000 Fahrzeugen pro Jahr möglich.

Mercedes weiß aus Erfahrung, dass Kooperationen heikle Angelegenheiten sind. Der viertürige Smart Forfour, der sich eine Plattform mit dem Mitsubishi Colt teilte, war ein Flop. "Dem Auto fehlte das Alleinstellungsmerkmal, das war nur ein bunter, teurer und dennoch konventioneller Kleinwagen", lautet die aktuelle Einsicht in Stuttgart. Das soll sich nicht wiederholen. Schmidt: "Wir werden die Einzigartigkeit des Smarts bewahren." Fest steht nämlich, dass es wieder einen Smart Forfour geben soll. Nur eben mit sehr viel kürzerer Karosserie. "Das geht nur mit einem Heckmotor", erklärt Schmidt, und wäre damit schon bei einer Besonderheit des neuen Smart-Modells.

Aus dem Smart soll wieder eine kleine Modellfamilie werden

Mit der neuen Partnerschaft will Mercedes also nicht nur den für 2013 oder 2014 avisierten Nachfolger des Smart Fortwo auf den Weg bringen, sondern aus der aktuellen Monokultur der Marke wieder eine kleine Modellfamilie machen. "Langfristig kann man die Marke nur als Familie erhalte", sagt Schmidt.

Die Verträge, die Zetsche und Ghosn - wen wundert's, "in einer großen europäischen Hauptstadt" - unterzeichnen werden, enthalten auch zahlreiche Vereinbarungen über Motoren. So sollen ein neues Drei- und auch ein neues Vierzylinder-Aggregat für die kommenden Kleinwagen konstruiert werden. Die Triebwerke kann Mercedes auch gut in den Basisvarianten jener Autos einsetzen, die ab Herbst 2011 die Nachfolge der jetzigen A- und B-Klasse antreten werden. Und noch eine Lücke will Mercedes durch die Kooperation schließen: Denn im Angebot der Schwaben fehlt - seit dem Scheitern des missratenen Kleintransporters Vaneo - ein kompakter Kastenwagen à la VW Caddy oder Fiat Doblò. Renault aber hat den Kangoo - und aus dem soll demnächst auch ein Mercedes-Ableger hervorgehen.

Schließlich planen Daimler und Renault-Nissan auch eine Zusammenarbeit beim Thema Elektrifizierung des Antriebs. Renault hat verkündet, bereits ab 2011 gleich vier Elektroauto-Modelle anzubieten. Der Smart ED wiederum soll ab 2012 in den Handel kommen. Im Duett glückt die Mammutaufgabe Elektroauto womöglich sehr viel überzeugender.



insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
juergw. 06.04.2010
1. Super !Endlich !
Zitat von sysopSchon lange sucht Daimler nach einem Partner für die Entwicklung der nächsten Smart-Generation. Der ist nun gefunden: Mitte April werden die Schwaben eine Allianz mit Renault-Nissan schließen, die mehr als den Smart umfasst. SPIEGEL ONLINE kennt schon einige Details. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,687376,00.html
Als jahrelanger Renault Fahrer bin ich begeistert.Den ersten Renault mit anders gestalteter Front (Mercedes Stern ) werde ich auf jeden Fall erwerben.Das ist mir auch der Mercedes Aufschlag von 10 000,--€ wert !
Kampfbuckler, 06.04.2010
2. Nochne Hochzeit im himmel
Nochne Hochzeit im Himmel wie damals der anschließend geschaßte Chef Schrempp hinausposaunte beim Jointventure mit Chrysler. Mir macht es Angst, wie schlecht muss es Daimler gehen, dass sie sich vom Zusammengehen mit Europas unterster Autokategorie, bis hinunter zum rumänischen Dacia, finanzielle Vorteile erhoffen. Wer ist denn dann noch bereit Mercedes-Preise zu zahlen?
reflexxion 07.04.2010
3. nützt niemand
Was soll diese dämliche Idee bringen? Wer würde einen Renault Twingo mit Mercedesgrill kaufen und dafür die absurden Daimler Preise bezahlen? Als Mercedesfahrer seit über 25 Jahren dreht sich mir schon bei dem Gedanken daran der Magen um. Ich habe in meinem Leben noch nie einen Renault gefahren, selbst als Beifahrer habe ich nur einmal vor ewigen Zeiten in einem R4 gesessen. Renault ist für mich eine absolute "Unmarke", dabei hatte ich durchaus kein Problem damit einmal ein Citroen als Zweitwagen auszuprobieren - aber doch nie einen Renault! Ach so, natürlich auch keinen Datsun/Nissan. Die gehören ja irgendwie zu Renault. Mercedes ist mit einem sehr dunkelblauen Auge aus der idiotischen Chrysler-Ehe rausgekommen, man hat bisher jede Menge Geld in Smart versenkt und vom Reichenspielzeug Maybach sind auch keine gewinne und erst recht kein ernsthaftes Prestige zu erwarten. Wer aber zahlt diesen ganzen Unfug? Richtig, der Kunde der für einen heftigen Aufpreis zum Premium-Wettbewerb immer noch Mercedes Fahrzeuge kauft. Hätte man bei Daimler auf die ganzen Finanzexperimente verzichtet, stände die Firma anders da. Als Aktionär fühlt man sich sowieso geleimt, denn es sollen ja jetzt erst mal drei Jahre lang keine Dividenden ausgeschüttet werden. Ob Volkswagen beim Markenzukauf alles richtig gemacht hat ist sicher noch nicht bewiesen, aber so gravierende Fehlgriffe wie bei Daimler gabs jedenfalls nicht. Skoda und Audi brummen, lediglich Seat kränkelt. Die kleineren Nobelmarken fallen bei Volkswagen nicht so ins Gewicht, die nicht gerade positiv gelaufene Porsche-Aktion kann aber durchaus noch ein positives Ende nehmen. Auch BMW hatte sich mit Rover vertan, aber immerhin beim Abschied von Rover den zumindest am Markt sehr gut angenommenen neuen Mini als Bonus behalten können. Gerade da zeigt sich, wie gut der eine Kleinwagen zu horrenden Preisen verkauft werden kann und wie schlecht dagegen der andere (Smart). Ich hatte jetzt mal einen Smart Fortwo Leihwagen, als mein Mercedes zur Wartung war, das ist ein grausam unangenehmes Auto mit einer miserablen Schaltung. Dagegen war die Probefahrt (aus Neugier) mit einem aktuellen Mini Cooper 2-Türer ein Aha-Erlebnis. Mir ist der zwar auch zu eng, aber er fährt sich einfach klasse. Fazit: Ich weiß noch nicht wo bei Daimler die Reise hingeht, aber mir graut ernsthaft davor. Sollte dabei mal eine C-Klasse auf Basis des Laguna rauskommen, ist es mit meiner Vorliebe für Fahrzeuge mit Stern vorbei. Schon mein letzter kam als Reimport aus den Niederlanden mit immerhin 19% Preiusvorteil. Bei Daimler-Niederlassungen direkt sind die Autos einfach zu teuer und die Rabattverhandlungen zu träge bis unmöglich. Ich habe vor zwei Wochen für eine Verwandte eine gebrauchte A-Klasse im Internet besorgt, es war sogar ein "junger Stern" also ein Gebrauchtwagen mit 2 Jahren Garantie aus einer Niederlassung. Das Auto ist knapp über 3 jahre alt, hat erst 21.000 km und genau die Ausstattung die gebraucht wurde, es kostete statt 28.000 Euro für ein neues Fahrzeug nur 11.700 Euro, wobei man ihm das Alter wirklich nicht ansieht. Solche Gebrauchtwagen sind zwar selten, aber es gibt sie durchaus. Zum Neupreis hätten wir den Wagen nicht gekauft, wobei das Lustige ist - meine sehr gut ausgestattete C-Klasse hat 2006 auch 28.000 Euro gekostet...
wakaba 07.04.2010
4. Coq au vin oder Sauerkraut?
Kooperation mit Renault-Nissan. Billige Kleinwagentechnik mit Blingdesign. Aber stimmt die Marge oder hat Mercedes vor noch eine Schublade tiefer zu greifen? Mercedes will sich im Dacia Segment bedienen. Hier findet sich die Basismotorisierung gepaart mit etwas stabilerer Fahrwerkstechnik die auch Schlechtstrassen aushält. Rumänien als Produktionsort für Mercedes ist wohl ausschlaggebend. Also nicht Hühnchen im Wein oder Sauerkraut sondern Kohlroulade.
a1001 07.04.2010
5. Mal langsam!
Zitat von reflexxionWas soll diese dämliche Idee bringen? Wer würde einen Renault Twingo mit Mercedesgrill kaufen und dafür die absurden Daimler Preise bezahlen? Als Mercedesfahrer seit über 25 Jahren dreht sich mir schon bei dem Gedanken daran der Magen um. Ich habe in meinem Leben noch nie einen Renault gefahren, selbst als Beifahrer habe ich nur einmal vor ewigen Zeiten in einem R4 gesessen. Renault ist für mich eine absolute "Unmarke", dabei hatte ich durchaus kein Problem damit einmal ein Citroen als Zweitwagen auszuprobieren - aber doch nie einen Renault! Ach so, natürlich auch keinen Datsun/Nissan. Die gehören ja irgendwie zu Renault. Mercedes ist mit einem sehr dunkelblauen Auge aus der idiotischen Chrysler-Ehe rausgekommen, man hat bisher jede Menge Geld in Smart versenkt und vom Reichenspielzeug Maybach sind auch keine gewinne und erst recht kein ernsthaftes Prestige zu erwarten. Wer aber zahlt diesen ganzen Unfug? Richtig, der Kunde der für einen heftigen Aufpreis zum Premium-Wettbewerb immer noch Mercedes Fahrzeuge kauft. Hätte man bei Daimler auf die ganzen Finanzexperimente verzichtet, stände die Firma anders da. Als Aktionär fühlt man sich sowieso geleimt, denn es sollen ja jetzt erst mal drei Jahre lang keine Dividenden ausgeschüttet werden. Ob Volkswagen beim Markenzukauf alles richtig gemacht hat ist sicher noch nicht bewiesen, aber so gravierende Fehlgriffe wie bei Daimler gabs jedenfalls nicht. Skoda und Audi brummen, lediglich Seat kränkelt. Die kleineren Nobelmarken fallen bei Volkswagen nicht so ins Gewicht, die nicht gerade positiv gelaufene Porsche-Aktion kann aber durchaus noch ein positives Ende nehmen. Auch BMW hatte sich mit Rover vertan, aber immerhin beim Abschied von Rover den zumindest am Markt sehr gut angenommenen neuen Mini als Bonus behalten können. Gerade da zeigt sich, wie gut der eine Kleinwagen zu horrenden Preisen verkauft werden kann und wie schlecht dagegen der andere (Smart). Ich hatte jetzt mal einen Smart Fortwo Leihwagen, als mein Mercedes zur Wartung war, das ist ein grausam unangenehmes Auto mit einer miserablen Schaltung. Dagegen war die Probefahrt (aus Neugier) mit einem aktuellen Mini Cooper 2-Türer ein Aha-Erlebnis. Mir ist der zwar auch zu eng, aber er fährt sich einfach klasse. Fazit: Ich weiß noch nicht wo bei Daimler die Reise hingeht, aber mir graut ernsthaft davor. Sollte dabei mal eine C-Klasse auf Basis des Laguna rauskommen, ist es mit meiner Vorliebe für Fahrzeuge mit Stern vorbei. Schon mein letzter kam als Reimport aus den Niederlanden mit immerhin 19% Preiusvorteil. Bei Daimler-Niederlassungen direkt sind die Autos einfach zu teuer und die Rabattverhandlungen zu träge bis unmöglich. Ich habe vor zwei Wochen für eine Verwandte eine gebrauchte A-Klasse im Internet besorgt, es war sogar ein "junger Stern" also ein Gebrauchtwagen mit 2 Jahren Garantie aus einer Niederlassung. Das Auto ist knapp über 3 jahre alt, hat erst 21.000 km und genau die Ausstattung die gebraucht wurde, es kostete statt 28.000 Euro für ein neues Fahrzeug nur 11.700 Euro, wobei man ihm das Alter wirklich nicht ansieht. Solche Gebrauchtwagen sind zwar selten, aber es gibt sie durchaus. Zum Neupreis hätten wir den Wagen nicht gekauft, wobei das Lustige ist - meine sehr gut ausgestattete C-Klasse hat 2006 auch 28.000 Euro gekostet...
Mal abgesehen davon, dass Sie ihr Fazit schon in der Textmitte bringen, hätten Sie es einfach mal mit genau diesem belassen sollen. "Ich weiß noch nicht...", respektive wenn man keine Ahnung hat... Machen Sie sich doch mal schlau, woher der Motor ihres hochgelobten Mini kommt. Und wenn Sie die Antwort haben, dann wissen Sie auch, wohin die Reise für Daimler geht. Hier werden mitnichten Sterne auf Franzosen geklebt! Also die DIN A4-Seite hätten Sie sich sparen können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.