Kostenvergleich Rad gegen Auto Das Velo ist Sieger der Herzen

Fahrrad gegen Auto: Die beiden Verkehrsmittel im Kostenvergleich
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Fahrrad gegen Auto: Die beiden Verkehrsmittel im Kostenvergleich

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2. Teil: Zweimal Vorteil Auto


Rechnet man alle internen Kosten zusammen, dann liegen Radler (83,0 Cent) und Autofahrer (94,0 Cent) ziemlich nah beieinander. Lohnt es sich dann eigentlich noch, sich auf den Drahtesel zu schwingen? Die Berechnungen der Wiener Forscher zeigen, dass selbst die Berücksichtigung von Lärm, Schadstoff- und CO2-Emissionen das Bild kaum verändert. Um gerade mal 2,5 Cent pro Kilometer verschlechtert sich die Bilanz zu Ungunsten der Autofahrer. Grundlage dafür war unter anderem die Annahme, dass ein Pkw 170 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt und eine Tonne CO2 Kosten von 50 Euro zur Folge hat - etwa für Ausgleichsmaßnahmen.

Trotzdem erweist sich das Radfahren am Ende aller Berechnungen als deutlich günstiger - und zwar aus einem einzigen Grund: Wer regelmäßig in die Pedale tritt, tut eine Menge für seine Gesundheit. Vor allem Herz und Kreislaufsystem profitieren.

Nach Berechnungen von Meschik und Trunk erreicht dieser Effekt fast 90 Cent pro Kilometer. Grundlage war übrigens eine moderate Fahrleistung von 1600 Kilometern pro Jahr. Dies entspricht drei Stunden im Sattel pro Woche an 36 Wochen pro Jahr bei einer Geschwindigkeit von 15 km/h.

Die höheren Ausgaben des Radfahrens infolge der Unfallkosten werden somit um ein Mehrfaches durch die bessere Gesundheit kompensiert. Im Portemonnaie des Einzelnen ist dies freilich nicht zu spüren, denn eine bessere Gesundheit ist für viele nur ein virtueller Vorteil, kein finanzieller.

Strampeln und länger leben

Rein virtuell bleibt der gesundheitliche Nutzen freilich nicht. Francesca Racioppi, Gesundheitsökonomin bei der Weltgesundheitsorganisation WHO, hat die Effekte das Radfahrens ebenfalls untersucht. Nach ihren, ebenfalls in Sevilla präsentierten Berechnungen verlängert Radfahren nachweislich das Leben von Menschen - auch wenn man die negativen Effekte durch Radunfälle berücksichtigt. An drei Punkten beeinflusst regelmäßiges Radeln nach ihrer Kalkulation die Lebenserwartung:

  • Einatmen verschmutzter Luft: -1 bis -40 Tage
  • Unfälle: -5 bis -9 Tage
  • Trainingseffekt für den Körper: plus 3 bis 14 Monate

"Wir wollten die Zahlen erst nicht glauben und haben unsere Auswertungen an Kollegen geschickt mit der Bitte, sie kritisch zu prüfen", sagte Racioppi. Inzwischen gebe es jedoch keinen Zweifel mehr, dass Radfahren trotz leicht erhöhtem Unfallrisiko insgesamt das Leben nachweislich verlängere.

Der Wiener Vergleich der gesamtwirtschaftlichen Kosten von Rad und Auto wurde auf dem City-Velo-Kongress übrigens als Auto-freundlich gebrandmarkt. Bernhard Ensink von der Lobbyorganisation European Cycling Federation ECF kritisierte unter anderem, dass die Fahrzeit für Radler als Kosten eingestuft wurden. "Ich spare beim Radeln ja Zeit ein, die ich nicht im Fitnesscenter verbringen muss", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Insofern müssten die Zahlen fürs Rad eigentlich noch viel besser aussehen.

Und auch an anderer Stelle sind finanzielle Vorteile des Radfahrens unter den Tisch gefallen. Die Kosten des Straßen- und Radwegebaus haben Trunk und Meschik in ihren Kalkulationen ausdrücklich nicht berücksichtigt. Ein Radfahrer benötigt nach gängiger Faustformel nur ein Achtel der Fläche, die ein Auto im öffentlichen Straßenraum belegt.

Steuern, mit denen Autofahrer ja öffentliche Ausgaben finanzieren, wurden ebenfalls nicht berücksichtigt. Allerdings machen sie umgerechnet auf einen Kilometer nur einen geringen Anteil von rund 5 Cent aus.



insgesamt 206 Beiträge
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Seite 1
mabra 28.03.2011
1. Naja
Die Berechnungen sind etwas merkwürdig. Die Kosten für das Fahrradfahren sind pro Kilometer also höher, wenn man im Schnitt 10 Euro pro Stunde an Kosten rechnet. Ich fahre ca. 3000 kilometer im Jahr mit dem Rad und etwa 12000 km mit dem Auto. Das Rad nutze ich überwiegend im Stadtverkehr für Strecken bis 10 Kilometer. Auf diesen Strecken bin ich mit dem Rad zumindest im Berufsverkehr nur minimal langsamer, denn: mich interessiert kein Stau und ich kann Wege fahren, die ich mit dem Auto nicht fahren kann. Insofern passt die Zeitrechnung nicht und "gleiche Entfernung" auch nicht. Ich brauche mit dem Rad zur Arbeit (6 km) 5 Minuten mehr. Das als Kosten zu sehen, naja. Gerade die Kurzstrecke spart enorm an Kosten, denn in den ersten Kilometern ist der Verbrauch (und der CO2-Austoß) am höchsten.
LouisWu 28.03.2011
2. ...
Zitat von sysopAutofahren ist teuer, radeln billig? Die Wirklichkeit ist komplizierter. Verkehrsforscher aus Österreich haben die Kosten der beiden Transportmittel im Detail verglichen. Das Auto schlägt sich dabei erstaunlich gut - trotz CO2-Emission und teurem Benzin - verliert aber am Ende doch. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,753206,00.html
Wie schön, das alles. "Trotzdem erweist sich das Radfahren am Ende aller Berechnungen als deutlich günstiger - und zwar aus einem einzigen Grund: Wer regelmäßig in die Pedale tritt, tut eine Menge für seine Gesundheit. Vor allem Herz und Kreislaufsystem profitieren..." Man hat - wie üblich - nicht zu Ende gedacht. Wie nett, wenn etwas für die Gesundheit getan wird. Irgendwie. Vergessen wurde, dass die Krankheitskosten für Personen >80 Jahren um Faktor fünf über dem Durchschnitt liegen. Unsterbliche Körper mit dementen, zerstörten Gehirnen. Das ist die Zukunft unserer Gesundheitsapostel.....
bulleblau 28.03.2011
3. Rechenfehler
Da sind rgendwo gewaltige Rechenfehler drn. Auf S1. des Artikels lese ich "Nachdem Trunk und Meschik die Positionen Anschaffung, Unterhalt, Reparaturen, Parken und Kraftstoff für beide Verkehrsmittel addiert und wiederum pro Kilometer berechnet hatten, landete das Auto bei 38,3 Cent, das Fahrrad bei 10,2 Cent." und auf S3 lese ich "Mithilfe der Durchschnittsgeschwindigkeiten von Auto (25 km/h) und Rad (15 km/h) kann man aus den Betriebs- und Kraftstoffkosten die laufenden Kosten pro Kilometer berechnen. Sie liegen bei 10,20 Cent (Rad) beziehungsweise 38,30 Cent (Auto) pro Kilometer." Das klingt eher plausibel. Mir scheint, da wurden im ersten Teil falsche Zahlen verwendet. Ein Auto hat natürlich höhere Anschaffungskosten verbunden mit enorm hohen Wertverlust, dazu kommt Sprit, Versicherung, Steuer, Wartung und Verschleißteile. Der "Schweizer Tagesanzeiger" hat mal die Summen berechnet, die ein Mensch so im Leben (zwischen 18 und 77 Jahren) für das Autofahren aufwendet; es wurde in D die Summe von 330.607 SFR angegeben, umgerechnet ca 5600SFR/Jahr. Das heißt also, ich könnte mir als Radfahrer jedes Jahr ein vergoldetes Velo kaufen. Oder unendlich viel teure Zeit verschwenden.
spon-tan100 28.03.2011
4. Keine Fahrwegekosten!?
Zitat von mabraDie Berechnungen sind etwas merkwürdig. Die Kosten für das Fahrradfahren sind pro Kilometer also höher, wenn man im Schnitt 10 Euro pro Stunde an Kosten rechnet. Ich fahre ca. 3000 kilometer im Jahr mit dem Rad und etwa 12000 km mit dem Auto. Das Rad nutze ich überwiegend im Stadtverkehr für Strecken bis 10 Kilometer. Auf diesen Strecken bin ich mit dem Rad zumindest im Berufsverkehr nur minimal langsamer, denn: mich interessiert kein Stau und ich kann Wege fahren, die ich mit dem Auto nicht fahren kann. Insofern passt die Zeitrechnung nicht und "gleiche Entfernung" auch nicht. Ich brauche mit dem Rad zur Arbeit (6 km) 5 Minuten mehr. Das als Kosten zu sehen, naja. Gerade die Kurzstrecke spart enorm an Kosten, denn in den ersten Kilometern ist der Verbrauch (und der CO2-Austoß) am höchsten.
Da frage ich mich doch, was ich Ihnen denn ausrechnen soll. Unter Weglassung der Lebenskosten ist der Tod eindeutig teurer! Auch Kuchen kostet ohne Mehl verhältnismäßig mehr als Speiseeis. Und ohne Westerwelle und Niebel ist Frau Gönner teurer.
Cholerix, 28.03.2011
5. Glaube nur Studien die Du selbst bezahlt hast....
Da wurde offenbar vernachlässigt, dass die höheren Kosten für Unfallfolgen bei Radfahrern nahezu vollständig infolge von Unfällen zwischen Rad und Auto zustandekommen - also unmittelbare Folge des Autoverkehrs sind, sowie der vorwiegend auf Optimierung des Autoverkehrs angelegten (städtischen) Verkehrswegeplanung. Daher ist die Aussage der Untersuchung schon aus diesem Grund mehr als nur geringfügig unvollständig, um nicht zu sagen irreführend.
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