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Leichtbau für die Landwirtschaft: Der Stecker-Trecker

Leichtbau für die Landwirtschaft: Dürrer E-sel Fotos
Jürgen Jeibmann / Fraunhofer IW

Voll bio: Bisher waren Leichtbau und Elektroantriebe vor allem bei schicken Stadtautos wichtig. Mit dem Kulan könnte sich das ändern - das schlichte E-Mobil soll Äcker und Wiesen erobern. Ein Teil des Gefährts besteht aus Altpapier.

Kulan ist der Name einer Unterart des asiatischen Halbesels, die Tiere werden rund 250 Kilogramm schwer. Das nach dem Grasfresser benannte Elektromobil Kulan bringt kaum mehr Gewicht auf die Waage, es wiegt nur ungefähr 300 Kilo. Aber dafür es kann bis zu einer Tonne Nutzlast transportieren. Geht es nach dem Willen seiner Entwickler, fährt Kulan bald reichlich Ernte ein.

Ein Netzwerk aus 15 Firmen und zwei Forschungseinrichtungen aus Sachsen werden das Gefährt demnächst auf der IAA Nutzfahrzeuge (25. September bis 2. Oktober) in Hannover vorstellen. Für die Projektkoordination ist das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik in Chemnitz verantwortlich. Es bezeichnet Kulan als "leichten Lastesel für die Landwirtschaft".

Leichtbau und Elektroantrieb sei "ein großes, bisher weitestgehend ungenutztes Potenzial für die Hersteller landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge", sagt Marcus Knobloch vom Fraunhofer-Institut. "Wir wollen die vielen Innovationen, die im Fahrzeug verbaut sind, jetzt so schnell wie möglich in die Praxis bringen." Das Interesse an Kulan sei bereits groß, Knobloch berichtet von Anfragen aus Südtirol, Ghana, Brasilien und Indien.

Leichtbau auf dem Lande

Möglich machen das geringe Gewicht eine Reihe neuer Materialien. Die Ladefläche beispielsweise besteht aus einer Sandwichstruktur mit einem Aluminiumschaumkern und Decklagen aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Der Fahrersitz ist ebenfalls aus einem speziellen Kunststoffschaum gefertigt und die Lagermulde wird mittels Faserguss aus Altpapier hergestellt.

Statt konventioneller - und schwerer - Scheinwerfer und Blinker verfügt Kulan über in Kunststoffblöcke eingelassene Dioden, die hydraulische Lenkung ist aus dem Bootsbau übernommen und das Batteriemanagementsystem speziell auf den Leichtbau-Minilaster abgestimmt.

Das Basisfahrzeug lässt sich je nach Zweck und Einsatzgebiet aufrüsten. Statt einer Ladefläche lassen sich auch ein Tank, ein geschlossenes Transportabteil oder vier Sitze aufs Fahrgestell montieren. Für den Einsatz als Elektroshuttle für Touristen bis hin zum E-Traktor ist vieles möglich. "Der Kulan soll Kompetenz demonstrieren und zeigen, dass auch ein Landwirtschaftsfahrzeug ökologisch verträglich konstruiert werden kann", sagt Knobloch.

Bis zu 300 Kilometer Reichweite

Der Technologieträger verfügt über einen Lithium-Ionen-Akku mit 8,5 kWh Speicherkapazität, die beiden Radnabenmotoren an der Hinterachse leisten je zwei kW. Daraus ergibt sich eine Reichweite von rund 300 Kilometer oder eine Betriebszeit von sechs Stunden mit einer Akkuladung. Je nach Einsatzzweck ließe sich das Fahrzeug entsprechend modifizieren. Radnabenmotoren bis zu 40 kW Leistung seien beispielsweise möglich, sagt Knobloch, "etwa für Weinbauern mit steilen Lagen oder für den Einsatz im Wald".

Die beteiligten Firmen versprechen sich durch den Auftritt auf der IAA Interesse aus der Nutzfahrzeugindustrie. "Im besten Fall", sagt Knobloch, "könnten die im Kulan demonstrierten Materialien und Ideen in maximal einem Jahr serienreif sein."

jüp

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insgesamt 41 Beiträge
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1. Niederquerschnittreifen ...
goob 28.08.2014
... auf einem Traktor? Auf Alufelgen, die aussehen, als könnten sie nicht mal einem hohen Bordstein standhalten? Bin mir da nicht hundertprozentig sicher, ob das Landwirte überzeugen wird.
2. Showobjekt ohne Nutzwert
antiextremist 28.08.2014
Wer nur halbwegs eine Ahnung hat, wie Gerät in der Landwirtschaft genutzt wird, welche (Multi-)Funktionen es haben muss und wie robust und belastbar es deshalb sein muss, der lacht über diesen Prototyp. Der kompostierbare Aufbau wird sich auf Grund der Bedingungen schon nach kurzer Zeit der Verwendung auflösen. Und meint der Entwickler allen Ernstes, dass er mir diesen 'Rädchen' eine Tonne auf schlammigen Wirtschaftswegen sicher transprotieren kann. Schade um die Zeit und das Geld. Selbst wenn diese Änderungen möglich wären, dann geht diese Präsentation komplett am Ziel und an der Zielgruppe vorbei. Lieber vorher mal den Aufwand in eine Untersuchung stecken, dann kennt man die Anforderungen - klassisches Produktmanagement.
3.
Frank Zi. 28.08.2014
Es gibt schon einen guten Grund, warum Landwirtschaftsfahrzeuge schwer sind: Traktion.
4.
lupidus 28.08.2014
ach wie süß, er packt ei büschel gras aufs spielmobil. ich denke jeder landwirt wird sich bei diesem teil so richtig schön verschaukelt vorkommen. funktioniert es auch bei 4 grad im regen auf schlammigen wegen ? so kenne ich nämlich das hauptsächliche einsatzgebiet der fahrzeuge. ob da jetzt led's oder glühbirnen dran sind, ist halb so wild, aber landwirtschaftsmaschinen müssen außerordentlich robust sein. haben die erbauer mal so einen trekker aus der nähe gesehen, im einsatz statt im verkaufsraum ??
5. oh gott wenn webeleute technik verkaufen wollen
63amg 28.08.2014
alufelgen sehen zwar schick aus sind aber ungeeignet stahl kann man geradeklopfen. die reifen machen das ganze bild lächerlich 2 wd mit den reifen ist ein witz.das problem mt reifen oder schlechtenfalls at reifen sind zu grob und verringern die reichweite dastisch.wer dann noch das bild wo die hand voll heu in den korbgelegt wird sieht, denkt höchstens an zeitschriften wie landlust, aber nicht an arbeit. die eizelradaufhängung ist auch nur ein schlechter kompromiss der sich bei dem konzept leider kaum umgehen lässt. wobei eine differential lose elektrifiezierte starrachse das hätte was. zum schluss noch hydraulische lenkung über ein lenkorbitrol lässt dich in deutschland meines wissens nach nicht zulassen. dennoch find ich das konzept für ein kleines elektrisch betriebenes transportfahrzeug gut.falls ich ihnen ein paar ideen geben soll schreiben sie mich ruhig an aber so verkaufen sie das teil nicht.
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