Kult-Karosse Breschnew-Mercedes für 103.600 Euro versteigert

Vor mehr als 40 Jahren soll einst Sowjet-Chef Leonid Breschnew mit dem Luxus-Gefährt kutschiert worden sein. Bei einer Versteigerung des deutschen Zolls erhielt ein deutscher Bieter den Zuschlag - für 103.600 Euro.


Potsdam - In den letzten Minuten vor Auktionsende kam es zu einer regelrechten Gebotsschlacht, sagte ein Sprecher des Potsdamer Finanzministeriums. Anfang Januar war die spektakuläre Versteigerung mit dem Mindestgebot von 52 500 Euro gestartet. in der Nacht zum Freitag, wenige Stunden vor Auktionsschluss, lag das höchste Gebot bei 80 300 Euro und damit noch deutlich unter dem Schätzwert von 105 000 Euro.

Breschnews Mercedes-600er-Limousine: Ein chromglänzender Traum für 103.600 Euro
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Der Zuschlag sei an einen Bieter aus Deutschland mit dem Pseudonym "buggy9" gegangen. "Wir wissen aber nicht, ob es ein Händler oder ein Strohmann war", sagte der Sprecher. Damit ist auch unklar, ob das handgefertigte Kult-Fahrzeug im Land bleibt. Der Höchstbietende hat jetzt zehn Tage Zeit um zu bezahlen und den Wagen abzuholen.

Das Finanzamt Potsdam, das den 1966 gebauten Wagen vor einigen Jahren gepfändet hatte und die Luxuskarosse auf der Internet-Auktionsseite des Zolls anbot, kann sich die Hände reiben. Der Kaufpreis des mehr als 40 Jahre alten Oldtimers war nach Angaben des Ministeriums das höchste jemals bei einer Zollauktion erzielte Gebot für ein Auto.

Es sei nicht nachweisbar, dass Kreml-Chef Breschnew (1906-1982) das Auto selbst benutzt habe, teilte das Finanzministerium mit. Doch der Mercedes 600 der Baureihe W100 gehörte anscheinend zu seinem Fuhrpark und war auf den Geheimdienst KGB in Moskau zugelassen. Anfang der 90er Jahre soll die Luxuskarosse nach Deutschland gelangt sein; erst im August 1994 waren die sowjetischen Truppen aus Ostdeutschland abgezogen.

Das 250 PS starke Gefährt hat etwa 90.000 Kilometer auf dem Tacho und eine besitzt eine Minibar. Das damalige Spitzenmodell zeichnet sich unter anderem durch massive Chrom-Stoßstangen, senkrechte Lampen, Holzfurnier im Innenraum, ein Schiebedach und Automatikgetriebe aus. Die luftgefederte Limousine kostete in der Basisversion etwa 50.000 DM und wurde in Handarbeit in rund elf Wochen gefertigt. Eine Schwachstelle hat der 5,40 Meter lange und 2,6 Tonnen schwere Schlitten jedoch - der Spritverbrauch liegt auf 100 Kilometer bei rund 25 Litern.

cjp/AFP/dpa



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