Kundenvorwurf Toyota-Reparaturen lösen Pedal-Problem nicht

Nach der Rückruf-Reparatur sollte das Problem eigentlich behoben sein: Etliche Toyota-Besitzer, deren Autos bereits wegen klemmender Gaspedale in der Werkstatt waren, haben sich bei der US-Verkehrsbehörde beschwert. Sie klagen darüber, dass ihre Wagen immer noch von selbst beschleunigen.

Toyota-Gaspedal: Der japanische Konzern sagt, das Problem sei rein mechanischer Natur
AP

Toyota-Gaspedal: Der japanische Konzern sagt, das Problem sei rein mechanischer Natur


New York/Los Angeles - Über acht Millionen Autos hat Toyota zurück in die Werkstätten beordert, um Probleme mit klemmenden Gaspedalen ein für allemal aus der Welt zu schaffen. Bei der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA sind seit Beginn des Rückrufs jedoch mindesten 15 Beschwerden von Toyota-Besitzern eingegangen. Sie hatten ihr Auto reparieren lassen - glauben jedoch, das Problem sei dadurch nicht gelöst worden.

NHTSA-Chef David Strickland forderte die Fahrer auf, sich zu melden. "Wir wollen darüber Bescheid wissen", sagte er dem "Wall Street Journal". Mitarbeiter seiner Behörde haben sich bereits mit den ersten Autofahrern kurzgeschlossen, die sich beschwert hatten. Bislang gebe es aber noch keinen bestätigten Fall, sagte eine Sprecherin des Verkehrsministeriums, dem die Behörde untersteht.

In den Anhörungen vor dem US-Kongress hatten Experten und Abgeordnete bereits Zweifel daran geäußert, dass es sich um ein rein mechanisches Problem handelt. Toyotas US-Statthalter James Lentz räumte dann auch vor einer Woche ein, dass es für die Mehrzahl der gemeldeten Vorfälle keine Erklärung gebe.

Toyotas Chefkonstrukteur Takeshi Uchiyamada hatte bei seinem Auftritt vor dem US-Kongress am Dienstag Fehler in der Elektronik vehement ausgeschlossen. Das elektronische Gaspedal sei Standard in der Industrie und auch ausführliche Tests hätten keine Schwierigkeiten ergeben, sagte er.

Kritik an US-Behörden

Die neuen Beschwerden könnten auch für US-Verkehrsminister Ray LaHood unangenehme Fragen nach sich ziehen. Zahlreiche Abgeordnete hatten das Vorgehen der Verkehrssicherheitsbehörde als zu lax gebrandmarkt. Die Beamten unterhielten zu enge Kontakte zur Industrie, so der Vorwurf. LaHood versprach, die Elektronik in Toyota-Autos unter die Lupe zu nehmen.

Weltweit ruft Toyota mehr als acht Millionen Autos zurück, um Gaspedale und Fußmatten bei ihnen zu richten. Die meisten betroffenen Fahrzeuge sind in den USA zugelassen. Die NHTSA bringt mittlerweile 52 Todesopfer mit dem Phänomen der ungewollten Beschleunigung in Verbindung. Wegen aussetzender Bremsen müssen zudem knapp eine halbe Million Hybridfahrzeuge von Toyota in die Werkstätten.

Unterdessen haben die Angehörigen der in einem Lexus verunglückten amerikanischen Familie in Kalifornien Klage gegen den japanischen Autobauer eingereicht. Lexus ist die Premiummarke von Toyota. Der Fall der Familie Saylor hatte großes Medieninteresse auf sich gezogen und gilt als zentral für den Beginn der Rückrufaktion.

Der Ex-Polizist war mit seiner Frau, der 13-jährigen Tochter sowie seinem Schwager in einem geliehenen Lexus unterwegs gewesen, weil der eigene zur Überholung in der Werkstatt war. Der Klage zufolge beschleunigte der Wagen plötzlich von selbst und geriet trotz der Bremsversuche von Saylor außer Kontrolle. Das Auto habe bis auf fast 200 Stundenkilometer beschleunigt, bevor es auf ein anderes Fahrzeug auffuhr, sich überschlug und in Flammen aufging.

Die dramatischen letzten Momente der Familie wurden auf Band festgehalten, als einer der Insassen per Handy einen Notruf an die Polizei absetzte. Die Kläger fordern eine nicht spezifizierte Geldsumme von Toyota. Das Unternehmen erklärte, sich nicht zu laufenden Rechtsstreitigkeiten äußern zu wollen.

hil/AP/dpa/Reuters

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