Kunst auf Rädern Durchlöcherter Maybach auf dem Canal Grande

Die Marke Maybach hat ein Wahrnehmungsproblem. Andere Luxuslimousinen sind etwa bei Hochzeiten des Hochadels im Bild, doch die vor neun Jahren reaktivierte Daimler-Nobelmarke bleibt bei diesen Anlässen meist außen vor. Kunst-Engagement soll nun Aufmerksamkeit schaffen.

Von Jürgen Pander


Wie es mit der Luxusautomarke Maybach weiter geht, darüber gibt es vom Mutterhaus Daimler aktuell keine klare Aussage. Technische Neuheiten über die wuchtigen Limousinen, mit denen vor neun Jahren die Wiederbelebung der einstigen Luxusmarke begann, sind derzeit auch nicht zu vermelden. Dennoch versucht Maybach, vor allem in den einschlägigen Kreisen der Haute Volée im Gespräch zu bleiben - und zwar durch die Förderung zeitgenössischer Kunst. Kooperationen gibt es beispielsweise mit der Fondation Beyeler in Basel oder dem Louvre in Paris.

Außerdem wird derzeit der US-amerikanische Maler und Regisseur Julian Schnabel von der Wilhelm und Karl Maybach Stiftung unterstützt. Gerade erst präsentierte Maybach eine Ausstellung Schnabels parallel zur Kunstbiennale in Venedig im Museo Correr. Interessanter für die Autobauer aus Sindelfingen aber dürfte gewesen sein, was mehrere Tage lang auf einem Ponton im Canal Grande dümpelte. Das Kunstwerk hieß "The Ones You Didn't Write - The Maybach Car" und bestand aus einem durchlöcherten und bemalten Maybach.

Schnabel hatte die gepanzerte Limousine, die vom Beschussamt Ulm mit Pistolen- und Maschinengewehrsalven traktiert worden war, im sogenannten Center of Excellence der Marke in Sindelfingen gesehen und darum gebeten, aus diesem Auto ein Kunstwerk machen zu dürfen. Gemeinsam mit dem New Yorker Künstler Vahakn Arslanian, den Schnabel im Rahmen eines Mentoring-Programms fördert, haben die beiden die zersplitterten Scheiben des Autos mit Maschinengewehren und anderen Waffen bemalt. Vor Ort in Venedig dann erhielt die Karosserie noch eine Art Graffiti-Dekor aus Frauennamen in roter Farbe.

Aus dem gepanzerten und mit Einschusslöchern übersäten Maybach 62 soll übrigens kein Museumsobjekt werden, sondern das Auto soll wieder ganz normal über die Straßen rollen. Schnabel will den Wagen gegen Ende des Jahres an seinem Hauptwohnsitz in New York, wo er sich eine ehemalige Parfumfabrik in einen venezianischen Palazzo umgestalten ließ, fahren. Vorher aber werden die Einschusslöcher versiegelt und es wird eine neue, unversehrte Windschutzscheibe eingesetzt.

Autowracks und Todessehnsucht

Die Kunstbiennale in Venedig nutzte nicht nur Maybach für eine Markeninszenierung, sondern auch BMW. Die Münchner Autobauer feierten in der Lagunenstadt 40 Jahre internationales Kulturengagement. Einen Auftritt hatte die weiß-blaue Marke im ungarischen Pavillon der Kunstbiennale. Die Künstlerin Hajnal Németh zeigte dort eine Installation mit einem BMW-Unfallwagen sowie Videoaufnahmen aus dem BWM-Werk Leipzig.

Ein Unfallwagen, eine zerschossene Limousine - offenbar assoziieren Kreative vor allem düstere Szenarien mit dem Automobil. Und nicht nur mit dem Automobil. Der dänische Künstler Kristian van Hornsleth bemalte zehn Ducati-Sportmotorräder mit einem grellbunten, psychedelischen Muster und schrieb dann in großen, weißen Lettern einen makaberen Befehl auf die Verkleidung: "Kill me fast."

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
glen13 10.06.2011
1. ...
Zitat von sysopDie Marke Maybach hat ein Wahrnehmungsproblem. Andere Luxuslimousinen sind etwa bei Hochzeiten des Hochadels im Bild, doch die vor neun Jahren reaktivierte Daimler-Nobelmarke bleibt bei diesen Anlässen meist außen vor. Kunst-Engagement soll nun Aufmerksamkeit schaffen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,767567,00.html
Ob durch diese Kunst mehr Maybach verkauft werden, bezweifel ich ganz stark. Ist wohl nicht zielgruppengerecht. Mir erschließt sich das Ansinnen des Künstlers nicht, wahrscheinlich liegts an mir........
buutzemann 10.06.2011
2. Der Maybach sieht ganz einfach sch...e aus.
Ein rundgelutschtes Zäpfchen, eine geschwollene Badewanne, ein Pornoarabertraum. Den kann man durch Kunst nicht adeln (welch billigster Trick), den kann man nur von Grund auf neu designen. Und auch das geht nicht mehr: Denn ein perfektes Auto darf keinen unperfekten Vorgänger haben. Also: Produktion einstellen.
christian2210 10.06.2011
3. Einfach nur pervers ...
Jeder Mercedes-Käufer finanziert diesen Schwachsinn! Die halbe Million Euro hätten die Schwaben besser für wohltätige Zwecke gespendet. Aber das hätte wohl nicht so einen Presserummel gegeben.
TheCabal, 10.06.2011
4. Kunst?
Was bitte ist daran Kunst? In Zeiten wie diese, ist es total krank, wieviele Menschen jeden Tag nur soviel Dünnschiss in die Welt setzen können und es als "etwas" verkaufen tun.
mayer60 10.06.2011
5. Bitte zuerst nachdenken!
Zitat von christian2210Jeder Mercedes-Käufer finanziert diesen Schwachsinn! Die halbe Million Euro hätten die Schwaben besser für wohltätige Zwecke gespendet. Aber das hätte wohl nicht so einen Presserummel gegeben.
Denken Sie doch bitte erstmal nach, bevor Sie soetwas posten! Der Transport von Sifi nach Venedig kostet Daimler im Grunde nur den Sprit für den firmeneigenen Transporter. Und der "Künstler" kauft sich einen Eimer Farbe und malt das Ding an. Die Aktion kostet Daimler also fast nix.
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