Ängstliche Autofahrer Panik an Bord

Rund eine Million Menschen leiden laut einer Schätzung unter Panik am Steuer, für sie ist Autofahren eine Nervenfolter. Aber die Furcht lässt sich unter Kontrolle bringen - in Berlin gibt es für Betroffene die "Angsthasen-Runde".

Tunneleinfahrt: "Ängste muss man ernst nehmen"
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Tunneleinfahrt: "Ängste muss man ernst nehmen"


Berlin/Bonn - Für viele Autobesitzer ist das Fahren mehr als eine Qual. Ihre Hände werden am Lenkrad schweißnass, das Herz rast. Sie haben Angst zu versagen und fürchten, einen Unfall zu verursachen.

Nach Schätzungen des ADAC kennen in Deutschland mindestens eine Million Autofahrer solche Situationen im Straßenverkehr. Doch ihnen kann geholfen werden - zumindest ein bisschen.

Auslöser für die Ängste kann ein traumatisches Erlebnis wie ein Unfall sein. So muss laut einer Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) nach einem Verkehrsunfall ein Viertel aller Schwerverletzten mit psychischen Folgen rechnen. Oft ist das eine sogenannte Agoraphobie, bei der Menschen vor bestimmten Orten oder Situationen Panik bekommen. Das können die Fahrten in fremde Städte, Tunnelfahrten oder bestimmte Wetterbedingungen wie Regen, Schneefall oder auch Dunkelheit sein, sagt Sven Rademacher vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).

"Die Angst kann aber auch in negativen Selbstbildern begründet sein", sagt er. Solche Menschen denken, sie seien schlechte Fahrer und würden andere behindern. Auch wer nie Fahrroutine entwickelt habe, könne unter Unsicherheiten leiden.

Einberufung der "Angsthasen-Runde"

"Ängste muss man ernst nehmen. Nach einem Parkrempler kann man zwar viel üben, aber man muss auch die Angst vor dem Versagen nehmen", sagt Frank Müller. Der 71-Jährige ist Fahrlehrer in Berlin und betreut seit rund 20 Jahren ängstliche Fahrschüler. In Zusammenarbeit mit einem Therapeuten entstand die Idee mit den speziellen Kursen und auch das Ratgeberbuch "Keine Angst mehr hinterm Steuer".

In seine "Angsthasen-Runde" kommen jeden Monat rund zehn Schüler, die über ihre Probleme und Katastrophengedanken reden wollen. Es seien weniger Fahranfänger, die seinen Rat suchen, sondern Autofahrer zwischen 30 und 60 Jahren. Rund 90 Prozent davon seien Frauen.

Bundesweit gibt es nur wenige Fahrschulen, die besondere Programme für ängstlichen Schüler entwickelt haben. In einer davon ist die Diplompsychologin und Fahrlehrerin Alexandra Bärike aus Köln tätig. Maria Steinweg, Fahrlehrerin und Fahrpädagogin, bietet in Hamburg ähnliche Kurse an. Auch der ADAC Berlin-Brandenburg hat ein spezielles Angebot gegen Angst vor dem Autofahren im Programm.

Lieber mal laut werden

Fahrlehrer Müller rät Autofahrern zu einer Routine gegen Nervosität: "Während der Fahrt kann man laut reden, das beruhigt den Atem und bringt den Verstand zurück. Auch der Gedanke an ein schönes Erlebnis kann die Angst eindämmen." Übungen zur Muskelentspannung und frische Luft können ebenfalls helfen. Wenn möglich, sollten verunsicherte Fahrer nicht mehr alleine im Auto sitzen. Eine Vertrauensperson, die das Verhalten beobachtet, kommentiert, ermuntert, lobt und hilft.

Für DVR-Mann Rademacher ist die Ausprägung der Angst entscheidend: "Nimmt sie das Ausmaß von Panikattacken an, ist therapeutische Begleitung sicherlich unabdingbar." Ansonsten helfe es, mit einem Fahrlehrer die Verkehrssituationen zu üben, die Angst machen. Fahrlehrer Müller lässt seine Schützlinge auch bewusst Fehler machen, um diese dann zu korrigieren. "Dann merken sie, dass es gar nicht so schlimm ist", sagt er.

Ansonsten spricht Müller viel mit den Schülern. "Bei den Stunden für Fahrängstliche fahren wir ungefähr die Hälfte der Zeit, die andere Hälfte reden wir über die Angstgedanken", sagt er. Dass die Betroffenen irgendwann ganz ohne Angst ein Auto bewegen können, glaubt er indes nicht. Vielmehr sei das Ziel, Ängste zu kontrollieren und damit gut umgehen zu können. Und dazu hilft nur: üben, üben, üben.

Von Fabian Hoberg, dpa

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der_joerg 08.10.2014
1. Ach so,
Ach so, das sind die, die Tempo 120 auf Autobahnen fordern. Passt, denen kann mit Kursen geholfen werden.
rgelius 08.10.2014
2. Wer tut endlich mal was...
...gegen diese Linke-Spur-Blockierer, Kreisverkehr-Versager oder sonstigen "unwilligen" Verkehrsteilnehmer? Ich spreche hier von Beispielen, in welchen man sich u.a. LANGSAM einem Objekt auf der linken Autobahn-Spur nähert, einen genügenden Abstand lässt, der aber trotzdem klar macht, daß man "vorbei" möchte - rechte Spur natürlich völlig frei. Aber in solchem Fällen wird man ja direkt als "Raser" tituliert - lächerlich... Vieleicht gibts für uns normale Fahrer auch bald eine Bezeichnung wie für die "Islamophoben" oder so...
dancar 08.10.2014
3. so jemand kenne ich!
Kann ich bestätigen; bin Anfang August in Konstanz einer ängstlichen Autofahrerin "begegnet" - an einer mir nicht bekannten Blitzampel. 2 spurige Ausfallstrasse mit 60k/h erlaubt, entspricht 18m/sec. Ca. 50m vor Ampel, die Grün war, kurzer Blick aufs Navi und 1 Sekunde später hat´s geknallt: mein Auto hatte wirtschaftlichen Totalschaden. Ist die Dame doch wegen beginnender "Gelbphase" voll auf die Bremse gestiegen, ca. 15-20m vor der Ampel. Die Gelbphase dauert dort aber 2,5 Sekunden! Ich werde diesen Kurs der Dame empfehlen und hoffe, dass durch meinen "Bumser" die Dame zukünftig (so wie es sich gehört) bei "Gelb" über die Ampel fährt, was gefahrlos möglich gewesen wäre und immer sein wird.
zylmann 08.10.2014
4. Auch ich habe Angst
im Straßenverkehr. Und die könnte therapiert werden, wenn Verkehrsteilnehmer auf Baustellen die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit NICHT überschreiten. Sie gefährden die Bauarbeiter, sie gefährden die anderen Fahrzeuge. Ich habe Angst vor PKW fahrern, die fast Huckepack auf ihrem Vorfahrer sitzen. Und dann frage ich , müssen wir bei Fahrbahnwechsel nicht mehr blinken und überhaupt, wo bleibt die Kontrolle dieser Vergehen. Das sind keine Einzelfälle sondern ein wachsendes großes Problem. Und wie will man ein wachsendes großes Problem therapieren? Fazit , die Angst vieler Fahrer wird ebenfalls wachsen!
cypeak 08.10.2014
5. naja..nicht ganz abwegig...
wenn man sich nur mal in deutschen großstädten umsieht, wie gefahren wird und wie die rücksicht auf andere verkehrsteilnehmer ist, so ist der gedanke das einige menschen damit probleme haben könten, nicht weit. auch auf unseren autobahnen muss man machmal auch ohne "angst hinterm steuer" wirklich angst um sein leben haben.
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