L.A. Auto Show Mit viel Geld und guter Laune

Wenn Automanager auf den US-Markt blicken, haben sie wenig Grund zur Klage. Wie gut die Stimmung ist, sieht man auf der LA Autoshow: Im Rampenlicht stehen vor allem Luxuskaleschen und Kraftmeier - viele davon kommen aus Deutschland.

Tom Grünweg

Aus Los Angeles berichtet


Das Dorado für die Autohersteller liegt in China, für keinen anderen Markt gibt es vergleichbar optimistische Wachstumsprognosen. Doch es wäre ein Fehler, sich nur noch darauf zu konzentrieren. "Man darf Amerika nicht abschreiben", sagt Ola Källenius. Er ist der Chef der schnellen Mercedes-Tochter AMG und hatte den bis vor kurzem noch größten Automobilmarkt der Welt besonders genau im Blick. Immerhin geht im Schnitt jedes zweite Auto aus Affalterbach über den Atlantik. "Und das wird auch noch eine ganze Zeit lang so bleiben", ist Källenius überzeugt.

Der Grund für die Zuversicht: Die Krise, die speziell die großen Drei aus Detroit vor zwei Jahren heftig durchschüttelte, ist vorbei und vergessen. Und noch besser: Die Kunden sind sehr viel solider geworden. "Wo früher auf Pump gekauft wurde, wird jetzt wieder mit echtem Geld bezahlt", sagt Källenius.

Davon gibt es in und um Los Angeles besonders viel. Nirgendwo werden so viele Luxusautos und Sportwagen verkauft wie rund um die Metropole am Pazifik, in den Hollywood Hills und im Orange County. Dort sitzt der umsatzstärkste Porsche-Händler der Welt, hier verkauft AMG mehr als ein Viertel seiner gesamten Fahrzeugproduktion, jedes zweite Cabrio von Bentley fährt über den Wilshire Boulevard und den Rodeo Drive, es gibt die größte Ferrari-Dichte außerhalb von Maranello. Und wo sonst fährt man mit einem Bugatti Veyron zum Shoppen?

Kein Wunder also, dass die europäischen Nobelmarken auch auf der L.A. Auto Show besonders prominent vertreten sind, die am Wochenende ihre Tore für das Publikum öffnet. Källenius zum Beispiel zeigt hier seinen neuen ML 63 AMG, der mit einem 557 PS starken V8-Motor aufwartet und beim Verkaufsstart im nächsten Frühjahr zum kraftvollsten SUV auf dem deutschen Markt wird. Trotzdem ignoriert auch dieses Auto nicht die Zeichen der Zeit: "Wir konnten den Verbrauch um rund 30 Prozent senken", wirbt Källenius.

Panamera GTS mit 30 Extra-PS

Genau so gelöst und zufrieden wie AMG-Mann wirkt Porsche-Chef Matthias Müller. Er bezeichnet Amerika und insbesondere Kalifornien als "die zweite Heimat" der Sportwagenmarke und bittet hier nicht nur zu den ersten Testfahrten mit dem neuen 911. Während das Coupe seine Runden in Santa Barbara dreht, enthüllt der Sportwagenhersteller im LA Convention Center schon die nächste Neuheit: Den Panamera GTS. Der Gran Tourismo, der in Beverly Hills so gewöhnlich ist wie bei uns ein Passat, legt in dieser Variante noch einmal 30 PS zu, ist etwas tiefer gelegt, sieht mit dem breiten Bug des Turbos noch aggressiver aus und ist vor allem spürbar strammer abgestimmt. In den Handel kommt der 430 PS starke V8-Viertürer im April, und die Preise beginnen bei 116.716 Euro.

Auf hohe Leistung setzt auch Audi, deren R8 Spyder umlagert ist von Menschen, die vermutlich über eine eigene Rennstrecke verfügen. Denn wer diesen Audi auch nur im dritten Gang unter den Augen der Highway Patrol voll ausfährt, riskiert einen längeren Aufenthalt hinter Gittern.

Mit ihrem potenten Cabrio stehen die Ingolstädter allerdings nicht allein. Auch Jaguar weiß, was die Reichen und Schönen wollen und stellt dem Jetset für die Ausfahrt auf dem Pacific Coast Highway eine offene Version des XKR-S hin: Sein 550 PS starker V8-Motor prügelt den Briten auf bis zu 300 km/h und macht ihn zum schnellsten Cabrio in der Jaguar-Geschichte. Selbst VW lässt die Schöngeister ans Werk und rückt den frisch gelifteten CC ins Rampenlicht. Das viertürige Coupe bekommt modernisierte Motoren und ein wenig neue Schminke, büßt aber vor allem den Beinamen Passat ein. Mit Blick auf den rund 20.000 Dollar günstigeren US-Passat könnte das sonst zu Irritationen führen.

Toyota und Co. unter "ferner liefen"

Wo alle Welt nach Glanz und Gloria schreit, wird die Luft für die sonst in Amerika so erfolgsverwöhnten Asiaten deutlich dünner. Die Show machen dort nicht Toyota, Kia oder Hyundai. Und wenn überhaupt, dann sind es die Marken aus der zweiten Reihe, die in Los Angeles mit Neuheiten wie dem auch für Europa bestimmten Geländewagen Honda CR-V, der Subaru-Ausgabe des Toyota FT-86 (LINK), einem vom James-Dean-Porsche inspirierten Mazda MX-5 Speedster oder dem gewaltigen Infiniti JX ins Blickfeld rücken.

Gut gelaunt und frohen Mutes zeigen sich bei ihrer letzten Heimatmesse des Jahres auch die Amerikaner. Haben sie in den letzten Jahren noch ein Trauerspiel aufgeführt und ihre Autos lustlos auf leeren Ständen präsentiert, strotzen sie nun wieder vor Saft und Kraft. Davon zeugen potente Sportversionen von Ikonen wie dem Ford Mustang, der als Shelby GT nun auf 659 PS kommt, oder dem Chevrolet Camaro, der als ZL1 mit 587 PS in 7:41 Minuten die Nordschleife umrundet. Und davon zeugt der neue Cadillac XLT, der so etwas wie die amerikanische S-Klasse sein möchte. Rund fünf Meter lang, fährt er mit einem 305 PS starken Sechszylinder, Allradantrieb und einem Komfortfahrwerk mit magnetischer Dämpferverstellung.

Die wichtigste US-Neuheit ist allerdings der Ford Escape. Denn nach dem Focus ist dieser Geländewagen das zweite Weltmodell aus Detroit und kommt im nächsten Jahr als neuer Kuga auch zu den europäischen Händlern. Nur Chrysler spielt da nicht ganz mit, zeigt in Los Angeles lediglich bekannte Kost und lässt die Bühne frei für die Premiere des Fiat 500 Abarth. Dafür lässt der kleinste der großen Drei mit riesigen Schriftzügen keinen Zweifel daran, wo seine Neuheiten stehen werden. "Born in Detroit." Das kann man auch als Einladung zur nächsten Messe verstehen - acht Wochen später und vier Flugstunden weiter im Osten.



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Seite 1
dröhnbüdel 18.11.2011
1. L.A. Auto Show
Der Artikel ist ein hervorragendes Argument für ein allgemeines Tempolimit auch in Deutschland. Wenn die PS-Protze von Porsche, Mercedes AMG, Bentley & Co. sich so gut in einem Tempo-100-Land verkaufen, warum denn auch nicht bei uns? Alles andere ist nur Geschrei von der Bleifuß-Lobby beim ADAC und den Autoherstellern. Allerdings könnte ich meine Rente dafür verwetten, dass man spätestens in zehn Jahren auch in Deutschland nirgends mehr schneller fahren darf als 120 oder 130.
dorpf 18.11.2011
2. ..
Zitat von dröhnbüdelDer Artikel ist ein hervorragendes Argument für ein allgemeines Tempolimit auch in Deutschland. Wenn die PS-Protze von Porsche, Mercedes AMG, Bentley & Co. sich so gut in einem Tempo-100-Land verkaufen, warum denn auch nicht bei uns? Alles andere ist nur Geschrei von der Bleifuß-Lobby beim ADAC und den Autoherstellern. Allerdings könnte ich meine Rente dafür verwetten, dass man spätestens in zehn Jahren auch in Deutschland nirgends mehr schneller fahren darf als 120 oder 130.
Die Forderung an ein allgemeine Geschw.begrenzung finde ich nicht ausreichend durchdacht. Meiner Meinung nach sollten die Autobahnen in der BRD mit stetigen Regelanlagen, die Wetter und Verkehr beobachten ausstatten. Bei viel Verkehr kann dadurch der Verkehr flüssiger und damit umweltschonender beeinflusstt werden, bei Nebel/Schnee auf z.B. 80km/h reduziert werden und wenn gar nichts anliegt oder man den Verkehr enzerren will, ist halt eben frei.
captndelta 18.11.2011
3. .
Zitat von dröhnbüdelDer Artikel ist ein hervorragendes Argument für ein allgemeines Tempolimit auch in Deutschland. Wenn die PS-Protze von Porsche, Mercedes AMG, Bentley & Co. sich so gut in einem Tempo-100-Land verkaufen, warum denn auch nicht bei uns? Alles andere ist nur Geschrei von der Bleifuß-Lobby beim ADAC und den Autoherstellern. Allerdings könnte ich meine Rente dafür verwetten, dass man spätestens in zehn Jahren auch in Deutschland nirgends mehr schneller fahren darf als 120 oder 130.
... ich fahr hier (in Californien) gewoehnlich so 130-140km/h. Ist echt enspannend.
manni-two 18.11.2011
4. ein noch besseres Argument
Zitat von dröhnbüdelDer Artikel ist ein hervorragendes Argument für ein allgemeines Tempolimit auch in Deutschland. Wenn die PS-Protze von Porsche, Mercedes AMG, Bentley & Co. sich so gut in einem Tempo-100-Land verkaufen, warum denn auch nicht bei uns? Alles andere ist nur Geschrei von der Bleifuß-Lobby beim ADAC und den Autoherstellern. Allerdings könnte ich meine Rente dafür verwetten, dass man spätestens in zehn Jahren auch in Deutschland nirgends mehr schneller fahren darf als 120 oder 130.
wer langsam fährt wird beim Angeben besser gesehen und erkannt.
FoxhoundBM 18.11.2011
5. ...
Zitat von dröhnbüdelDer Artikel ist ein hervorragendes Argument für ein allgemeines Tempolimit auch in Deutschland. Wenn die PS-Protze von Porsche, Mercedes AMG, Bentley & Co. sich so gut in einem Tempo-100-Land verkaufen, warum denn auch nicht bei uns? Alles andere ist nur Geschrei von der Bleifuß-Lobby beim ADAC und den Autoherstellern. Allerdings könnte ich meine Rente dafür verwetten, dass man spätestens in zehn Jahren auch in Deutschland nirgends mehr schneller fahren darf als 120 oder 130.
In den USA gibt genügend Rennstrecken und Vietelmeilen-Strecken, auf denen man am Wochenende seinem Porsche mal die Sporen geben kann. Die hohen PS-Zahlen in den USA resultieren hauptsächlich auf der Robustheit der großvolumigen V6 und V8-Motoren. Falls doch mal was kaputt geht sind die Dinger auch sehr einfach zu reparieren. Das die Amis den gewaltigen Anfahr-Bums an der Ampel lieben, sollte natürlich auch klar sein. Desweiteren sind die USA kein Tempo-100-Land. Die einzelnen Staaten legen ihre eigenen Tempolimits fest. Mal ein paar Beispiele: - auf zweispurigen Highways gelten 55 mph (89 km/h) - auf Interstate Highways Staat zwischen 60 und 75 mph (96-121 km/h) - in Texas darf man in einigen Countys 80 mph (129 km/h) fahren - das niedrigste Tempolimit hat Hawaii mit 60 mph (96 km) Diese Tempolimits haben die Verkehrssicherheit übrigens nur als zweiten Grund. Der Hauptgrund ist die Senkung des Flottenverbrauchs. Wer mal mit dem Auto durch die USA gefahren ist, wird feststellen, wie wenig ein V6 oder V8 verbrauchen kann. Vor eineinhalb Jahren hab ich mit einem Kumpel, der drüben studiert, eine kleine Rundreise gemacht. Wir hatten als Mietwagen einen Dodge Avenger R/T AWD, also einen Midsize Sedan. Der hatte u.a. einen 3.5 Liter V6 mit 235 PS und 6-Stufen-Automatik sowie Allradantrieb. (2008er Modell) http://www.netcarshow.com/dodge/2008-avenger_rt/ Ein herrliches Reise-Auto. Viel Platz, kerniger Sound, giftiger Antritt. Wir haben auf der ganzen Fahrt (55-75 mph) im Durchschnitt 8,1 l/100 km (29 miles per galon) verbraucht.
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