Los Angeles Motorshow So sehen die Autos der Zukunft aus

Ein Pkw, der zum Parken die Wände hochgeht oder über Mauern springt: Der Designwettbewerb der L.A.-Motorshow zeigt mutige Fahrzeug-Fiction. Im Speckgürtel der Filmindustrie betreiben alle Hersteller eigene Kreativstudios - und suchen den automobilen Blockbuster von morgen.

Saic

Von Fabian Hoberg


Das Gefährt springt über die Straße, hüpft Schneehügel hinauf und lässt hohe Mauern unter sich zurück. Mit dem Suba-Roo scheint kein Weg zu steinig, kein Verkehrsproblem unlösbar. Einziger Haken: Das känguruähnliche Springfahrzeug stammt aus dem Jahr 2025, zumindest wenn es nach den Designern von Subaru geht. Auch der Roewe Mobiliant von Saic Motor China, eine Kreuzung aus Ameise und Trompetenbaum, kann mehr als nur eine Person transportieren. Er klebt sich zum Parken an die Hauswand.

Am Rande der L.A.-Autoshow werden Designentwürfe für Autos von übermorgen prämiert. Der Kreativwettbewerb produziert bizarre Ideen und abgedrehte Funktionen, die eher unrealistisch sind - zumindest aus heutiger Sicht. Gefordert ist ein losgelöster Weitblick. Einer, der keine Angst vor Visionen hat.

Der Wettbewerb ist ein Spielplatz für Designer, die bei den größten Studios der Region angestellt sind, zum Beispiel dem Hyundai Design and Research Center, dem Mercedes-Benz Advanced Design Center California, bei Toyota Calty Design Research oder Nissan Design America. Fast alle großen Autohersteller haben rund um Los Angeles eigene Designabteilungen gegründet. "Los Angeles ist immer noch der wichtigste Designstandort weltweit mit enormer Strahlkraft", sagt Design-Professor Lutz Fügener von der renommierten Hochschule in Pforzheim.

Autos wie fahrende Ameisen oder hüpfende Kängurus

Stehen auf anderen Messen oft nur seriennahe Studien, folgt der Wettbewerb in den USA jedes Jahr einem abgedrehten Motto. Dieses Jahr ist es "Biometrik und Mobilität 2025 und die Antworten der Natur auf Herausforderungen für die Menschheit". Die Fahrzeuge müssen sich an der Natur orientieren, gerne biometrisch funktionieren oder besonders ökologisch sein.

Neben dem mechanischen Känguru und der fahrenden Ameise zeigen die Designer noch Fahrzeuge im Wettbewerb, die an Schilf, Kranich oder Samenkörner erinnern. Die Natur als bestes Forschungslabor der Autoindustrie? Einige Designer nehmen das ernst. Zur Teilnahme am Wettbewerb müssen sie allerdings auch keine maßstabsgetreuen Studien bauen, sondern lediglich aussagekräftige Zeichnungen einreichen.

Es ist kein Zufall, dass gerade L.A. einen Wettbewerb für mutiges Zukunftdesign auslobt. Im Automobilbereich spielt der Bundesstaat Kalifornien oft eine Vorreiterrolle - wie beispielsweise bei seinen strengen Abgasregeln. "An der Westküste wird Autofahren noch zelebriert und es werden weltweite Trends gesetzt: für Design, für die Autos und für die Käufer", sagt Design-Professor Fügener.

In Kalifornien wird Meinung fürs ganze Land gemacht

Auch das Silicon Valley mit seinen Computerkonzernen und Start-up-Unternehmen ist nicht weit entfernt. "In Kalifornien leben viele Prominente, Schauspieler und Musiker. Hier wird Meinung fürs ganze Land gemacht", sagt Fügener. Allein wegen der Filmindustrie in Hollywood schauen nicht nur die restlichen Staaten der USA, sondern gleich die halbe Welt auf den Küstenstreifen zwischen San Francisco und San Diego. Angehende Autodesigner lassen sich an der anerkannten Uni in Pasadena ausbilden.

Als erster Hersteller begreift das Toyota. 1973 siedelt sich ein kleines Team in einem Design-Biotop in El Segundo an. Dort sollen die Mitarbeiter des Calty Design Research leben und verstehen, wie die Amerikaner ticken. Um genau an deren Bedürfnisse angepasst künftig Autos zu entwickeln. Heraus kommt wenig später die zweite Generation des Celica - ganz nach dem Geschmack der Amerikaner. Heute arbeiten in El Segundo rund hundert Designer für die Marken Toyota, Lexus und Scion.

Um die weltweit unterschiedlichen Trends und Strömungen aufzusaugen, unterhält auch der Daimler-Konzern nicht nur in Sindelfingen, China, Japan und Italien, sondern auch in den USA Designstudios. "Durch die Formensprache wird die Marke gestaltet", sagt Daimler-Chefgestalter Gordon Wagener. "Das muss international ankommen." Ein Fahrzeug nur für einen Markt zu entwickeln, wie zum Beispiel Deutschland, wäre nicht nur teuer, sondern auch sehr riskant. Floppt das Produkt dort, kann es auch nicht in anderen Märkten eingesetzt werden.

Volkswagen entwickelt Autos für den amerikanischen Geschmack

Volkswagen ist eine der wenigen internationalen Marken, die Fahrzeuge speziell für den amerikanischen Markt entwickelt. Damit möglichst viele Einflüsse aus verschiedenen Ländern und Kulturen ins Blech finden, beschäftigt Volkswagen in sieben internationalen Studios rund 650 Mitarbeiter. "Diese kulturelle Vielfalt bringt durch verschiedenste Blickwinkel inspirierende Einflüsse", sagt VW-Chefdesigner Klaus Bischoff.

Neben Los Angeles wird Tokio immer mehr zum Design-Hot-Spot. "Die Japaner haben die Verkehrsprobleme, die wir haben, immer ein paar Jahre früher", weiß Lutz Fügener. Dazu zählen Platznot, Umweltanforderungen und Standortprobleme. Japan verstehen heißt, Europa übermorgen zu verstehen.

Aber auch die neuen wichtigen Absatzmärkte wie China und Indien ziehen die Entwickler und Ingenieure an, um neue Kreativ-Biotope zu gründen. Um vielleicht eines Tages mit einem Fahrzeug wie ein Känguru durch die Gegend zu hüpfen oder wie eine Ameise an der Fassade eines Hauses zu parken.



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Seite 1
spon_2340827 25.11.2013
1.
Insbesondere dieses Roewe Mobiliant sieht aus, wie man sich die Zukunft in den 80ern vorgestellt hat - so um 2000 rum vermutlich. Damit sieht es nicht besonders nach Zukunft aus, sondern eher nach den 80ern und noch früheren Science-Fiction Spinnereien. Jetzt ist bald 2014 und wir haben immer noch nicht die versprochenen fliegenden Autos. Ist vermutlich auch besser so wenn man sich anschaut, wie die Leute schon auf der Strasse fahren, da muss man nicht noch an Wänden und in der Luft damit anfangen. Aber der Individualverkehr hat in den Megacities eh keine Zukunft mehr.
kjell_h 25.11.2013
2. Alles Einsitzer?
Auf den Bildern sieht das so aus, als wären das alles Einsitzer. Und ohne größeren Kofferraum. Den Einkauf für die Familie braucht man ja auch nicht ins Auto zu bekommen, wenn schon für die Familie kein Platz ist.
founder 25.11.2013
3. Was soll der Unsinn?
Schon das erste Photo ist schockierend unrealistisch. Viel Auto und eine Person in der Mitte. Der Trend geht aber zur besseren Raumausnutzung. Wo in den üblichen Autos von heute vorne ein riesiger fossiler Motor fix verbaut ist, gibt es beim Tesla S einen zusätzlichen Kofferraum. Bessere Raumausnutzung durch Elektrotechnik bedeutet den Nutzwert eines Minivans im Design einer Sportlimousine unter zu bringen.
founder 25.11.2013
4. 200 Millionen Elektroroller beweisen das Gegenteil
Zitat von spon_2340827Insbesondere dieses Roewe Mobiliant sieht aus, wie man sich die Zukunft in den 80ern vorgestellt hat - so um 2000 rum vermutlich. Damit sieht es nicht besonders nach Zukunft aus, sondern eher nach den 80ern und noch früheren Science-Fiction Spinnereien. Jetzt ist bald 2014 und wir haben immer noch nicht die versprochenen fliegenden Autos. Ist vermutlich auch besser so wenn man sich anschaut, wie die Leute schon auf der Strasse fahren, da muss man nicht noch an Wänden und in der Luft damit anfangen. Aber der Individualverkehr hat in den Megacities eh keine Zukunft mehr.
Ah,Individualverkehr hat keine Zukunft? Besser mal nach China schauen, dort ist die real existierende Zukunft des Individualverkehrs in Form von über 200 Millionen Elektrorollern.
donnerfalke 25.11.2013
5. Spinnerei
Zitat von spon_2340827Insbesondere dieses Roewe Mobiliant sieht aus, wie man sich die Zukunft in den 80ern vorgestellt hat - so um 2000 rum vermutlich. Damit sieht es nicht besonders nach Zukunft aus, sondern eher nach den 80ern und noch früheren Science-Fiction Spinnereien. Jetzt ist bald 2014 und wir haben immer noch nicht die versprochenen fliegenden Autos. Ist vermutlich auch besser so wenn man sich anschaut, wie die Leute schon auf der Strasse fahren, da muss man nicht noch an Wänden und in der Luft damit anfangen. Aber der Individualverkehr hat in den Megacities eh keine Zukunft mehr.
Eben. Das was wir haben ist noch schlimmer: SUV's mit 3.0-Dieselmotoren die jedes andere Auto zu Matsch fahren. Villeicht ist es besser dass diese Bonenzpanzer nicht in die Luft gehen, das wäre ja noch was. Und ansonsten Fahren die Autos immer noch mit dem Verbrennungsmotor und verpesten die Umwelt, und verbrauchen sogar mehr, weil die Automobilindustrie mit Gewinnspanne und Kostenreduzierung beschäftigt ist. Ziemlicher Schwachsinn dieser "Seins-Fiktion-Blödsinn":
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