Neuartiger Blitzer Niedersachsen jagt Raser mit bundesweit erstem Streckenradar

Die Polizei hat bei Hannover eine neuartige Radarfalle in Betrieb genommen. Sie ermittelt die durchschnittliche Geschwindigkeit von Autos auf einem 2,2 Kilometer langen Straßenabschnitt mit mehreren Kameras.

Bundesstraße B6 bei Hannover
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Bundesstraße B6 bei Hannover


Auf der Bundestraße 6 bei Hannover ist am Montag das bundesweit erste Streckenradar in Betrieb gegangen. Die Anlage ermittelt die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos, die den 2,2 Kilometer langen Straßenabschnitt bei Laatzen durchfahren. Etwa 15.500 Autos passieren diesen Bereich täglich, auf dem Tempo 100 gilt. Zuvor hatten die Behörden die Anlage vier Wochen lang getestet, aber keine Bußgelder erhoben.

Mit der sogenannten Section Control wolle Niedersachsen die Zahl der Tempoverstöße reduzieren, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD): "Section Control ist ein vielversprechender Ansatz, um die Verkehrssicherheit auf unseren Straßen weiter zu erhöhen." Eine Geschwindigkeitsmessung über einen längeren Streckenabschnitt sei gerechter als Blitzer an einem Ort. Weiterer Vorteil: Autofahrer setzten beim Streckenradar nicht zu einem abrupten Bremsmanöver an wie vor einzelnen stationären Radarfallen.

Österreich nutzt Streckenradar seit 15 Jahren

Bei dem nun freigegebenen System fotografiert eine Kamera jedes Auto, das in den überwachten Streckenabschnitt einfährt. Die Aufnahme wird aus Datenschutzgründen zunächst verschlüsselt - ebenso wie das zweite Foto, das beim Verlassen des Abschnitts erstellt wird. War der Fahrer zu schnell, fertigt das System ein drittes, klassisches Blitzerfoto an, auf dem das Gesicht des Fahrers zu erkennen ist.

In anderen EU-Staaten wie Belgien oder den Niederlanden nutzen Behörden Streckenradar schon seit Jahren, weil sie weniger strenge Datenschutzbestimmungen zu berücksichtigen haben. In der österreichischen Hauptstadt Wien wurde die erste Anlage dieser Art vor 15 Jahren aufgestellt. Seitdem ist die Zahl der Unfälle im angrenzenden Tunnel Kaisermühlen um 50 Prozent gesunken.

Laut dem niedersächsischen Innenministerium soll das Streckenradar bei Hannover zunächst bis Juni 2020 erprobt werden.

cfr/dpa



insgesamt 214 Beiträge
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radnabe 14.01.2019
1. genial
Schnell abbremsen vor dem Blitzer nützt jetzt nichts mehr. Theoretisch könnte man ein Stück rasen und dann zum Ausgleich ein Stück schleichen, aber das macht wohl kaum jemand.
sponuser936 14.01.2019
2. Beginn der Vollüberwachung im Strassenverkehr
Irgendwann hat jeder ein GPS Modul im Auto, das automatische alle Daten zu den Behörden schickt. Wenn das System einen Fahrverstoss bemerkt, wird dann direkt der Fahrer bestraft. Mit Fingerabdruck darf er dann auch gleich noch im Auto direkt bezahlen.
langenscheidt 14.01.2019
3. Noch besser
In dem Bereich rasen und irgendwo auf der 2,2km-Strecke anhalten und Pinkelpause machen oder fröhlich vorbeifahrenden Fahrzeugen zuwinken. Danach kann weitergerast werden. Es wird beim Streckenradar nicht die Geschwindigkeit sondern die Fahrzeit von Anfang bis Ende gemessen und daraus die Geschwindigkeit ermittelt.
Pragmatiker 307 14.01.2019
4. Sehr gut!
Jetzt noch alle Autos bauartbedingt auf 120 km/h drosseln, dann wären wir in Bezug auf die Umwelt, Verkehrssicherheit und schnelleres Vorwärtskommen einen riesigen Schritt weiter.
Sleeper_in_Metropolis 14.01.2019
5.
Zitat von radnabeSchnell abbremsen vor dem Blitzer nützt jetzt nichts mehr. Theoretisch könnte man ein Stück rasen und dann zum Ausgleich ein Stück schleichen, aber das macht wohl kaum jemand.
Naja, bis zur ersten Kamera kann man ja immer noch rasen, um dann rechtzeitig abzubremsen. Nur mit dem erneuten Gas geben muss man in diesem Fall bis nach der zweiten Kamera warten ;) Und erst rasen, und dann ein Stück schleichen um das wieder auszugleichen könnte immerhin eine Notlösung sein, falls man die erste Kamera verpennt hat. Letzlich zwingt Section Control die Leute für eine etwas längere Strecke zum einhalten der Geschwindigkeit. Ob das sinnvoller ist als reguläre, stationäre Blitzer weiss ich nicht. Letzlich sind stationäre Blitzer, in welcher Ausführung auch immer, nur an Gefahrenpunkten nützlich, denn alle Ortskundigen bremsen kurz vorher und geben danach wieder Gas.
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