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16. Februar 2013, 10:01 Uhr

Auto-Lacktrends

Deutsche Straßen sollen grüner werden

Mausgraue Autos ohne Ende: Die Mehrzahl der Wagen sind schwarz, weiß oder grau. Lackdesigner Mark Gutjahr erklärt, warum das bald vorbei ist - und Autos wieder blau, rot und grün leuchten werden.

Die Autos werden wieder bunter. Nach einem Jahrzehnt silberner und schwarzer Lacke kehrt die Zeit echter Farben zurück, erklärt Mark Gutjahr im Interview. Der Leiter des europäischen Lackdesigns bei BASF Coatings sagt vor allem Grün eine große Zukunft voraus, auch Rot und Blau kehren verstärkt zurück aufs Blech.

SPIEGEL ONLINE: Herr Gutjahr, sie erwarten eine neue Farbigkeit bei den Autolacken - ist die Ära von Silber und Grau endlich und endgültig vorbei?

Mark Gutjahr: Nein, Schwarz und Grau bleiben auch in Zukunft stark. Das hängt unter anderem mit den vielen Leasing- und Firmen-Fahrzeugen zusammen, bei denen Mut bei der Farbwahl in Hinblick auf den Wiederverkaufswert nicht gewünscht ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Farben werden das ewige Grau in Grau denn künftig ergänzen?

Gutjahr: Im Grunde zeigt sich der beginnende Wandel schon jetzt in dem von uns lange vorhergesagten Brauntrend. Die Farbe liegt heute bereits bei einem Marktanteil von sieben Prozent bei den Neuzulassungen - wir erwarten, dass Braun in Deutschland auf diesem hohen Niveau bleibt.

SPIEGEL ONLINE: Nun ist Braun nicht gerade bunt - was kommt noch?

Gutjahr: Der hohe Stellenwert des Themas Ökologie führt dazu, dass weitere Naturfarben an Bedeutung gewinnen. Vor allem erwarten wir einen Grün-Trend - diese Farbe hat lange kaum eine Rolle gespielt. Auch der Anteil von Blau und Rot wird steigen.

SPIEGEL ONLINE: Was hat denn das gestiegene ökologische Bewusstsein mit der Wahl der Autofarbe zu tun?

Gutjahr: Die Wahl der Lackfarbe ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, wie eigentlich alle Farbvorlieben des Menschen. Der Siegeszug neuer Technologien führt quasi als Gegenpol zu einer wieder entdeckten Wertschätzung der Umwelt und damit zu einem neu gewonnenen Interesse an Traditionen wie dem Handwerk. Damit verbunden sind Farbvarianten, die sich an der Natur orientieren - und was ist natürlicher als Grün? Aber auch Rot und Blau passen in diese Kategorie.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch Farben, die solchen Entwicklungen trotzen?

Gutjahr: Rot ist eine Farbe, die immer wichtig ist - weil Rot eine sehr emotionale Farbe ist. Daher war Rot auch nie ganz weg. Umgekehrt bedeutet dies, dass die wieder steigende Bedeutung roter Lacke von den Menschen nicht so stark wahrgenommen wird, wie der Grün-Trend. Anders als Rot war Grün schließlich fast völlig verschwunden, hatte bei den Neuzulassungen zuletzt einen Anteil von nur einem Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Wann werden wir die neuen Lacke sehen - noch in diesem Jahr?

Gutjahr: Wir müssen noch etwas warten. Bis eine neue Trendfarbe zu sehen ist, dauert es eine Weile. Wir gehen davon aus, dass wir etwa die neuen grünen Lacke in vier bis fünf Jahren wirklich auf der Straße erleben können.

SPIEGEL ONLINE: Nun gab es in den vergangenen Jahren aller Eintönigkeit zum Trotz doch einen neuen Lacktrend: Matt. Wie wird es damit weitergehen?

Gutjahr: Ein toller Effekt - und wir sehen eine verstärkte Nachfrage. Matter Lack wird aber kein Massenthema werden. Zwar wird es auch in Zukunft spezielle Modelle und Sonderserien mit matten Oberflächen geben, die das Angebot abwechslungsreicher und spannender machen. Glänzender Lack wird aber überwiegen.

Das Interview führte Heiko Haupt

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