Auto-Lacktrends: Deutsche Straßen sollen grüner werden

Lacktrends der Zukunft: Aus für die graue Maus Fotos
BASF Coatings

Mausgraue Autos ohne Ende: Die Mehrzahl der Wagen sind schwarz, weiß oder grau. Lackdesigner Mark Gutjahr erklärt, warum das bald vorbei ist - und Autos wieder blau, rot und grün leuchten werden.

Die Autos werden wieder bunter. Nach einem Jahrzehnt silberner und schwarzer Lacke kehrt die Zeit echter Farben zurück, erklärt Mark Gutjahr im Interview. Der Leiter des europäischen Lackdesigns bei BASF Coatings sagt vor allem Grün eine große Zukunft voraus, auch Rot und Blau kehren verstärkt zurück aufs Blech.

SPIEGEL ONLINE: Herr Gutjahr, sie erwarten eine neue Farbigkeit bei den Autolacken - ist die Ära von Silber und Grau endlich und endgültig vorbei?

Mark Gutjahr: Nein, Schwarz und Grau bleiben auch in Zukunft stark. Das hängt unter anderem mit den vielen Leasing- und Firmen-Fahrzeugen zusammen, bei denen Mut bei der Farbwahl in Hinblick auf den Wiederverkaufswert nicht gewünscht ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Farben werden das ewige Grau in Grau denn künftig ergänzen?

Gutjahr: Im Grunde zeigt sich der beginnende Wandel schon jetzt in dem von uns lange vorhergesagten Brauntrend. Die Farbe liegt heute bereits bei einem Marktanteil von sieben Prozent bei den Neuzulassungen - wir erwarten, dass Braun in Deutschland auf diesem hohen Niveau bleibt.

SPIEGEL ONLINE: Nun ist Braun nicht gerade bunt - was kommt noch?

Gutjahr: Der hohe Stellenwert des Themas Ökologie führt dazu, dass weitere Naturfarben an Bedeutung gewinnen. Vor allem erwarten wir einen Grün-Trend - diese Farbe hat lange kaum eine Rolle gespielt. Auch der Anteil von Blau und Rot wird steigen.

SPIEGEL ONLINE: Was hat denn das gestiegene ökologische Bewusstsein mit der Wahl der Autofarbe zu tun?

Gutjahr: Die Wahl der Lackfarbe ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Entwicklung, wie eigentlich alle Farbvorlieben des Menschen. Der Siegeszug neuer Technologien führt quasi als Gegenpol zu einer wieder entdeckten Wertschätzung der Umwelt und damit zu einem neu gewonnenen Interesse an Traditionen wie dem Handwerk. Damit verbunden sind Farbvarianten, die sich an der Natur orientieren - und was ist natürlicher als Grün? Aber auch Rot und Blau passen in diese Kategorie.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch Farben, die solchen Entwicklungen trotzen?

Gutjahr: Rot ist eine Farbe, die immer wichtig ist - weil Rot eine sehr emotionale Farbe ist. Daher war Rot auch nie ganz weg. Umgekehrt bedeutet dies, dass die wieder steigende Bedeutung roter Lacke von den Menschen nicht so stark wahrgenommen wird, wie der Grün-Trend. Anders als Rot war Grün schließlich fast völlig verschwunden, hatte bei den Neuzulassungen zuletzt einen Anteil von nur einem Prozent.

SPIEGEL ONLINE: Wann werden wir die neuen Lacke sehen - noch in diesem Jahr?

Gutjahr: Wir müssen noch etwas warten. Bis eine neue Trendfarbe zu sehen ist, dauert es eine Weile. Wir gehen davon aus, dass wir etwa die neuen grünen Lacke in vier bis fünf Jahren wirklich auf der Straße erleben können.

SPIEGEL ONLINE: Nun gab es in den vergangenen Jahren aller Eintönigkeit zum Trotz doch einen neuen Lacktrend: Matt. Wie wird es damit weitergehen?

Gutjahr: Ein toller Effekt - und wir sehen eine verstärkte Nachfrage. Matter Lack wird aber kein Massenthema werden. Zwar wird es auch in Zukunft spezielle Modelle und Sonderserien mit matten Oberflächen geben, die das Angebot abwechslungsreicher und spannender machen. Glänzender Lack wird aber überwiegen.

Das Interview führte Heiko Haupt

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insgesamt 89 Beiträge
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    Seite 1    
1. hm
sir.viver 16.02.2013
Zitat von sysopMausgraue Autos ohne Ende: Die Mehrzahl der Wagen sind schwarz, weiß oder grau. Lackdesigner Mark Gutjahr erklärt, warum das bald vorbei ist - und Autos wieder blau, rot und grün leuchten werden. Lacktrend bei Autos: Grün ist im Kommen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/lacktrend-bei-autos-gruen-ist-im-kommen-a-883579.html)
Rot oder blau? Sollten wir nicht lieber über das Wetter reden?
2. Bunte Republik
ekel-alfred 16.02.2013
Zitat von sysopMausgraue Autos ohne Ende: Die Mehrzahl der Wagen sind schwarz, weiß oder grau.
Jaaa bitte Herr Gutjahr! Bringen Sie wieder Farbe auf Deutschlands Strassen! Ich kann diesen silbernen und schwarzen Einheitsbrei nicht mehr sehen. Konservativ und langweilig! Ich hatte selbst so einen metallicgrünen Passat wie der Scirocco in der Fotostrecke und war jahrelang begeistert.
3. Über 70% der Neuzulassungen ...
artbond 16.02.2013
... sind geleaste Firmenwagen, das ist der Hauptgrund für die gedeckten Farben. Alles außergewöhnliche verringert den Restwert. Deshalb bleiben unsere Straßen grau...
4. <->
silenced 16.02.2013
Grün? Bitte nur NACH einer permanenten Taglichtpflicht.
5.
marthaimschnee 16.02.2013
Vielleicht sollte man dann die Farbe nicht nur wählen können, sondern auch wirklich eine Auswahl haben! Das was viele Autohersteller momentan anbieten, ist die pure Unverschämtheit. 2 Standardfarben, vielleicht 10 zusätzliche aber nur gegen Metallic-Aufpreis und dann in den unmöglichsten Farbtönen. Nee danke, dann doch lieber schwarz!
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Zur Person
  • Mark Gutjahr, Leiter Design Europa, BASF Coatings, wurde 1973 geboren. Er schloss sein Studium an der Köln International School of Design 2001 als Diplomdesigner ab. Danach arbeitete er als selbstständiger Design-Consultant und war Mitglied der Designkooperative bibi*gutjahr. Seit 2005 war er als selbstständiger Designer unter anderem für BASF Coatings tätig. Seit 2011 ist er Leiter Design Europa bei BASF Coatings.

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Folie statt Autolack: Bunt eingewickelt
Die Zahlen der Farben
Zahlen spiegeln die unfarbige Zweitönigkeit der vergangenen Jahre deutlich wider: Im Jahr 2003 lag Grau - dazu zählt auch Silber - bei den Neuzulassungen mit knapp 45 Prozent vor Schwarz mit knapp 23 Prozent. Bis 2006 tat sich so gut wie nichts: 42 zu 28 Prozent. Mit dem Beginn des zweiten Jahrzehnts gab es immerhin einen Platztausch - 2011 meldete das KBA Schwarz mit 31 Prozent vor Grau mit 30,9 Prozent. Aktuell mischt als weitere Unfarbe Weiß wieder mit, und kam 2012 auf einen Anteil von rund 15 Prozent.


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