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Ladestrom aus Straßenleuchten: Es lade Licht

Von Markus Bruhn

Ladestrom aus Straßenlampen: Energie für Laternenparker Fotos
Ubitricity

Rund 2200 öffentliche Ladestationen für E-Autos gibt es in Deutschland. Zu wenig, falls sich Elektromobile in den kommenden Jahren tatsächlich massenhaft verbreiten. Ein Berliner Start-up zeigt, wie man rasch, simpel und billig viele neue Ladepunkte schaffen könnte.

Elektroautos sind die idealen Stadtautos - jedenfalls für Menschen mit Garage, Carport oder sonstigem Anschluss an eine Steckdose. Es könnte aber auch anders gehen, etwa mit Hunderten von Ladepunkten für Laternenparker. So jedenfalls würde das Berliner Start-up-Unternehmen Ubitricity das Problem lösen.

Die Idee: Straßenlaternen werden mit Steckdosen ausgestattet.

Der Clou: Eine solche Umrüstung kostet nur etwa 300 Euro.

"Das Spannende ist, dass Straßenlaternen überall vorhanden sind und ich dort, wo mein Auto eh sieben oder acht Stunden steht, dessen Akku aufladen kann - ohne aufwendige Infrastruktur", sagt Ubitricity-Geschäftsführer Knut Hechtfischer. Laut Auskunft von Hechtfischer können sowohl bestehende Laternenmasten nachgerüstet als auch neue Laternen mit Ladedose aufgestellt werden - schließlich werden in Deutschland jedes Jahr etwa fünf Prozent der insgesamt rund neun Millionen Laternenmasten ausgetauscht.

Ein weiteres Detail des Konzepts steckt im Ladekabel. In der Verbindung zwischen Autoakku und Laternenpfosten ist nämlich ein Stromzähler integriert, bislang steckt dieses Gerät in den Ladesäulen. Das Ubitricity-System funktioniert so: Die gezapfte Strommenge wird vom Kabel über eine Mobilfunkverbindung an eine Zentrale übermittelt, die Abrechnung erfolgt über den jeweiligen Stromanbieter des Elektroautobesitzers am Monatsende.

Theoretisch ließe sich mit dem intelligenten Ladekabel an jeder öffentlichen Steckdose Energie tanken - unabhängig vom jeweiligen Stromanbieter und autark von den Bezahlsystemfirmen, die es für E-Auto-Ladesäulen inzwischen gibt.

"Die Belieferung eines mobilen Stromzählers durch verschiedene Stromlieferanten ist etwas Neues. Anfangs, vor rund zwei Jahren, wurde unser System als 'vagabundierender Zähler' gescholten", sagt Hechtfischer. Die Vorbehalte seien inzwischen jedoch ausgeräumt. "Wir sind in einem vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Projekt gemeinsam mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt sowie dem Messstellenbetreiber Voltaris und erfüllen alle gesetzlichen Anforderungen", erklärt der Ubitricity-Chef. "Mobile Stromzähler gibt es übrigens auch auf Tausenden Lokomotiven."

Eine Steckdose steht direkt vor dem VDA-Hauptquartier

Aktuell laufen Feldversuche mit den Stromzählern im Ladekabel, unter anderem auch in Berlin. Kurz vor Weihnachten wurde ein Lichtmast in der Markgrafenstraße in Berlin-Mitte mit einer Ubitricity-Steckdose ausgerüstet, unmittelbar vor der Haustür des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA). Das "neue Ladekonzept" könne einen "wertvollen Beitrag" zum Ausbau der Ladeinfrastruktur leisten, lobte VDA-Geschäftsführer Ulrich Eichhorn. Die Testphase des Systems soll Ende 2014 abgeschlossen sein.

Die Senatsverwaltung in Berlin befindet sich derzeit in einem Vergabeverfahren für Hunderte Ladesäulen, die in den kommenden zwei Jahren installiert werden sollen. Entschieden ist noch nichts, es könnte also auf das vergleichsweise billige und simple Laternenladen hinauslaufen.

Eine Schnellladung von Akkus ist mit dem Strom aus den Lichtmasten allerdings nicht möglich. Hier geht es um Autos, die für einige Stunden am Straßenrand geparkt und dabei aufgeladen werden. Vor allem klammen Kommunen dürfte diese Lösung sehr entgegenkommen, denn eine Schnellladesäule kostet je nach Ausstattung und Spezifikation zwischen 10.000 und 30.000 Euro.

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1.
chrome_koran 22.01.2014
Ha, das Ladekabel ist der Clou. Ich denke da an die Szene aus Breaking Bad, als Walt in der Wüste eine Batterie baut und dabei ihre Funktionsweise dem Jesse zu erklären versucht: W: So, und welches Element leitet dann den Strom ab? J: Aaa! Draht! Genau. Nun hatte es sich ganz heimisch in Lübeck der letzten Tage zugetragen, dass die im Stadthafen wochenlang angelegte Arche Noah – ein Riesentrumm-Bibel-Erlebnispark – den Strom an Land bezog, wie es ja nicht unüblich ist. Gleich zweimal hintereinander wechselte dabei zwischendurch das mächtige Stromkabel unfreiwillig und unauffällig die Besitzerin. Das Element darin – ahaa, Draht! – wirft anscheinend auf dem Altmetall-Schwarzmarkt nach wie vor schöne Gewinne ab. Am gegenüber liegenden Ufer, in der Marina, lächelten die Verwlater nur müde darüber – da ist Kabeldiebstahl Gang und Gäbe, diese Verluste kalkulieren die meisten Anlieger schon mal fest ins Jahresbudget ihres Bootes. In Berlin dürften sich die Buntmetalldiebe schon mal die Hände reiben ;)
2. 2200.. und keiner hat sie je gesehen...
enw 22.01.2014
geschweige denn gefunden... Denn da es in der StVO kein offizielles Schild für eine E-Tankstelle gibt dürfen gar keine Hinweisschilder aufgestellt werden wo sich solche Steckdosen befinden. Unglaublich krank dieses Land.
3. Hört sich gut an aber ...
joergimausi 22.01.2014
... was ist mit dem Kabel? Es wird sicher Witzbolde geben, die das abschneiden, beschädigen, aus dem Sockel ziehen, drüber stolpern und sich den Hals brechen ... Ich lass mein Auto ja auch nicht an der Tanke mit dem Zapfhahn stehen und mach ein Nickerchen. Hat dann der mit dem E-mobl ggü dem Verbrennungsmotor ein "Recht" darauf diesen Parkplatz zu bekommen, wenn der andere Parkplatz keinen Ladeplatz hat? Was passiert bei Stromausfall oder technischen Problemen an der Laterne? Wenn mein Auto dann morgens nicht aufgeladen ist und ich einen wichtigen Termin habe, wer haftet? Was passiert wenn die Laternen einen Defekt haben?
4. Kompliment
kenterziege 22.01.2014
Zitat von sysopUbriticityRund 2200 öffentliche Ladestationen für E-Autos gibt es in Deutschland. Zu wenig, falls sich Elektromobile in den kommenden Jahren tatsächlich massenhaft verbreiten. Ein Berliner Start-up zeigt, wie man rasch, simpel und billig viele neue Ladepunkte schaffen könnte. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/ladestrom-aus-laternenmasten-fuer-e-autos-a-940308.html
Mein Kompliment! Die einfachsten Lösungen sind oft die Preiswertesten. Skeptisch bin ich allerdings bei zwei Dingen. Die Funkverbindung zur Identifikation ist störanfällig und könnte geknackt werden. In Berlin kommt noch der Vandalismus dazu. Ratz - fatz ist mit einer isolierten Zange die Verbindung für den Vandalismus freigegeben! Der Ärger setzt dann ein, wenn diese Lade-Parkplätze gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern privilegiert sind. Aber die soziale Akzeptanz durch die Vandalen könnte ja auch Teil eines Feldversuches sein!
5. Öhm, da seh ich aber ein statisches Problem,
stefanmargraf 22.01.2014
wenn die da einfach so mir nichts dir nichts ein Loch reinfratzeln. Und in Berlin Frankfurt München ist dann ein Parkplatz an der Lampe frei, wenn man ihn braucht? Never ever ever ever. Und das Ladekabel geht nicht über Nacht Richtung Altmetallhändler? Ich brauche Ladeparkplätze, die nur von reinen E-Mobilen angefahren werden dürfen sowie eine App, die mir sagt, welche wo wann frei sind und die ich für 15min zur Anfahrt per App reservieren kann!
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Welche Typen von Elektroautos gibt es?
Reiner Elektroantrieb
Diese Fahrzeuge haben keinen klassischen Antriebsstrang mehr, der vom Motor die Bewegungsenergie auf die Räder überträgt. Stattdessen sind in den Radnaben Elektromotoren, die Energie kommt aus einem Akku, der an der Steckdose aufgeladen werden kann. Weil die Speicherkapazität der Batterien noch nicht mit einem klassischen Automobil vergleichbar ist, haben einige Elektromobile einen sogenannten Range Extender an Bord - einen kleinen Generator, der die Elektromotoren mit Energie versorgt, wenn der Akku leer ist.

Beispiele: Tesla Model S, VW E-Up, VW E-Golf, Renault Zoe, BMW i3, Ford Focus Electric, Nissan Leaf, Mercedes B-Klasse E-Drive
Hybridantrieb
Hybridautos haben zusätzlich zum klassischen Verbrennungsmotor einen Akku an Bord. Wenn der leer ist, springt der Benziner an. Eine Variante sind sogenannte Mild-Hybrid-Systeme, bei denen der Stromantrieb nur parallel unterstützend läuft, um den Benzinverbrauch zu reduzieren. Der Akku wird in der Regel durch Bremskraftrückgewinnung und einen Dynamo geladen. Zukünftige Hybridfahrzeuge sollen aber auch an der Steckdose aufladbar sein.

Beispiele: Toyota Prius, Toyota Prius+, VW Golf GTE, Porsche Panamera S E-Hybrid, Porsche 918 Spyder, Volvo V60 PiH, BMW i8
Brennstoffzellenantrieb
Bei diesen Fahrzeugen tankt man statt Benzin flüssigen Wasserstoff. In einer chemischen Reaktion wird das Hydrogen in der Brennstoffzelle in elektrische Energie umgewandelt, die dann das Fahrzeug antreibt. Anders als bei reinen Elektrofahrzeugen ist die Infrastruktur für den Wasserstoff eine ungelöste Frage. Vorteil der Brennstoffzellenfahrzeuge ist ihre größere Reichweite.

Beispiele: Hyundai ix35, Honda FCX Clarity, Hamburger Nahverkehrsbusse (Mercedes-Benz), Toyota Mirai
Range Extender
Im Gegensatz zu den herkömmlichen Elektroautos haben Range Extender einen Verbrennungsmotor an Bord, der anspringt, wenn die Ladung der Batterie zur Neige geht. Vorteil: Die Reichweite steigt auf das Niveau eines Autos mit konventionellem Antrieb. Vorreiter dieser Spezies ist der Opel Ampera, der die Kraft des Verbrenners aber auch nutzt, wenn die volle Leistung zum Beispiel auf der Autobahn abgerufen wird.

Beispiele: Opel Ampera (baugleich mit Chevrolet Volt), BMW i3 (optional mit Benzinmotor)
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