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Ladetechnik für Elektroautos: Strom ohne Strippe

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Wer parkt, tankt - und muss nie mehr an die Zapfsäule, nie mehr zur Kasse. Das ist die Vision eines deutschen Tüftlers, der mit seiner Firma eine faszinierende kabellose Aufladetechnik für Elektroautos entwickelt hat: Magnetfeld-Platten im Boden sollen den Fahrzeugen Stromschübe geben.

IAV

Seit Elektroautos als die Zukunftslösung gelten, ist Torsten Cymanek ein gefragter Mann. Energieversorger, Wissenschaftler und Stadtplaner interessieren sich für den Tüftler. Sein Unternehmen hat schon Stromzapfsäulen entwickelt - und nun will Cymanek quasi nebenbei eines der größten Akzeptanzprobleme des Elektroautos lösen.

"Den Wagen daheim in der Garage ans Netz zu hängen, ist ja vollkommen in Ordnung", sagt er. "Aber irgendwo im Parkhaus oder in der Stadt?" Cymaneks Alternative: eine schmucklose schwarze Platte von der Größe eines Beistelltisches. In ihr steckt eine Spule aus rund 50 Meter Kupferkabel. Wenn Strom durchfließt, baut diese Spule ein Magnetfeld auf. Die Platte wird auf dem Parkplatz in den Boden eingelassen. Parkt direkt über ihr ein Elektroauto, das an seiner Unterseite ebenfalls mit einer Platte bestückt ist, kann über das Magnetfeld Energie ins Auto übertragen werden. Komplett Kabellos. Der Fahrzeugakku wird geladen.

Die Methode kennt man zum Beispiel von elektrischen Zahnbürsten - Cymanek überträgt sie einfach ins Große. "Mit dem System können wir eine Entfernung von 15 Zentimetern überbrücken, selbst wenn die Platte unter dem Asphalt verborgen wäre", sagt er. "Das ist einfacher als Tanken." Die Technik sei auch kaum teurer als eine herkömmliche Ladestation. In Massenfertigung schätzt er einen Stellplatz auf 2000 Euro und verweist darauf, dass manche Stromtankstellen das Fünffache kosten.

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Das kabellose Elektroauto: Strom per Magnetfeld
Wie gefährlich ist es, sich in der Nähe der Platte aufzuhalten? Cymanek nimmt auf der aktivierten Ladeplatte Platz: "Es wird nicht warm, und man bekommt auch keinen Stromschlag." Dass sie langfristig unbedenklich ist, beweist das natürlich nicht - und genauso offen ist, ob das Magnetfeld möglicherweise Folgen für die komplexe Bordelektronik moderner Autos hat.

Cymanek plant eine Online-Autorisierung, damit man zum Aufladen nicht mal mehr aussteigen und seine Identität bestätigen muss. Seine kühne Vision ist, dass die Fahrzeuge und die Platten irgendwann für eine Schnellladung mit stärkeren Strommengen gerüstet sind - damit Elektroautos an roten Ampeln oder am Bahnübergang rasch einen Stromstoß bekommen, ehe die Fahrt weiter geht.

Cymanek ist nicht der einzige, der an der Idee arbeitet. Die Ingenieurgesellschaft Auto und Verkehr (IAV) hat ein ganz ähnliches Konzept entwickelt und plant eine Versuchsstrecke in Niedersachsen. Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) forschen unter dem Titel WiTricity an drahtloser Stromversorgung - denken dabei bisher aber vor allem an kabellose Laptops oder Glühbirnen.

Cymaneks Prototyp funktioniert nach allem Anschein ordentlich, doch er hat noch keinen Hersteller gefunden, der die rund 15 Kilo schweren Platten unter seine Fahrzeuge schrauben will. Der Elektro-Kleintransporter im Hof seiner Firma ist derzeit wahrscheinlich das einzige Auto, das per Magnetfeld Energie bekommt. Die Autoindustrie ist bisher ähnlich skeptisch wie bei Shai Agassi, dessen Firma Better Place automatische Batterie-Wechselstationen propagiert. Grundlegend neue Technik übersteigt offenbar nicht nur das Vorstellungsvermögen vieler Verbraucher - sondern auch das vieler Autohersteller.

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Fahren mit Strom: Die zehn erstaunlichsten Elektroautos

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