Comeback von Luxusmarke Lagonda Einfach unerreichbar

Klappt es dieses Mal? Seit Langem plant Aston Martin, die Luxusmarke Lagonda wieder auferstehen zu lassen - doch für eine SUV-Studie erntete der Hersteller zuletzt Häme. Jetzt versuchen es die Briten mit einer Limousine. Mit Geld allein ist sie nicht zu bekommen.

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Aston Martin

Es ist nur eine schwarze Silhouette vor einem dunklem Hintergrund, doch bei Auto-Aficionados wird sie den Puls in die Höhe treiben: Denn mit der Skizze einer Limousine bestätigt Aston Martin das Comeback der Luxus-Tochter Lagonda. Und um zu beweisen, dass sie es dieses Mal wirklich ernst meinen, zeigen die Briten noch das schemenhafte Foto eines Prototypen.

Diese Bilder sind doppelt wichtig: Denn erstens kursieren die Gerüchte über das Comeback schon seit mehr als fünf Jahren. Und zweitens war zu befürchten, dass es tatsächlich jene ausgesprochen schwülstige SUV-Studie vom Genfer Salon 2009 werden würde, mit der sich die Marke zurückmeldet. Doch jetzt ist klar, dass es erst einmal kein "Nilpferd im Nerzmantel" geben wird - den Weg zurück in die Zukunft will Lagonda stattdessen mit einer sittsamen Limousine starten, die einen Bentley Mulsanne und einen Rolls-Royce Phantom alt und behäbig aussehen lassen soll.

Gebaut werde das Auto weitgehend von Hand, im Stammsitz in Gaydon, kündigt Aston Martin an. Geplant sei eine limitierte Auflage, deren Auslieferung Anfang nächsten Jahres beginnen soll. Solche Kleinserien haben bei Aston Martin eine gewisse Tradition: Aus Gaydon stammen andere handgefertige Luxusschlitten wie der Supersportwagen One-77, das Designercoupé V-12 Zagato oder zuletzt der Roadster CC, den sich die Marke zum 100. Geburtstag geschenkt hat.

Extravaganter als Aston Martin

Lagonda ist schon weit über Hundert. Die Marke wurde bereits im Jahr 1900 vom amerikanischen Ingenieur Wilbur Gunn in der englischen Provinz Middlesex gegründet. Gunn benannte seine Firma nach dem indianischen Namen eines Flusses, der durch seinen Heimatstaat Ohio fließt. Das erste Fahrzeug war eine dreirädrige Voiturette. Ihr folgte 1907 ein Modell mit vier Rädern, zur Kundschaft zählte damals unter anderem das russische Zarenhaus.

Von den zwanziger Jahren an verschrieb sich Lagonda den Sportwagen, baute den "Bentley des kleinen Mannes", gewann die 24-Stunden-Rennen von Le Mans und konnte sogar Walter Owen Bentley als Konstrukteur gewinnen, als dessen eigene Firma 1931 von Rolls-Royce übernommen wurde. Damit begann der Versuch, in der Luxusklasse Fuß zu fassen. Letztendlich blieb er jedoch erfolglos - 1947 übernahm Aston Martin die finanziell ausgezehrte Marke Lagonda.

Seitdem steht Lagonda nicht nur für Luxus, sondern auch für eine Extravaganz und Avantgarde, die man in einem traditionellen Aston Martin nicht findet. Der letzte Lagonda aus den Achtzigern zum Beispiel sah mit seinem kantigen Design aus wie ein Ufo. Passend dazu hatte der schräge Viertürer ein Cockpit wie ein Raumschiff, mit LED-Anzeigen und Sensortasten.

Das Auto darf nicht jeder kaufen

Das wird ein Anspruch sein, an dem sich auch die neue Lagonda-Limousine messen lassen muss. Und sie wird es schwer haben, ihn zu erfüllen. Denn knapp zehn Jahre, nachdem Aston Martin aus der Ford-Familie ausgetreten ist, tun sich die Briten noch immer schwer mit neuen Allianzen: Ihre bestehende Bodengruppe und Motorenpalette müssen sie deshalb immer und immer wieder auf Vordermann bringen. Zwar gibt es mittlerweile zumindest eine Partnerschaft mit dem Mercedes-Ableger AMG - doch bis diese Kooperation Früchte trägt, wird es wohl noch zwei, eher drei Jahre dauern, hört man bei den Briten.

Auch der neue Lagonda steht deshalb wie der Aston Martin Rapide auf der sogenannten VH-Plattform und wird wohl den sechs Liter großen V12-Motor bekommen, den Aston Martin bei Ford in Köln bauen lässt. Der Motor leistet in seiner stärksten Ausbaustufe aktuell 573 PS, dürfte aber das Zeug für 600 PS haben und damit locker für ein Spitzentempo von 300 km/h reichen.

Zwar können sich Fans der Marke darüber freuen, dass die Legende Lagonda jetzt tatsächlich wiederbelebt wird. Doch wer nun sein Anlagevermögen auflöst, handelt womöglich voreilig. Denn einfach so wird man das Auto, dessen Preis wohl auf jenseits einer halben Million Euro taxiert werden darf, nicht kaufen können: "By Invitation Only" - nur auf Einladung dürfe man seine Bestellung aufgeben, verkündet Aston Martin. Und wer in Euro oder Dollar rechnet, hat ohnehin schlechte Karten. Bezahlt wird in Dirham - denn verkauft wird der Lagonda zunächst nur in den Emiraten.

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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
el-gato-lopez 25.07.2014
1. Fail
Zitat von sysopAston Martin Klappt es dieses Mal? Seit langem plant Aston Martin, die Luxusmarke Lagonda wieder auferstehen zu lassen - doch für eine SUV-Studie erntete der Hersteller zuletzt Häme. Jetzt versuchen es die Briten mit einer Limousine. Mit Geld allein ist sie nicht zu bekommen. http://www.spiegel.de/auto/aktuell/lagonda-aston-martin-praesentiert-limousine-der-luxusmarke-a-982911.html
Hm, auch die Limousine scheint ja diese gruselige Front des SUV (riesen Maul + zugekniffene Augen) zu haben. Soll das die Formsprache einer Traditionsmarke sein? Was die Gestaltung der Seitenpartie betrifft, naja, nicht schlecht, aber auch nichts was einen Designpreis verdienen würde. Im grossen und ganzen eine etwas gedigenere Protzkarre für die Nouveau Riche des Ostens. Wer daheim eine Pudelstatue aus Massivgold hat, kauft sich sicher auch so einen Kübel. Steht ja ein "Traditionsname" drauf...
Sabi 25.07.2014
2. bereit
Einige Milliardär-Scheichs und neureiche Russen gibt es immer wieder, die sowas kaufen. Kein Problem !
Meckerle 25.07.2014
3. Wenn überhaupt ...
... hat Lagonda damals die Trümmer von Aston Martin aus der Insolvenz gekauft. Genauer: ein Hr. David Brown hat zunächst Lagonda und dann Aston Martin erworben, beides für kleines Geld nach dem Krieg und hat dann die Lagonda Motoren (Konstrukteur Mr. Bentley) in die DBs von Aston verbaut ...
garfield 25.07.2014
4.
Zitat von el-gato-lopezHm, auch die Limousine scheint ja diese gruselige Front des SUV (riesen Maul + zugekniffene Augen) zu haben. Soll das die Formsprache einer Traditionsmarke sein? Was die Gestaltung der Seitenpartie betrifft, naja, nicht schlecht, aber auch nichts was einen Designpreis verdienen würde. Im grossen und ganzen eine etwas gedigenere Protzkarre für die Nouveau Riche des Ostens. Wer daheim eine Pudelstatue aus Massivgold hat, kauft sich sicher auch so einen Kübel. Steht ja ein "Traditionsname" drauf...
Was mich immer abstößt - aber das machen viele andere SUV-Hersteller genauso: viel Blech an der Seite, aber Fenster wie Schießscharten. Dagegen sitze ich in meinem "Kasten" fast wie im Wintergarten (mit entsprechend guter Sicht rundrum). Übrigens: Das "Captain Future"-Cockpit des alten Lagonda finde ich geil. Das wäre was für mich!
osmanian 25.07.2014
5. bei Ford?
Aston Martin lässt Ford sein Motor bauen? Da würde ich als Käufer mich zurückschrecken..
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