Lamborghini Aventador J: Einzelstück für 2,1 Millionen Euro

Aus Genf berichtet

Dieses Auto macht einsam: Auf dem Autosalon in Genf präsentierte Lamborghini den Speedster Aventador J. Ein Einzelstück, um das sich die Interessenten rissen. Nur einer erhielt am Ende den Zuschlag, für 2,1 Millionen Euro. Aber wie wählt man so einen Käufer aus?

Lamborghini Aventador J: Exklusiver Extremist Fotos
Lamborghini

Wie verkauft man ein Auto, das es nur einmal gibt? Das einem aber gleichzeitig zehn, vielleicht aber sogar auch viel mehr Leute am liebsten aus den Händen reißen würden? Stephan Winkelmann musste sich in den vergangenen Wochen genau über diese Frage Gedanken machen.

Winkelmann ist Chef von Lamborghini. Auf dem Genfer Autosalon hat er einen Supersportwagen enthüllt, den es so kein zweites Mal geben wird: den Aventador J. Dass beim Autosalon in Genf Einzelstücke präsentiert werden, ist nichts Ungewöhnliches. Normalerweise handelt es sich aber dann um Designstudien, denen schon vor der Endmontage ein Platz im Werksmuseum sicher ist.

Winkelmann aber will den Wagen, den die Italiener Jota nennen und damit an eine Sonder- und Einzelanfertigung des Lamborghini Miura aus dem Jahr 1970 erinnern, nicht behalten. Entgegen aller Traditionen hat er ihn zum Verkauf freigegeben. Und damit hatte Winkelmann sich, noch bevor der Wagen am Vorabend der Messe seine Weltpremiere feierte, einen neuen Freund gemacht - und einen Sack voll Feinde. Denn mit dem Zuschlag für einen Sammler hat er automatisch eine ganze Reihe anderer potentieller Kunden verprellt.

Kompliziertes Auswahlverfahren

"Den Richtigen zu finden, war keine leichte Aufgabe", räumt der Firmenchef ein. Er weiß, dass er eine gerechte Entscheidung kaum fällen konnte. Ein Losverfahren kam für ihn aber genauso wenig in Frage wie eine Auktion zum Beispiel auf einem Hochglanz-Treffen wie in Pebble Beach.

Dieses Auto musste ein Mensch bekommen, der zu Lamborghini eine ganz besondere Beziehung hat. Also nahm Winkelmann eine geheime Liste aus seinem Schreibtisch, auf der besondere Kunden vermerkt sind. "Da stehen vielleicht 30 oder 40 Namen von Menschen darauf, denen wir so einen Wagen zutrauen", sagt Winkelmann. Sie zählen zu den Stammkunden der Marke, haben schon bei anderen Sondermodellen geboten und so viel Geld, dass sie gar nicht erst nach dem Preis fragen müssen.

Noch bevor das Auto fertig war, hatte Winkelmann diesem erlauchten Kreis von reichen Rasern ein paar Designskizzen geschickt und sie um ein Echo gebeten. Nicht alle haben gleich geantwortet und nicht jeder wollte den Wagen haben. Aber am Ende gab es eine handvoll ernsthafter Interessenten. Und der Lamborghini-Chef musste doch die Lottofee spielen. Wie genau er sich entschieden hat und vor allem für wen, das will er nicht weiter erläutern. Selbst ob das Auto in Europa bleibt, nach Asien, Amerika oder doch zu den Scheichs verschifft wird, will er nicht sagen. Nur aus dem Preis macht er keinen Hehl: 2,1 Millionen hat der Jota eingebracht: "Netto, versteht sich". Käme der Kunde aus Deutschland, würde allein das Finanzamt 399.000 Euro einstreichen.

Ein Rückspiegel wie ein Periskop

Kleine Stückzahlen sind für die VW-Tochter Lamborghini nichts Neues: Schon vor fünf Jahren haben die Italiener auf Basis des damaligen Flaggschiffs Murcielago den Reventon gebaut, von dem es nur 20 Exemplare gegeben hat. Und auch der 2010 in Paris enthüllte Aventador-Vorbote Sesto Elemento wird ab Ende dieses Jahres ebenfalls nur 20 Mal gebaut. Doch das Genfer Schaustück ist noch einmal eine Nummer exklusiver.

Das Auto selbst ist dabei vergleichsweise einfach gestrickt. Im Grunde ist der Jota ein Aventador, bei dem wirklich alles weggelassen wurde, was man nicht tatsächlich zum Fahren braucht. Statt Dach, Fenstern und Frontscheibe gibt es nur noch zwei winzige Windabweiser. Und die Karbonkarosserie duckt sich so tief auf die Straße, dass der Rückspiegel wie das Periskop eines U-Bootes aus dem Karosseriekörper ragt. Dazu gibt es ein radikal reduziertes Innenleben mit jeder Menge zur Schau gestelltem Karbon. So bestehen zum Beispiel die Sitze aus Kohlenstoff-Rahmen, die nur mit kleinen Lederkissen gepolstert werden.

Am Ende wiegt der riesige Renner samt seines Allradantriebs deshalb deutlich weniger als 1,5 Tonnen, mit denen der 700 PS starke V12 im Heck buchstäblich leichtes Spiel hat: In nur etwa drei Sekunden katapultiert das 6,5 Liter große Kraftpaket den Tiefflieger auf Tempo 100. Und ihr Ende findet die Raserei erst weit jenseits von 300 km/h. Kein Wunder, dass Winkelmann vom Käufer nicht nur den nötigen Wohlstand erwartet, sondern auch eine gewisse körperliche Fitness. Sonst könnte die erste Fahrt mit dem Ego-Shooter schnell auch die letzte sein.

Auf dem Genfer Salon melden sich beim Chef immer noch weitere Kaufinteressenten - dabei sind die potentiellen Interessenten aus Russland und vom Golf, die gerne auch mal mit Koffern voll Geld nach Genf kommen, noch gar nicht auf der Messe. "Wir hätten in den letzten Tagen locker noch ein halbes Dutzend Autos mehr verkaufen können", sagt Winkelmann und weiß, dass er sich damit sicher ein paar Freunde mehr machen könnte. Doch er weiß genauso gut, dass er sich dann einen jetzt sicher ganz besonders treuen Kunden zum Feind machen könnte. Deshalb bleibt er hart und lässt sich auch von Blanko-Schecks nicht in Versuchung führen: "Mehr als dieses eine Auto wird nicht gebaut."

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1.
HaioForler 08.03.2012
Vernuenftiges Fahrzeug und sieht auch noch gut aus. Und auch der Umweltschutz kommt nicht zu kurz. Aber der Preis, hm ...
2. Die beste Geldanlage überhaupt
zack34 08.03.2012
Zitat von sysopLamborghini Dieses Auto macht einsam: Auf dem Autosalon in Genf präsentierte Lamborghini den Speedster Aventador J. Ein Einzelstück, um dass sich die Interessenten rissen. Nur einer erhielt am Ende den Zuschlag, für 2,1 Millionen Euro. Aber wie wählt man so einen Käufer aus? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,820043,00.html
Der Besitzer kann jetzt schon das Zehnfache (!) für den Weiterverkauf verlangen, es gibt genügend Schaichs usw., die das locker sofort ausgeben würden, auch wenn Fahrzeug bereits gefahren. Also ein tolles Geschäft, Glückwunsch an Besitzer.
3. Die
Brigante 08.03.2012
Zitat von sysopLamborghini Dieses Auto macht einsam: Auf dem Autosalon in Genf präsentierte Lamborghini den Speedster Aventador J. Ein Einzelstück, um dass sich die Interessenten rissen. Nur einer erhielt am Ende den Zuschlag, für 2,1 Millionen Euro. Aber wie wählt man so einen Käufer aus? http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,820043,00.html
Endrohre sind unerträglich gewollt und aufdringlich. Als zukünftiger Eigner würde ich Herrn Winkelmann klar und unmissverständlich drum bitten, schlichte, runde Endrohre zu montieren, oder er kann die Karre an den neuen Geldadel (Moskau bis Abu Dhabi) weiter verticken.
4. ..................
kojak2010 08.03.2012
Käme der Kunde aus Deutschland, würde allein das Finanzamt 399.000 Euro einstreichen. ------------ Ob das FA dann einen Dankesbrief schreiben würde? wenn ich als Kleinunternehmer mit 3 Mitarbeitern sehe was die da jeden Monat einsacken, ohne was dazu zu tun, frage ich mich schon warum die nicht mal zu Weihnachten eine karte schicken. die typen haben schon ein total gestörtes Kundenverhältnis.
5.
Stelzi 08.03.2012
Zitat von BriganteEndrohre sind unerträglich gewollt und aufdringlich. Als zukünftiger Eigner würde ich Herrn Winkelmann klar und unmissverständlich drum bitten, schlichte, runde Endrohre zu montieren, oder er kann die Karre an den neuen Geldadel (Moskau bis Abu Dhabi) weiter verticken.
Zum Glück ist das nur deine Meinung und noch wichtiger: du kommst niemals nie in die Verlegenheit über geschmackliche Nuance in dieser Preisklasse ernsthaft nachdenken zu müssen.
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