Lamborghini Aventador Roadster: Extremsport im Freien
Die Cabrio-Saison hat noch nicht begonnen, da gibt es schon den ersten Superlativ: den neuen Lamborghini Aventador Roadster. Der Wagen ist ein Gerät für Jetpiloten ohne Flugschein, 700 PS stark, 350 km/h schnell. Dass der Feger Spritspartechniken an Bord hat, ist fast schon drollig.
Der erste Eindruck: Reicht da noch der Auto-Führerschein, oder braucht man für den Wagen schon eine Piloten-Lizenz? Diese Frage kann man sich stellen, wenn man mit dem neuen Lamborghini Avantador Roadster zum ersten Mal unterwegs ist. Schließlich rast das Ding schneller als ein Jet beim Start und sieht obendrein auch aus wie ein Auto in Düsenjäger-Verkleidung.
Das sagt der Hersteller: "Das ist das extremste und exklusivste Auto in der 50-jährigen Firmengeschichte", sagt Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann über den offenen Zweisitzer, der ab Juni auf die Straße kommt. Schon das Aventador Coupé mit Karbonkarosserie war nach Ansicht Winkelmanns ein Sprung in die Zukunft. "Jetzt wird das Erlebnis noch emotionaler", schwärmt der Manager. Vollgas verkauft sich offenbar immer; im vergangenen Jahr steigerte die Marke die Zahl der Neuzulassungen um 30 Prozent auf gut 2000 Fahrzeuge.
Der Roadster ist nicht einfach eine rasch geschusterte Ableitung des geschlossenen Modells. "Wir wollten keine Kompromisse machen", sagt Designchef Filippo Perini, "denn Kompromisse sind der Tod der Schönheit." Also erhielt der Roadster ein eigenständiges Hinterteil. Während der 6,5 Liter große V12-Motor beim Coupé unter einer Glasscheibe platziert ist, spannt sich über den Motor des Roadsters eine Art Wirbelsäule aus Karbon, aus der vier feuerfeste Scheiben ragen.
Das ist uns aufgefallen: Wie schnell der Aventador die Persönlichkeit seines Lenkers verändert. Auf der Strandpromenade ganz Herrenfahrer, der sich eitel in jener Bewunderung sonnt, die allein dem Wagen gilt, mutiert man auf einer Rennstrecke zum Jetpiloten. Die Assoziation ist erwünscht, nicht umsonst sitzt auf dem Mitteltunnel der Startknopf unter einer roten Kappe. Und dank präziser Lenkung, Allradantrieb und einem aus dem Rennsport entlehnten Pushrod-Fahrwerk wird der Boulevard-Cruiser auf dem Rundkurs zum Kampfgerät. Explosionsartig reagiert das Auto auf Gasbefehle, in 3,0 Sekunden schießt der Wagen von 0 auf Tempo 100, nach weiteren 22,3 Sekunden zeigt der Tacho schon 300 km/h. Die Welt ringsum scheint rückwärts zu fliegen.
Offen über die Rennstrecke, dazu brüllt der Motor - das ergibt insgesamt ein viel intensiveres Fahrerlebnis als im Coupé. Mehr Unterschied zwischen beiden Aventador-Typen jedoch spürt man nicht. Das bestätigt auch Chefentwickler Maurizio Reggiani: "Auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardo in Italien sind beide Modelle auf die Hundertstelsekunde gleich schnell."
Das muss man wissen: Aufgrund der Karbonkarosserie ist schon der geschlossene Aventador ein Hightech-Sportwagen, beim Roadster legte Lamborghini noch einmal nach. Um ihn steifer zu machen, wurden in den Seitenschwellern und im Mitteltunnel stärkere Karbonfasern und mehr Karbonlagen als beim Coupé verwendet. Auch die beiden Dachhälften sind aus jeweils drei Lagen zweier unterschiedlicher Karbonmaterialien gefertigt und werden durch ihre feste Verankerung zur tragenden Struktur. Das sorgt für eine ungeahnte Steife, die man immer dann fühlt, wenn man den Wagen besonders scharf um die Kurven oder über die Curbs prügelt. Nichts knackt oder zittert.
Auf das Verdeck sind die Italiener besonders stolz. Beim Vorgänger Murcielago gab es lediglich ein Stück Stoff, das umständlich anzubringen war, nur Geschwindigkeiten bis 160 km/h vertrug und nicht ganz dicht hielt. Das neue Dach sei nun wasser- und winddicht und vor allem vollgasfest, verspricht Reggiani. Offen wie geschlossen sind 350 km/h möglich. Und die Geräuschdämmung ist ebenfalls passabel. Bei Tempo 60 dröhnen innen lediglich 60 dB - so viel wie bei einem angeregten Gespräch. Die 80 dB bei 180 km/h entsprechen dem Lärmpegel einer fröhlichen Hochzeitsfeier. Und wenn der Roadster mit 300 km/h dahinfliegt, wird es innen mit 90 dB so laut wie bei einem ausgelassenen Kindergeburtstag.
Apropos: Das Dach lässt sich kinderleicht auf- und abbauen. In wenigen Minuten sind die beiden je sechs Kilo schweren Platten unter der Vorderhaube verstaut. Allerdings ist dann vom ohnehin schon winzigen Kofferraum nahezu nichts mehr übrig.
Auch am Motor der offenen Variante haben die Techniker gefeilt. Den Zwölfzylinder gibt es ab sofort - natürlich auch im Coupé - mit einer Start-Stopp-Automatik und Zylinderabschaltung, die bei weniger als 130 km/h eine Bank des Kraftwerks stilllegt. So geht der Verbrauch um 25 Prozent auf 16 Liter zurück. Aber interessiert das überhaupt? Schon ein kurzer Sprint konterkariert den Einspareffekt, und Käufer eines 357.000 Euro teuren Autos haben wahrscheinlich eh noch nie auf die Tankrechnung geschaut. Interessenten brauchen übrigens Geduld, der Roadster ist bereits bis Mitte 2014 ausverkauft.
Das werden wir nicht vergessen: Wenn man bei Vollgas hochschaltet. Das fühlt sich an, als ramme einem der Stier aus dem Markenlogo die Hörner ins Kreuz. So und nicht anders muss ein brutaler Bolide antreten. Ähnlich bemerkenswert ist allerdings auch die irritierende Stille, wenn bei Rot die Start-Stopp-Automatik greift. Zwar springt der V12 bei Grün schneller an als jeder andere Motor, aber trotzdem ist es ein dämliches Gefühl, wenn sich die Passanten in der Erwartung einer V12-Fanfare umdrehen und dann nichts passiert. "Hat der Depp das Auto abgewürgt?", hört man sie stumm fragen. Danke, auf so was kann man verzichten.
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- Dienstag, 05.02.2013 – 09:35 Uhr
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| Hersteller: | Lamborghini |
|---|---|
| Typ: | Aventador LP 700-4 Roadster |
| Karosserie: | Cabrio/Roadster |
| Motor: | V12-Benziner |
| Getriebe: | sequenzielles Siebengang-Getriebe |
| Antrieb: | Allrad |
| Hubraum: | 6.498 ccm |
| Leistung: | 700 PS (515 kW) |
| Drehmoment: | 690 Nm |
| Von 0 auf 100: | 3,0 s |
| Höchstgeschw.: | 350 km/h |
| Verbrauch (ECE): | 16,0 Liter |
| CO2-Ausstoß: | 370 g/km |
| Gewicht: | 1.625 kg |
| Maße: | 4780 / 2030 / 1136 |
| Preis: | 357.000 EUR |
für die Inhalte externer Internetseiten.

