Lamborghini Egoista: Der Rambo-Lambo

Von Tom Grünweg

Lamborghini

Im Kreis der exklusiven Sportwagenhersteller gibt Lamborghini schon seit Jahrzehnten mit Begeisterung den aufgepeitschten Proll. Zum 50. Geburtstag feiert die Marke dieses Image mit einem Einzelstück, das extremer, aggressiver und exzentrischer ist als alle Lambos je zuvor.

"Bei Lamborghini werden die Fahrzeuge von jeher mit großer Leidenschaft und viel Herz gebaut. Der Verstand rückt in die zweite Reihe", sagt Walter de Silva, Chefdesigner bei Volkswagen und damit auch verantwortlich für die gestalterischen Geschicke der Tochtermarke Lamborghini. Wenn man sich das Brachialgerät anschaut, das anlässlich des 50. Geburtstag der italienischen Sportwagenmarke aus seiner Feder geflossen ist, fragt man sich unweigerlich, ob der Verstand bei diesem Entwurf nicht in der letzten Reihe gesessen hat.

Egoista heißt das Einzelstück mit nur einem Sitzplatz. Es sieht aus, als habe de Silva das Kampfflugzeug ohne Flügel erfunden. "Dieses Auto ist für nur eine Person gemacht, die Freude empfinden und ihre Persönlichkeit mit ebenso hochkarätiger Leistung unterstreichen möchte. Es wurde ausschließlich für Menschen entworfen, die im Leben immer nur das Extreme und Besondere suchen. Somit steht es für extremen Hedonismus. Mit einem Wort - ein kompromissloses Auto: ein Egoist", fabuliert de Silva weiter.

Der mattgraue Monoposto wird von einem auf 600 PS getunten V10-Motor aus dem Serienmodell Gallardo angetrieben. Insofern ist es wohl ganz gut, dass es keinen zweiten Sitzplatz gibt, denn ein Vergnügen dürfte dieses Auto allenfalls für den Fahrer sein. Der sitzt in einer Art Kanzel, die aussieht, als könne man sie wie bei einem Kampfhubschrauber im Ernstfall aus dem Wagen heraussprengen. Links und rechts davon sind Seitenschweller angebracht, die vor allem der Aerodynamik dienen und dem Motor Luft zuführen.

Ein Supersportwagen mit Tarnanstrich

Klassische Scheinwerfer gibt es beim Egoista auf den ersten Blick nicht. An ihre Stelle rücken LED-Umrissleuchten, die nach Kampfjetmanier drei Bildachsen in den Luftraum vor dem Fahrzeug werfen sollen. Zwei weiße Lichter vorne und zwei rote hinten, ein roter Heckblinker oben auf der Kehrseite, zwei orangefarbene Lampen als seitliche Positionsleuchten und eine weitere auf dem Dach - so soll das Ufo auf vier Rädern auch nachts unverwechselbar sein. Erst tief in den Eingeweiden, wo die äußeren Rümpfe am zentralen Karosserieteil befestigt sind, sind zwei Xenon-Scheinwerfer platziert, die wie aus dunklen Höhlen hervorstechen.

Fotostrecke

12  Bilder
Lamborghini Egoista: Ein monströses Geschenk

Nicht nur bei der Form haben sich de Silva und das Designteam von Düsenjägern inspirieren lassen, auch bei der Farbgebung stand die Luftwaffe Pate: Die Fenster bestehen aus orange eingefärbten Antireflex-Scheiben, die Karosserie und die Felgen sind in radarabsorbierender Tarnfarbe gestrichen, was vielleicht sogar vor Tempokontrollen schützt. Und ähnlich wie auf den Tragflächen von Flugzeugen, findet man auf der Karosserie Warnhinweise, wo man den Wagen nicht anfassen oder gar besteigen sollte. Das klingt albern, ist aber durchaus ernst gemeint, denn um überhaupt rein- oder rauszukommen aus dem Auto, muss man über Teile des Aufbaus klettern.

Bei der Geburtstagsfeier wurde der Wagen von Lamborghini-Boss Stephan Winkelmann auf die Bühne gefahren. Der war für diese Aufgabe nicht nur deshalb bestens geeignet, weil er schlank genug ist, um sich wie ein Jet-Pilot unter der Glaskanzel hindurch auf den Schalensitz zu fädeln, sondern weil er wohl einer der wenigen Automanager mit Fallschirmspringervergangenheit sein dürfte. Allerdings trug er bei der Geburtstagsshow nicht Nato-Oliv, sondern Nadelstreifen.

Falls angesichts des Brutalo-Mobils beim einen oder anderen Lamborghini-Fanatiker ein Kaufwunsch keimen sollte: keine Chance. Was die Zukunft des Supersportwagens angeht, hält sich das Unternehmen an den Namen und gibt sich ganz egoistisch. Der Egoista wird ein Einzelstück bleiben, das die Italiener ganz selbstverliebt für sich behalten.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 104 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nix für Niederländer
noalk 14.05.2013
Wo soll man die Anhänger-Kupplung montieren? Schon interessant, sass De Silva das Einzelstück für "für Menschen entworfen (wurde), die im Leben immer nur das Extreme und Besondere suchen." Oscar Wilde hätte sich gefreut.
2. Glcükwunsch an den VW-Konzern wieder mal...
xaindsleena 14.05.2013
Zitat von sysopIm Kreis der exklusiven Sportwagenhersteller gibt Lamborghini schon seit Jahrzehnten mit Begeisterung den aufgepeitschten Proll. Zum 50. Geburtstag feiert die Marke dieses Image mit einem Einzelstück, das extremer, aggressiver und exzentrischer ist als alle Lambos je zuvor. Lamborghini Egoista: Ein Unikat zum fünfzigsten Geburtstag der Marke - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/auto/aktuell/lamborghini-egoista-ein-unikat-zum-fuenfzigsten-geburtstag-der-marke-a-899537.html)
Lamborghini-Unfall.de (http://www.lambounfall.de/) Einfach mal lesen den "Blog", wer's noch nicht kennen sollte. Wirklich sehr aufschlussreich, das ganze. Übrigens ist nicht nur Lamborghini betroffen, sondern offensichtlich auch Audi mit dem Prollschlitten R8. Aber is' ja Premium, lol 'nuff said.
3.
KarlHeinzSteak 14.05.2013
Welcher Idiot sprengt sich denn aus einem Hubschrauber heraus?!? Nach unten macht's keinen Sinn und nach oben bringt lediglich den Vorteil das Unvermeidliche schneller herbeizuführen. Aber mal zum Auto. So sehr ich extravagante Autos auch mag, so sehr hat es Lamborghini bzw. VAG hier übertrieben. Das Ganze wirkt einfach nicht. Es kommt mir eher vor wie ein Themenbike der Teutels von OCC, in das dann alles passendes so gut wie möglich reingequetscht wird. Meiner Meinung nach ist der Reventon das beste Modell der Italiener noch vor den Legenden Diablo und Countach.
4. Gibt es noch einen TÜV?
aljoschu 14.05.2013
Mit diesen Stealth-Fighter-mäßigen Ecken und Kanten in der Karosserie wird das idiotische Gefährt hoffentlich niemals in Deutschland eine Zulassung bekommen.
5. cool
proslacky 14.05.2013
Außen Pfui, innen hui. Die Felgen sind allerdings schon richtig scharf! Das orange ist auch cool.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Auto
Twitter | RSS
alles zum Thema Lamborghini
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 104 Kommentare
  • Zur Startseite
Facebook


Aktuelles zu