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Lamborghini Huracan: Jetzt wird es wild

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Lamborghini Huracan: Raue Schale, rauer Kern Fotos
Lamborghini

Die letzten Lamborghini-Premieren waren nichts für zarte Gemüter, zerklüftete Boliden wie Aventador, Veneno oder Egoista sind ein Stresstest für jedes Ästhetikempfinden. Nur der kleine Gallardo übte sich bislang in Zurückhaltung - doch damit ist es beim Nachfolger vorbei.

Die Marke Lamborghini zu mögen, fiel in den vergangenen Jahren wirklich schwer. Die Präsentationen neuer Fahrzeuge, bei denen Firmenchef Stephan Winkelmann, ein Ex-Fallschirmjäger, gern in extrem eng geschnittenen Anzügen auftrat, hatten einen hohem Fremdschämfaktor.

Es lag vor allem an den Fahrzeugen, die dort gezeigt wurden, der etwa drei Millionen Euro teure Veneno zum Beispiel, oder der Egoista. Zerklüftete Brutalo-Boliden, die mitunter auf Flugzeugträgern präsentiert wurden und mit denen sich Menschen ohne ausgeprägte Profilneurose vermutlich nie aus der Tiefgarage trauen würden. Mit den eleganten Entwürfen der ersten Lamborghini-Jahre hatten sie zumindest nichts mehr gemein.

Etwas gemäßigter gab sich die Marke in den vergangenen Jahren eigentlich nur mit dem Sportwagen Gallardo, der zum meistverkaufte Modell avancierte. Nun tritt dessen Nachfolger an. Der ist zwar im Vergleich zu seinen größeren Brüdern fast schon dezent - aber neben seinem tatsächlich relativ schlichten Vorgänger wirkt auch er wie in den Testosterontopf gefallen.

Eingerichtet wie ein Kampfjet

Huracan LP 610-4 heißt das Auto mit vollem Namen, der sich folgendermaßen entschlüsseln lässt: Huracan war ein legendärer Kampfstier, der 1879 in Alicante kämpfte und als "der Unbesiegbare" bekannt war; LP ist das Kürzel für den längs eingebauten Motor, mit 610 ist die Leistung in PS benannt und die 4 steht für den Allradantrieb.

Allerdings fühlen sich auch in diesem Lambo vor allem Möchtegern-Kampfjetpiloten zu Hause. Die Instrumente sind komplett animiert, dazu gibt es eine Batterie von Kippschaltern und einen Startknopf im Stil eines Bombenabwurfhebels in einem Kampfflugzeug.

Unter dem breit und hoch aufragenden Heck steckt der weiterentwickelte V10-Motor mit 5,2 Litern Hubraum und nun 610 PS Leistung. Das maximale Drehmoment gibt Lamborghini mit 560 Nm an, Allradantrieb ist obligatorisch und dazu gibt es ein neues Doppelkupplungsgetriebe. Und das sind Daten des 1422 Kilogramm schweren Renners: Von 0 auf 100 in 3,2 Sekunden, von 0 auf 200 in 9,9 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 325 km/h.

Festgelegt auf die Rolle als Rambo-Marke

Nach wie vor setzt Lamborghini bei seinem "kleinen" Modell auf einen Saugmotor. Der erreicht seine Maximalleistung erst bei akustisch sicher infernalischen 8250 Umdrehungen pro Minute. Um mit dem Sprit wenigstens ein bisschen hauszuhalten, gibt es eine Benzindirekteinspritzung sowie eine Start-Stopp-Automatik. Der Normverbrauch liegt jetzt bei 12,5 Liter je 100 Kilometer, das sind immerhin zwei Liter weniger als bislang. Für Freunde des hinkenden Vergleichs: Der Huracan braucht damit kaum mehr als doppelt so viel wie ein VW Golf GTI - entwickelt aber dreimal so viel Leistung.

Apropos VW. Dass Lamborghini fast schon dazu verdammt ist, das Thema Sportwagen fortwährend zu überreizen, liegt wohl auch daran, dass im VW-Imperium, zu dem Lamborghini als Audi-Anhängsel seit 1998 gehört, die Rollen klar verteilt sind: Porsche baut die innovativen, deutschen Traditionssportwagen, Bentley die luxuriös-schwülstigen Typen, Bugatti die abgedrehten Über-Autos und Audi bedient mit dem R8 die aufstrebenden Vollgasfreunde. Bleibt also das radikal-rabiate Fach, das Lamborghini so überzeugend besetzt.

Die offizielle Premiere des Huracan findet Anfang März auf dem Automobilsalon in Genf statt, auf die Straße kommen die ersten Modelle wohl frühestens im Sommer - zum Preis von schätzungsweise 180.000 Euro. Wer zur Lamborghini Stammklientel zählt, wird übrigens - mit etwas Glück sogar noch pünktlich zu Weihnachten - eine Einladung in der Post haben. Denn ausgewählten Freunden des Hauses führt Lamborghini den neuen Wagen in den nächsten Wochen bei 130 privaten Preview-Partys in 60 Ländern vor. Es werden wohl auch ein paar extreme Locations dabei sein.

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insgesamt 123 Beiträge
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1. Der sieht
alexanderschulze 20.12.2013
doch mal wirklich toll aus. Sehr gelungen, kein weichgespülter Schluffi.
2. Gelaber
krassmann 20.12.2013
Mit einem Supersportwagen herum zu fahren ist einfach immer prollig. Wer so viel Geld für ein Auto ausgibt hat einfach jegliches Maß verloren. Zum Design möchte ich bemerken, dass ich die von Tom Grünweg genannten vorherigen Modelle endlich mal erfrischend anders fand. Diesen Lamborghini hier emfinde ich eher als biedere Sportwagen-Hausmannskost.
3. wo sind sie geblieben.....
eternus 20.12.2013
..... die eleganten Linien eines Miura oder Espada. Nicht jeder mag den kubistischen Stil der letzten Jahre Lamborghinis.
4. Hauptsache anders
Der unheimliche Hulk 20.12.2013
Also ich habe mir zuerst den Text gelesen und danach die Bilder angesehen. Die Verbindung zwischen beiden ist mir etwas unklar. Natürlich ist das Ding recht aggressiv, aber m.E.n. nicht über-zeichnet. Man muss sich doch nicht immer so zu Tode langweilen wie bei Porsche. Wo z.B. ein Ferrari 458 eleganter sein soll, erschliesst sich mir auch nicht so ganz. Aston Martins sind elegant(er). Der Autor hört sich so an als hätte er gerne einen sportlichen Kombi.
5. optional
Bobby Shaftoe 20.12.2013
Ästhetik? Wer Grills auf den Zähnen, vergoldete MP5 und Offshore-Powerboote mag, der mag auch Lambos. Und der Rest der Welt denkt sich: Helft diesem Fahrer in seinem rollenden Schrei nach Aufmerksamkeit. Der Lambo ist das automobile Pendant zu "Bringen Sie mir den teuersten Wein, den Sie haben!". Der Lambo ist ne Ludenkarre und das wird auch immer so bleiben. Ästhetik?
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